Fredy Bickel: «Schlag ins Gesicht»

Der enttäuschte YB-Sportchef Fredy Bickel spricht im Interview über Blamagen und Verlierermentalität, Lohnabzug und Veroljub Salatic.

Enttäuscht: YB-SportchefFredy Bickel.

Enttäuscht: YB-SportchefFredy Bickel.

(Bild: Keystone)

Fabian Ruch

Haben Sie eine Erklärung für diese Blamage der Young Boys? Fredy Bickel: (überlegt lange) Nein. Nein, nein, nein! Ich kann nicht verstehen, wie man alles, was man sich in den letzten Wochen aufgebaut hat, in einer Partie einfach so wegwirft. Das ist überheblich, dumm, naiv. Ich bin sehr enttäuscht über unseren Auftritt in Buochs.

Wurde zu viel rotiert? Im Nachhinein ist man immer schlauer. Und wenn es keine personellen Wechsel gegeben hätte, wäre bei einer Niederlage die Meinung gewesen, es sei zu wenig rotiert worden. Die Partie fand keine 48 Stunden nach dem Spiel gegen Slovan Bratislava statt, deshalb war es richtig, frische Spieler einzusetzen.

Wie schlimm ist die Niederlage? Extrem schlimm. Sie kam aus dem Nichts, so etwas hätte ich niemals erwartet. Im Cup ist die Chance am grössten, einen Titel zu gewinnen. Und dann leisten wir uns diese Peinlichkeit.

Es scheint länger zu dauern, als Sie gedacht hatten, die Verlierermentalität zu vertreiben. Ich weiss, dass man YB vorwirft, zu genügsam zu sein. Solche Leistungen wie in Buochs zementieren dieses Bild leider. Ich bin aber der Meinung, dass wir schon einiges verändert haben und bis am Samstag auf einem sehr guten Weg waren. Jetzt gab es wieder einen Schlag ins Gesicht.

Dennoch: Sind solche Niederlagen nicht typisch für YB? Solange es immer wieder passiert, kann ich leider nicht das Gegenteil behaupten. Wir arbeiten hart, aber es geht offenbar nicht ohne Rückschläge. Ich hoffe, dass so etwas lange nicht mehr vorkommen wird.

Wie haben Sie diese Blamage intern verarbeitet? Es gab mehrere Sitzungen, zuerst noch in Buochs selber, dann mit der gesamten Mannschaft und dem Staff nach der Rückkehr in Bern in der Kabine des Stade de Suisse. Wir sprachen noch weit über eine Stunde miteinander, und am Sonntag wurde weiter diskutiert. Allen ist die Tragweite dieser Niederlage bewusst. Sie schmerzt den gesamten Verein sehr. Ich verstehe die Reaktionen der Fans, die sauer sind und enttäuscht von uns.

Was wurde in den Gesprächen denn beschlossen? Der Inhalt dieser Gespräche bleibt im Klub, das ist mir wichtig. Es wurde Klartext gesprochen. Die Stimmung war natürlich mies, wir sind am Boden zerstört, einige waren sehr hässig, andere weinten sogar. So eine bittere Niederlage geht nicht spurlos an einem vorbei.

Gibt es jetzt eigentlich Konsequenzen für die Spieler? Ja. Trainer Uli Forte und ich waren uns schon direkt nach der Partie am Samstag in Buochs einig, dass es eine Strafe geben müsse für ein so lockeres und arrogantes Auftreten. Einerseits sind alle ohnehin schon betroffen, weil unser Prämiensystem enorm leistungsabhängig ist. Und andererseits müssen jetzt die Spieler, Trainer und Betreuer zusätzlich auf einen Lohnanteil verzichten. Bei einigen ist das ein hoher vierstelliger Betrag.

Und der Sportchef gehört zum sportlichen Bereich und wird auch mit einem Lohnabzug bestraft.

Jetzt ist YB in der Super League extrem unter Druck. Das ist so, wir haben in der Liga das Messer am Hals, nachdem wir den Cup hergeschenkt haben. In der Super League wollen wir vorne mitspielen. Gewinnen wir am Mittwoch in Sion, kommt es am Sonntag zu einem interessanten Spiel gegen Leader Zürich.

Veroljub Salatic, bei GC nicht mehr erwünscht, und der vereinslose Reto Ziegler werden derweil als YB-Zugänge gehandelt. Salatic ist bei uns immer noch kein Thema. Und Ziegler ist ein interessanter Spieler, aber im Moment holen wir keinen.

Berner Zeitung

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