FC Thun: Glück im Spiel, Glück in der Liebe

In der letzten Partie vor der Länderspielpause kommt Thun daheim zu einem 1:1 gegen das formstarke Luzern. Für zwei Fans wird der Tag unvergessen bleiben.

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Dominic Wuillemin

In Thun läuft schon die Nachspielzeit, als der Puls bei Spielern, Trainern und Zuschauern noch einmal in die Höhe schnellt. Thuns Aussenverteidiger Sven Joss hat in der gegnerischen Hälfte den Ball verloren, Luzern rasch umgeschaltet, Guillaume Faivre sich verspekuliert.

Der Oberländer Goalie steht nicht da, wo er stehen sollte – irgendwo zwischen seinem Strafraum und der Mittellinie. Er kann jetzt bloss noch zuschauen, wie der von Shkelqim Demhasaj aus rund 35 Metern abgegebene Schuss über ihn hinwegfliegt – immer höher, immer weiter.

Es sind Sekundenbruchteile, die am Ende der Saison noch entscheidend werden können. Geht der Ball rein, rückt Luzern bis auf zwei Punkte an die Oberländer heran – der einst so komfortable Vorsprung des Tabellendritten wäre beinahe verspielt. Doch die Thuner, die in den letzten Wochen mehrmals Pech beklagten, gerade bei Schiedsrichterentscheidungen, sind diesmal im Glück.

Demhasajs Schuss landet statt im Tor auf der Latte, es bleibt beim 1:1. Als Sportchef Andres Gerber kurz darauf die Katakomben betritt, hat er ein Lächeln auf den Lippen. Er sagt: «Diesen Lattenschuss hat es gebraucht, dass wir mit dem Unentschieden zufrieden sein können.»

Heiratsantrag auf dem Feld

Thun gegen Luzern, es ist das Duell des Überraschungteams dieser Saison gegen die Überflieger der letzten Wochen. Seit Trainer Thomas Häberli Mitte Februar übernommen hat, sind die Innerschweizer ungeschlagen und bis auf den vierten Platz vorgestossen. Und sie haben – nicht ganz unerheblich – den ungefährdeten Bald-Meister YB aus dem Cup geworfen. Im Halbfinal werden sie Ende April daheim auf den FC Thun treffen.

Und die Hauptprobe für den Cuphalbfinal beginnt mit grossen Gefühlen. Vor dem Spiel macht eine Anhängerin des FC Thun ihrem Freund auf dem Spielfeld einen Antrag. Der Glückliche ist Kassier des Vereins «Ha?rzbluet FC Thun», der auch im fünften Jahr seines Bestehens einen sechsstelligen Betrag für den Club gesammelt hat – diesmal sind es 125000 Franken. Sichtlich gerührt sagt er Ja, rote Ballone in Herzform steigen in die Luft. Es kann losgehen.

Die Darbietung des Heimteams dagegen vermag vor 7274 Zuschauern die Herzen nicht zu erwärmen, das spezielle dunkelblaue «Härzbluet»-Trikot steht den Thunern nicht. Sie müssen sich von den Gästen dominieren lassen, der formstarke Pascal Schürpf trifft nach sieben Minuten die Latte – die Oberländer haben ein erstes Mal Glück. Nicht aber Innenverteidiger Nicola Sutter, der wenig später, nachdem ihm ein Ball ans Gesicht geprallt ist, mit Nasenbluten ausgewechselt werden muss.

Torjäger als Verteidiger

Schon ohne den verletzten Ausräumer Roy Gelmi auskommend, ist Trainer Marc Schneider erneut gezwungen, umzustellen. Er tut dies, indem er Basil Stillhart in die Innenverteidigung beordert.

Der 24-Jährige erledigt den Aushilfsjob hinten mehrheitlich souverän, seine Zweikampfstärke und seine Torgefahr (er hatte drei der letzten vier Tore erzielt) fehlen dem Heimteam vorne. Als der Schiedsrichter zur Pause pfeift, haben die Gäste 13 Schüsse abgefeuert, jedoch nie ins Ziel getroffen.

Die Pause kommt für die Thuner zur rechten Zeit, und sie machen das Beste daraus. Sie zeigen in der zweiten Halbzeit Herzblut, sie gewinnen Zweikämpfe, sind nun ebenbürtig. Und sie haben ein weiteres Mal Glück: Nach 58 Minuten trifft Flügel Dominik Schwizer via den Pfosten und den Rücken von Luzerns Goalie David Zibung ins Tor.

Sein Team sei nach der Pause zu passiv gewesen, sagt FCL-Trainer Thomas Häberli. Er ist nach dem Spiel dennoch ein zufriedener Trainer, weil Schürpf in der 73. Minute das 1:1 gelungen ist, aber kein glücklicher – dazu fehlen bei Demhasajs Schuss ganz zum Schluss wenige Zentimeter.

Und so haben die Oberländer diesmal Glück im Spiel. Zwei ihrer Fans ist zu wünschen, dass sie es in der Liebe finden.

Thun - Luzern 1:1 (0:0) 7274 Zuschauer. - SR Erlachner. - Tore: 58. Zibung (Eigentor/Pfostenschuss Schwizer) 1:0. 73. Schürpf (Vargas) 1:1.

Thun: Faivre; Glarner, Rodrigues, Sutter (23. Fatkic), Joss; Stillhart; Spielmann, Karlen, Costanzo (81. Ferreira), Schwizer (69. Salanovic); Sorgic.

Luzern: Zibung; Schwegler, Lucas, Schulz, Sidler; Voca, Ndenge; Vargas (85. Grether), Schneuwly, Schürpf; Demhasaj.

Bemerkungen: Thun ohne Bigler, Hediger, Righetti, Tosetti, Gelmi (alle verletzt), Luzern ohne Eleke (gesperrt), Juric, Knezevic, Schmid (alle verletzt). 7. Kopfball von Schürpf an die Latte. 91. Lattenschuss Demhasaj. Verwarnungen: 22. Spielmann (Foul). 45. Schneuwly (Foul). 60. Costanzo (Foul). 66. Schwegler (Reklamieren).

Berner Zeitung

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