Erfolgreiche Rückbesinnung

Mit dem 4:1-Heimsieg im Duell gegen Verfolger St.Gallen hat der FC Thun den 4. Tabellenrang gefestigt. Der zweite Erfolg der Rückrunde hätte durchaus noch höher ausfallen können.

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Er schob es nach. In der zweiten Phase seines Statements, mit dem er den Match analysierte. Als Urs Fischer seinem Team zur Leistung und zum Sieg gratuliert hatte und erwähnte, dass «wir die Tore immer im richtigen Moment geschossen haben», fügte er an, dass «wir versucht haben, uns zu erinnern, wer wir sind. Wir stehen auf dem 4.Platz, und das ist aussergewöhnlich, nicht etwa die Normalität. In den letzten Partien hatten wir oft versucht, diesen Platz mit rein spielerischen Mitteln zu rechtfertigen.»

Tatsächlich hatte man von Anfang an gemerkt, dass Thun sich in der Nationalmannschaftspause Gedanken gemacht hatte, darauf brannte, die enttäuschenden drei letzten Begegnungen – nur ein Punkt, dafür acht Gegentore – vergessen zu machen. Mehrere Spieler widmeten sich von der ersten Sekunde an intensivem Pressing, die Angriffsauslösung erfolgte oft mit langen Zuspielen, die Ostschweizer waren auf dem durch den Dauerregen noch schnelleren Kunstrasen Mal um Mal überfordert, schienen gedanklich noch in der Heimat, obwohl sie bereits am Vortag angereist waren.

Die Belohnung für die Gastgeber erfolgte in beiden Halbzeiten früh. Gianluca Frontino (4.) und Andreas Wittwer (8.) sorgten für einen schnellen Doppelschlag, und nur 17 Sekunden nach Aufnahme der zweiten Halbzeit verwertete Alexander Gonzalez den Abpraller nach seinem eigenen Schuss zum entscheidenden 3:0. «Es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden», meinte FCSG-Trainer Jeff Saibene, «unser Defensivverhalten war absolut ungenügend.»

Rojas’ Abschlusssünden

Es mag wie ein Hohn klingen, das Beste für die Gäste war zu diesem Zeitpunkt das Resultat, denn immer dann, wenn Thun zu raschem Kombinationsspiel ansetzte, ging es den auch physisch unterlegenen Gästen viel zu schnell. Schon vor dem Führungstreffer hatte Berat Sadik drei (!) gute Chancen gehabt, und wenn Marco Rojas später nicht geschossen hätte, statt den ideal postierten Frontino anzuspielen (22.), und danach zweimal allein vor Marcel Herzog vergeben hätte (33.), wäre die Pausenrechnung für Saibenes Team noch gesalzener ausgefallen.

«Natürlich hätten wir noch das eine oder andere Tor mehr schiessen können, aber das ist Klagen auf hohem Niveau», sagte Verteidiger Thomas Reinmann, dem nach langer Verletzungspause ein geglücktes Rückrundendebüt gelungen war.

Mancher Pessimist fragte sich nach dem 1:3 durch den Super-League-Debütanten Daniel Lässer, ob sich Thun die Butter wieder vom Brot würde nehmen lassen. Erinnerungen an zwei der drei Heimspiele des Kalenderjahres, als man gegen Aarau und GC nach einer Ein- respektive Zweitoreführung noch das Unentschieden hinnehmen musste, kamen aber nicht auf. Nur eine Zeigerumdrehung später konnte Captain Dennis Hediger den Ball nach einer weiteren konsequenten Offensivaktion problemlos über die Linie drücken.

Den FCZ im Visier

Im Kampf um Platz 4 hat Thun damit vorgelegt, die Distanz zu St.Gallen, auf das am Mittwoch im Cuphalbfinal die Herkulesaufgabe Basel wartet, auf vier Punkte vergrössert und jene zum erstarkten Rekordmeister GC bei neun Einheiten belassen. In Reichweite ist nun plötzlich sogar der 3. Platz, der Rückstand auf Zürich (0:1 gegen Luzern) beträgt nur noch zwei Punkte.

Daran, dass je nach Ausgang des Cups sogar der 5. Platz für die Teilnahme am internationalen Geschäft reichen könnte, mag Reinmann nicht denken. «Wir wollen aus eigener Kraft den 3. oder den 4. Platz erreichen.» Wenn der FCT weiter daran denkt, wie er auftreten muss, damit er die Ziele erreicht, ist dies eine realistische Zielsetzung.

Berner Zeitung

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