Einstellung ist wichtiger als Aufstellung

Als Leader der Gruppe E steigt die Schweiz heute in die zweite Hälfte der WM-Qualifikation. Vor der Partie gegen Zypern in Genf (17.30 Uhr, SRF2) lässt Trainer Ottmar Hitzfeld Öffentlichkeit und Team über die Startformation im Ungewissen.

Ganz genau hat Ottmar Hitzfeld in den vergangenen Tagen seine Nationalspieler beobachtet. Besonders seinen Captain Gökhan Inler (im Vordergrund).

Ganz genau hat Ottmar Hitzfeld in den vergangenen Tagen seine Nationalspieler beobachtet. Besonders seinen Captain Gökhan Inler (im Vordergrund).

(Bild: Keystone)

Entschlossen blickt er drein, fast schon streng, der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. Im Konferenzsaal eines Fünfsternhotels in Mont-Pèlerin, hoch über dem Genfersee hat er Platz genommen und soll über die Ausgangslage vor dem WM-Qualifikationsspiel von heute gegen Zypern Stellung nehmen. Der Sieg des Gruppenleaders gegen den Aussenseiter ist Pflicht zum Auftakt der zweiten Hälfte der WM-Qualifikation. Da sind sich Hitzfeld und die Reporter im Saal einig. Über die Zyprioten («Sie sind ein unangenehmer Gegner») muss der Coach, der im Stade de Genève zum zweiten und letzten Mal gesperrt auf der Tribüne sitzen wird, nur wenige Worte verlieren – obwohl sie der Schweiz im Hinspiel im März ein 0:0 abgerungen haben. Ein grösseres Fragezeichen gibt es bezüglich der Startformation der Schweizer.

Vor einigen Jahren war es die mangelnde Qualität im Angriff, die dem Nationalteam Diskussionsstoff bescherte, danach lagen die Probleme in der Innenverteidigung. Mittlerweile beschäftigt die Öffentlichkeit besonders die Frage, wen der Trainer im zentralen Mittelfeld nominieren soll, nachdem der lange unumstrittene Gökhan Inler seinen Stammplatz in Neapel verloren hat. «Ich habe mich entschieden, aber es macht keinen Sinn, die Aufstellung jetzt schon bekannt zu geben», sagt Hitzfeld und unterlässt es weiter, dem unter Druck geratenen Inler einen Freibrief auszustellen.

Dzemailis Vorwärtsdrang

Schuld an den Spekulationen ist neben dem Trainer, der sein Geheimnis um die Startformation gegen Zypern noch nicht lüften mag, der Mittelfeldspieler Blerim Dzemaili. Er ist wie Inler bei Napoli engagiert und war ein Nutzniesser von Inlers Schwächephase. Dzemaili erhielt in der Serie A viel Einsatzzeit und machte mit Offensivaktionen und Toren auf sich aufmerksam. Der Zürcher, dem unter Hitzfeld bisher die Rolle als Ergänzungsspieler vorbehalten war, bleibt dem Vorwärtsdrang auch während des Zusammenzugs oberhalb von Vevey treu. «Wann, wenn nicht jetzt, erhalte ich einen Platz im Team?», fragte er forsch in die Kamera des Schweizer Fernsehens. Für eine erneute Nichtberücksichtigung hätte er wenig Verständnis.

Inler wiederum gibt sich befragt zu seiner Meinung schmallippig und hält sich mit konkreten Aussagen zurück (siehe Text auf Seite 22). Für seinen Einsatz morgen ab 17.30 Uhr spricht, dass Hitzfeld seine Führungsspieler in der Vergangenheit immer stützte. Als er Bayern München coachte, konnten sich etwa Oliver Kahn und Stefan Effenberg auch nach weniger starken Leistungen seiner Fürsprache sicher sein. Dem 64-Jährigen ist auch bewusst, dass er mit einer Nichtnomination des bei den Mitspielern beliebten Inler für eine Diskussion sorgen könnte, die möglicherweise der Teamleistung abträglich wäre. «Die Einstellung der Spieler ist aber wichtiger als die Aufstellung», sagt Hitzfeld, dem im Mittelfeld weitere Optionen offenstehen. So könnte das Napoli-Trio Inler, Dzemaili und Valon Behrami auch gemeinsam zum Einsatz kommen. Oder Inler und Dzemaili könnten gegen die Defensivkünstler aus Zypern die Zentrale bilden – auf Kosten Behramis, der im Klub eher als Balleroberer denn als Ballverteiler glänzt und in 45 Partien für Napoli weder ein Tor erzielte noch eine Vorlage lieferte.

Gavranovic/Drmic im Sturm?

Deutlicher als zur Ausgangslage im Mittelfeld äusserte sich Ottmar Hitzfeld im Bezug auf die Grundausrichtung der Mannschaft für die heutige Partie: «Die Tendenz geht dazu, mit zwei Stürmern zu spielen.» Bereits bei der Bekanntgabe des Kaders für das Zypern-Spiel war das Lob des Trainers für die Angreifer Josip Drmic und Mario Gavranovic auffällig gewesen. Mit zehn respektive fünf Toren in der Rückrunde hatten sie den FC Zürich auf den vierten Schlussrang geschossen. Heute in Genf dürften die beiden gegen Zypern versuchen, ihr Spielverständnis auch auf internationaler Ebene unter Beweis zu stellen.

Berner Zeitung

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