«Eine sehr gute Leistung, bis zur 86. Minute»

Interview

13 Karten im Spiel YB gegen FCZ und der Fall Hajrovic: Schiedsrichter-Chef Carlo Bertolini spricht im Interview mit Bernerzeitung.ch/Newsnetz über die umstrittenen Szenen in der Super League.

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Sebastian Rieder@RiederSebastian

Carlo Bertolini, die Super League sorgt derzeit für viel Gesprächsstoff.
Ja, vor allem nach so einem Wochenende mit vielen Karten gibt es viel zu analysieren und zu besprechen. Wir schauen uns jedes Spiel an und machen dann eine Beurteilung. Das Spiel YB gegen den FC Zürich habe ich allerdings schon am TV gesehen.

Elf Gelbe Karten, eine Gelb-Rote und eine Rote Karte. Fehlte dem österreichischen Schiedsrichter Alexander Harkam das Fingerspitzengefühl?
Nein, er hat aus meiner Sicht sehr konsequent entschieden. Harkam hatte von Beginn weg eine klare Linie. Bis zur 86. Minute war das eine sehr gute Leistung.

Dann kam die Rote Karte gegen Chiumiento, obwohl Schönbächler Bürki zu Fall brachte.
Ganz klar, ein Fehlentscheid. Man muss dem Schiedsrichter aber zugutehalten, dass die Szene hinter seinem Rücken passierte und es nicht klar ersichtlich war. Harkam hat sich auf den Assistenzschiedsrichter verlassen. Dieser hat die Szene offensichtlich auch falsch beurteilt.

Die Kritik der Medien an Harkam ist gross. Muss das Modell mit Schiedsrichtern aus Österreich überdacht werden?
Dieser Austausch zwischen der Schweiz und Österreich läuft schon über zehn Jahre. Pro Saison betrifft das nur vier Spiele. Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Vor allem für die jungen Schiedsrichter ist es eine Gelegenheit, internationale Reife zu erlangen.

Aber die Schiedsrichter aus Österreich kennen die Schweizer Spieler nicht.
Das kann auch ein Vorteil sein. Sie sind noch objektiver, spielen ohne Brille. Ausserdem haben die Clubs in der Europa League auch Schiedsrichter, die sie noch nie gesehen haben.

Zum Fall Hajrovic: Letzten Mittwoch trifft er Luzern-Goalie Zibung im Gesicht, am Samstag rammt er St. Gallens Besle mit dem Kopf.
Die Rote Karte nach dem Kopfstoss ist richtig. Wobei mir auch aufgefallen ist, dass Besle danach sehr theatralisch zu Boden geht. Hajrovic hat ihn ja nicht am Kopf getroffen, sondern nur an der Brust touchiert. Seine Reaktion war schon ein wenig wehleidig. Ich stelle vermehrt fest, dass die Spieler bereit sind, auch mit unfairen Mitteln zu profitieren. Der Schiedsrichter ist der Einzige auf dem Platz, der nichts gewinnen muss.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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