Eine schöne Momentaufnahme

Die Oberländer verblüffen weiter. Nach dem zu knappen 1:0-Heimsieg gegen den FC Luzern sind sie mindestens eine Woche auf Platz 3 klassiert – die Europa League rückt immer näher.

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Plötzlich drang tosender Jubel aus der Kabine. Captain Dennis Hediger und Matchwinner Alexander Gonzalez gaben noch Interviews, im Refugium des Teams schien derweil schon die Freude zu überborden. War es nur die Erleichterung über den 1:0-Sieg gegen den Tabellenvorletzten? «Natürlich haben wir uns alle über den wichtigen Sieg gefreut, der Jubel war aber so gross, weil ich den Spielern gerade einen zusätzlichen freien Tag gegeben hatte», klärte Urs Fischer auf.

Zusammen mit seinem Staff hatte der Trainer schon vorher festgelegt, dass die Spieler zwei Tage trainingsfrei erhalten würden, wenn sie nach dem 4:1 gegen St.Gallen auch das zweite Heimspiel innert Wochenfrist gewinnen würden.

Und damit die Vorgabe von sechs Punkten aus zwei Heimspielen erfüllen würden. Das war ein sehr ehrgeiziges Ziel, weil der FCT ja vorher in drei Spielen nur einen Zähler geholt hatte. «Die Reaktion der Spieler macht mich schon stolz», sagte Fischer, «wir mussten die Tabelle wieder aus dem Kopf bekommen und haben wieder mehr gespielt wie der FC Thun.»

Gelungene Pausenansprache

Seine Spieler hatten, in Unkenntnis der wartenden Belohnung, zielgerichtet losgelegt, Gonzalez kam schon in der 4.Minute freistehend aus kurzer Distanz zum Abschluss, verstolperte aber. Es sollte lange die letzte Offensivaktion bleiben, erst unmittelbar vor der Pause gab Captain Dennis Hediger einen gefährlichen Distanzschuss ab. Vielmehr waren es die Luzerner, welche auch nach der ausgezeichneten Kopfballchance durch Marco Schneuwly (6.) mehr vom Spiel hatten und das Abwehrdispositiv der Gastgeber mit schnellem Direktspiel wiederholt vor Probleme stellten. Konkrete Möglichkeiten blieben allerdings aus, die Folge war eine langweilige Halbzeit, die in einem logischen 0:0 kulminierte und genügend Material für die Ansprache von Urs Fischer hatte: «Bei uns hatte die letzte Konsequenz gefehlt, der FCL war in den Zweikämpfen und auf die zweiten Bälle präsenter.»

Vielleicht haben die Thuner in der Pause auch einen Blick in den Spiegel gewagt. Sie trugen eigens für diese Partie fabrizierte «Härzbluet»-Trikots, die später verkauft wurden und der Aktion zugutekommen, welche dem Klub schon mehr als 235000 Franken in die Kassen gespült hat. Die zusätzliche Entschlossenheit sollte sich rasch auszahlen. Nelson Ferreira hatte früh zwei gute Möglichkeiten, der doppelte Prolog zum 1:0 von Alexander Gonzalez, als der überragende Venezolaner den Ball mit einem Direktschuss in die entferntere Ecke hämmerte (63.).

Mangelnde Effizienz

Die Innerschweizer, seit 2008 in Thun sieglos, verstärkten anschliessend ihre Offensive, blieben aber im Aufbau zu fehlerhaft und durften nur wegen den Thunern bis zuletzt auf Punktezuwachs hoffen. Diese nützten zwar die sich ihnen bietenden zusätzlichen Räume, sündigten aber im Abschluss, vielleicht auch, weil mit Berat Sadik (gesperrt), Gianluca Frontino (früh mit Sehnenreizung im Fuss ausgeschieden) und Marco Rojas (ausgewechselt) drei wichtige Elemente in der ohnehin knapp besetzten Offensive fehlten oder enttäuschten.

Die Winterzugänge Gaetan Karlen und Ridge Munsy verpassten in den Schlussminuten ihren ersten Treffer im FCT-Dress, in der Nachspielzeit traf Nelson Ferreira die Latte. «Natürlich hätten wir das zweite oder dritte Tor schiessen müssen. Das werden wir ansprechen müssen», sagte Fischer zur mal wieder schwachen Chancenauswertung.

Luxussorgen, solange es gut ausgeht. Thun «übernachtete» auf Platz 3, und Andres Gerber gab zu, dass «ich mir die Tabelle etwas länger anschauen werde». Nun, nach dem 1:5 des FCZ am Sonntag in Basel bleiben die Thuner mindestens eine Woche auf einem Podestplatz. Für Fischer ist das aber noch nicht mehr als eine (schöne) Momentaufnahme: «Abgerechnet wird am 29.Mai. Vor einem Jahr hatten wir in den letzten drei Runden auch drei Matchbälle und standen dann mit leeren Händen da.»

Berner Zeitung

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