Ein vergessener Berner sorgt im Tessin für Furore

Wegen einer Verletzung hat der Berner Fussballer Gezim Shalaj letzte Saison beim FC Luzern nur eine Halbzeit Super-League-Luft schnuppern können. Nun sucht der 22-Jährige sein Glück bei Lugano – mit grossem Erfolg.

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Als Gezim Shalaj im Januar vom SC Kriens an den FC Luzern ausgeliehen wurde, warf dies keine grossen Wellen. Als der 22-Jährige ein halbes Jahr später die Innerschweiz in Richtung Lugano verliess, war das höchstens eine Randnotiz wert. Wirklich verwunderlich ist dies nicht, wenn man sich die Bilanz der ersten Super-League-Saison des Flügelspielers anschaut. Gerade mal eine Halbzeit konnte er sein Können unter Beweis stellen, bevor er sich verletzte.

Der Zollikofer Shalaj hat in seiner noch jungen Fussballkarriere schon viele Wechsel hinter sich. Er hat als Junior zuerst für Zollikofen, dann mehrere Jahre für YB und anschliessend für Biel und Thun gespielt. 2008 liess er sich dann von einem Berater nach Deutschland locken, wo er für die U19 des Traditionsvereins Dynamo Dresden auflief. «Ich habe mich von den Versprechungen des Beraters etwas blenden lassen, bereue den Schritt nach Deutschland aber nicht», sagt das jüngste von fünf Geschwistern. Er habe von dieser Erfahrung viel profitieren können und sei gereift.

Neustart bei Düdingen

Nach seinem Abstecher nach Deutschland, musste Shalaj seine Fussballkarriere in der Schweiz aber neu lancieren. Er fand beim 1. Liga-Verein Düdingen Unterschlupf und machte schnell wieder auf sich aufmerksam: Nur wenige Monate nach seiner Rückkehr, konnte er seine Fussballschuhe schon in der Challenge League schnüren – beim SC Kriens. Dort gelang Shalaj sofort der Durchbruch: Er wurde in Internetforen als nächster Senad Lulic gehandelt und bereits mit dem italienischen Serie A Verein Genua in Verbindung gebracht.

Mit Murat Yakin fand Shalaj schliesslich auch einen Fan in der Super League. Der Trainer des FC Luzern holte den 22-Jährigen in der Winterpause der letzten Saison zu sich. «Gezim ist ein junger, talentierter Fussballer, der in Kriens gezeigt hat, was er kann. Deshalb haben wir ihn ausgeliehen, um zu sehen, zu was er auf einer höheren Stufe fähig ist», begründet FCL-Trainer Murat Yakin den Entscheid von damals. «Leider hat er sich gleich beim ersten Einsatz schwer verletzt und fiel dann lange aus. Weil auf seiner Position bei uns starke Konkurrenz vorhanden ist, sahen wir von einer definitiven Verpflichtung ab», so Murat Yakin weiter.

Erfolgreicher Start im Tessin

Gezim Shalaj kann die Entscheidung des FC Luzern nachvollziehen und hegt keinen Groll. «Ich habe vollstes Verständnis. Murat Yakin hat mich zwar mehrmals gelobt und wollte mir eine weitere Chance geben, für die Vereinsverantwortlichen war eine Verpflichtung unter diesen Umständen aber kaum zu rechtfertigen.» Dass er, der eigentlich nicht verletzungsanfällig sei, ausgerechnet in Luzern von der Verletzunghexe eingeholt wurde, ärgere ihn aber schon.

Seit dem 7. Juli stellt der technisch versierte Spieler seine Qualitäten nun beim FC Lugano unter Beweis. Weil er die Vorbereitung verpasst hat, ist er zwar noch nicht so fit, wie er sein könnte, der Saisonstart ist ihm aber mehr als geglückt. In fünf Partien hat der Offensivspieler drei Tore erzielt und zwei weitere vorbereitet. Dem Zollikofer mit kosovarischen Wurzeln gefällt es in der Sonnenstube, «auch wenn die Hitze für uns Fussballer nicht nur ein Genuss ist.» Er freue sich, dass er beim ambitionierten FC Lugano die Chance erhält, seine Fähigkeiten unter Beweis stellen zu können und verstehe sich gut mit den Teamkameraden.

Traumadresse YB

Trotz der Brüche in seiner Karriere hat Shalaj nie den Glauben an seine Fähigkeiten verloren. «Ich bin überzeugt, dass ich den Durchbruch noch schaffe», sagt er selbstbewusst. Wo ihm dieser gelingen soll, ist auch klar: «Da Real Madrid nicht realistisch ist, wäre YB für mich als Berner natürlich die Traumadresse», erklärt er lachend.

Auch von Murat Yakins Radar ist Shalaj noch nicht ganz verschwunden. «Er hat angenehme Umgangsformen, ist sehr schnell und hat einen starken linken Fuss. Körperlich bringt er alle Voraussetzungen mit. Wichtig ist nun, dass er regelmässige Einsätze in der Meisterschaft hat. Wir werden aber weiterhin beobachten, wie er sich von seiner Verletzung erholt hat.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.08.2012, 14:00 Uhr

Gezim Shalaj in Aktion

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