Ein unnötiger Rückschlag

St.Gallen ist für Thun weiterhin keine Reise wert. Die Oberländer zogen trotz deutlicher Überlegenheit einmal mehr mit leeren Händen aus der AFG-Arena ab, der Lucky Punch zum 2:1 gelang Dejan Janjatovic in der Nachspielzeit mit einem Knaller aus 20 Metern.

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Damit hatte nun wirklich niemand mehr gerechnet. Nicht der Heimanhang, der die letzten verzweifelten Angriffsbemühungen der St. Galler mit vereinzelten Pfiffen bedachte und auch nicht die Thuner, welche das Geschehen in den Minuten zuvor wie mehrheitlich während der Partie kontrolliert hatten. Doch dann, weit in der Nachspielzeit, kam der Ball plötzlich zu Dejan Janjatovic.

Der Mittelfeldspieler fasste sich ein Herz und traf aus 20 Metern unerreichbar an Guillaume Faivre vorbei. Nach der 1:2-Niederlage sind die Thuner in St. Gallen nun seit acht Partien sieglos. Urs Fischer kommentierte die Geschehnisse nüchtern: «Der Erfolg von St.Gallen ist irgendwo verdient, aber wir sind selber schuld, sehr selber schuld. Ich bin auch säuerlich, wir haben fahrlässig viel zu viele Chancen vergeben. Das darf einfach nicht passieren.»

Wenige Momente zuvor, in der 86.Minute, hatte Berat Sadik den Matchball für die Thuner auf dem Fuss gehabt. Der Finne führte zusammen mit Nelson Ferreira und Ridge Munsy einen Drei-gegen-zwei-Konter, drückte dann aber zu eigensinnig ab, anstatt den besser postierten Ferreira anzuspielen. Kurz darauf stellte der insgesamt unsichere und keine Autorität ausstrahlende Alain Bieri Stéphane Besle (87.) und Dennis Hediger (90.) nach der zweiten Verwarnung vom Platz, sodass beide Teams die Partie dezimiert beenden mussten.

Die Thuner müssen sich allerdings nicht nur wegen der finalen Versäumnisse an der eigenen Nase nehmen. Sie hatten über weite Strecken mehr vom Spiel gehabt, waren nicht zwingend in Rückstand geraten und in der 67. Minute zum verdienten Ausgleich durch Marco Rojas gekommen. Aus der anschliessenden Verunsicherung bei den Gastgebern verpassten sie es dann aber, Kapital zu schlagen.

Karlen an die Latte

Schon die Pausenführung der Gastgeber hatte nicht dem Spielverlauf entsprochen. Nur gerade zehn Minuten hatten die Einheimischen Oberwasser. In diese Zeit fielen zwei Chancen, die Guillaume Faivre mit Glanzreflexen zunichte machte und der Führungstreffer nach einem magistral verwerteten Foulpenalty von Yannis Tafer. Fulvio Sulmoni, der Thuner Offensivheld der letzten beiden Partien, hatte seinen Gegenspieler nur noch penaltywidrig bremsen können.

Vorher hatten die Thuner mehr vom Spiel gehabt, die beste Chance hatte nach einer Viertelstunde Gaetan Karlen vergeben. Nach einer sehenswerten Kombination über Marco Rojas und Berat Sadik hatte der Walliser einen Abpraller von Goalie Daniel Lopar an die Lattenunterkante gesetzt.

Gut organisiert wie bei den letzten torlosen Unentschieden bei GC und Luzern, stand Thun auch anschliessend der Führung näher, Sadik, Nelson Ferreira und wiederum Karlen kamen fast im Minutentakt zu Halbchancen. Es fehlte aber die letzte Entschlossenheit. Fischer fasste die Partie prägnant zusammen: «Wenn man so viele Chancen hat, dann muss man den Sack zumachen und als Sieger nach Thun zurückfahren.»

«Ihr kei Bock – mir kei Bock»

Spätestens mit dem Siegestreffer waren auch die FCSG-Fans mit ihren Lieblingen versöhnt, und Trainer Jeff Saibene sprach von einem Sieg, der «allen unglaublich guttut». Die Misserfolgsserie der letzten Wochen, die oft enttäuschende Arbeitsmoral und die internen Querelen inklusive der Freistellung am Dienstag von Sportchef Heinz Peischl hatte den Stehplatzanhang auf die Palme gebracht.

Mit dem so einfachen wie an Deutlichkeit keine Fragen offen lassenden Transparent «Ihr kei Bock – mir kei Bock» hatten sie ihren temporären Liebesentzug manifestiert, den sie durch ein Schweigen während der ersten Viertelstunde begleiteten. Mit dem Sieg bringen sich die Ostschweizer im Kampf um einen Platz in der Europa League wieder ins Geschäft, Thun muss im Rennen um Platz 3 einen Dämpfer hinnehmen. Der FC Zürich könnte heute mit einem Heimsieg gegen Vaduz den Rückstand auf zwei Punkte verringern.

Berner Zeitung

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