Ein Treffer pro Freistoss

Mit dem vierten Heimsieg in Serie und dem höchsten Saisonsieg hat der FC Thun einen Schritt Richtung Europa League gemacht. Trotz des 4:0 gegen Vaduz herrscht keine Euphorie.

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Euphorie ist oft ein schlechter Ratgeber. Ganz besonders im Fussball, wo die Wahrheit von heute nicht selten die Unwahrheit von morgen ist. Und so war Urs Fischer wohl nicht traurig, dass am Samstagabend an der Medienkonferenz noch die Frage gestellt wurde, ob die erste die beste Halbzeit seiner Spieler in dieser Saison gewesen sei. «Nein, wir hatten schon bessere Auftritte», antwortete der Thuner Trainer dezidiert, «aber wir waren heute sehr effizient.»

Ferreiras Freistösse

Tatsächlich sahen die 5165 Fans – inklusive neun Kiebitzen im Vaduz-Fansektor – an diesem nassen Samstagabend ein Team, das vor der Pause aus fast jeder Chance einen Treffer machte. Unter Mithilfe von Vaduz allerdings, das bei stehenden Bällen jegliche Zuordnung vermissen liess. Thun nützte dies mit rarer Effizienz und nach dreimal praktisch identischen Situationen aus.

Der überragende Nelson Ferreira konnte sich links dreimal nach Fouls den Ball zum Freistoss setzen. Der Champions-League-Held vom Highbury brachte den Ball dreimal ideal zur Mitte. Beim ersten Mal fand Berat Sadik enorm viel freien Platz vor und bedankte sich mit seinem 10. Saisontor.

Beim zweiten Freistoss legte der Finne mit der Brust für Innenverteidiger Thomas Reinmann ab, der viel schneller reagierte als Florian Stahel. Und beim dritten Freistoss stürzte sich Fulvio Sulmoni einem Kranich gleich auf das Spielgerät und liess Liechtensteins Rekordnationalspieler Peter Jehle keine Abwehrchance. Der Tessiner zerstörte dann die letzten minimen Gästehoffnungen unmittelbar vor der Pause mit seinem zweiten Treffer. Vaduz’ Trainer Giorgio Contini war ratlos: «Wir haben in der ganzen Saison eigentlich bei Standards gut verteidigt. Heute hatten wir einen unerklärlichen Schwächeanfall.»

Ein 4:0 bedeutet fast immer die Entscheidung, sicher aber, wenn der Gegner so harmlos ist wie der Aufsteiger. Erst 25 Mal hatten die Vaduzer in 30 Spielen getroffen, und mit Ausnahme eines Kopfballs von Philipp Muntwiler, bei dem Guillaume Faivre mit einem Glanzreflex den Ausgleich zunichtemachte (10.), kamen sie nie ernsthaft in die Nähe, das bescheidene Konto zu äufnen. Es war aber vor allem jene Phase, welche Fischer zu seinem eingangs erwähnten Statement veranlasst hatte: «Die 1:0-Führung war irgendwie eher hemmend als fördernd.

Fischers Lob

In der Folge kam Vaduz zu zwei, drei gefährlichen Aktionen, und wir brauchten unseren Goalie sowie das Wettkampfglück.» Tatsächlich hatte die FCT-Hintermannschaft vor dem 2:0 – vor allem bei hohen Bällen – mehrere Male nicht stilsicher ausgesehen, was gegen einen stärkeren Gegner möglicherweise bestraft worden wäre. Ganz anders sah es später aus: Mit der sicheren Führung im Rücken liessen die Gastgeber den Ball hervorragend zirkulieren, einfache, sichere Ballstafetten prägten die zweite Halbzeit.

Die Partie war so früh entschieden, dass man schon rasch zur Bilanz dieser ersten englischen Woche übergehen konnte: drei Partien, sieben Punkte, dazu die Lizenz im ersten Anlauf erhalten. Verständlich, dass Fischer zufrieden war: «Die Lizenz war bei uns weniger ein Thema. Unser Präsident (Markus Lüthi, Red.) hat viel Zuversicht ausgestrahlt, ich war sicher, dass wir sie bekommen würden. Wir haben uns voll auf die englische Woche konzentriert, und diese hat mein Team mit Bravour hinter sich gebracht.»

Am Sonntag verbesserte sich die Situation durch die Resultate der Konkurrenten um einen Europa-League-Platz weiter. Der Vorsprung auf die St.Galler beträgt fünf Runden vor Schluss nach deren 0:1 gegen Sion acht Punkte, und auch der FC Zürich ist nach der YB-Schützenhilfe im Letzigrund (1:0) schon vier Einheiten zurückgebunden. «Es ist noch ein weiter Weg», hielt Fischer fest. «Aber wenn wir einfach spielen, können wir noch einiges erreichen.» Zuversicht ja, Euphorie nein.

Hier geht es zu den Noten der einzelnen Spieler.

Berner Zeitung

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