Ein Spiel für die Trainer

Nach drei klaren Auswärtsniederlagen punktet Thun auf fremdem Terrain erstmals seit dem 22.Februar. Beim 0:0 im Letzigrund gegen GC verdiente sich allerdings nur die Defensive gute Noten.

Kampf statt Spektakel: GC (hier Amir Abrashi am Boden) und Thun (Kevin Bigler) gaben vollen Einsatz, spielerische Glanzlichter blieben indes aus.

Kampf statt Spektakel: GC (hier Amir Abrashi am Boden) und Thun (Kevin Bigler) gaben vollen Einsatz, spielerische Glanzlichter blieben indes aus.

(Bild: Keystone)

Nicht allzu viele Personen dürften am Mittwoch den Letzigrund mit einem Lachen verlassen haben. Urs Fischer tat dies aber. Der Thuner Trainer strahlte im Anschluss an die Medienkonferenz sogar mehr als nach manchem Sieg. «Ich freue mich unheimlich über diesen Punkt», sagte er, «ich habe gerade ein paar Worte an meine Mannschaft gerichtet. Aus meiner Sicht war es eine sehr gute Leistung.» Sein Berufskollege Pierluigi Tami war auch nicht unzufrieden: «Es ist gegen die Thuner sehr schwierig. Wenn man gegen sie zu viel riskiert, sind sie mit Kontern äusserst gefährlich.»

Die nur 3500 Zuschauer hätten Fischers These wohl kaum unterschrieben. Für Fussballgourmets war der Letzigrund gestern in der ersten Halbzeit definitiv der falsche Aufenthaltsort. Die beiden Trainer und ihr Personal hatten allerdings auch keinerlei Grund, durch allzu offensive Spielweise einem vierten Spektakel Vorschub zu leisten, nachdem in den bisherigen drei Saisonvergleichen 14 Tore gefallen waren. GC hatte in den letzten vier Partien gegen Thun rekordverdächtige 13 Tore und trotz signifikanter Steigerung in den letzten Wochen ligaweit die meisten Gegentore kassiert. Und der FCT hatte in den letzten drei Auswärtspartien zu viele «unforced errors» begangen, das Torverhältnis von 0:10 lässt keine Fragen offen.

Fischer konnte verstehen, dass aus Zuschauerwarte das Spiel höheren Ansprüchen nicht genügt hatte. Er hatte seine Equipe aber nicht als Spektakelmacher gesehen: «Wir wollten hier in Zürich punkten. Und das ist uns gelungen. Wir waren sehr kompakt und gut organisiert. Über weite Strecken haben wir GC kaum echte Chancen zugestanden.»

Verstärkt wurde die Freude aufgrund der Personalsorgen, die Fischer vor dem Spiel geplagt hatten. Zu den Langzeitverletzten Nicolas Schindelholz, Elvedin Causi, Enrico Schirinzi und Gianluca Frontino gesellten sich die gesperrten Andreas Wittwer und Fulvio Sulmoni. Auf der Ersatzbank sassen mit Nicola Niliovic und Ivan Markovic zwei absolute Newcomer, die übrigen Ergänzungsspieler vereinigten kumuliert die Erfahrung von 73 Super-League-Einsätzen.

Gonzalez’ Matchball

Fast wäre aus einem resultatmässig guten sogar ein perfekter Abend geworden. Kaum war Ridge Munsy nach etwas mehr als einer Stunde anstelle von Marco Rojas auf den Platz gekommen, legte er den Ball auf Alexander Gonzalez ab. Im Gegensatz zum letzten Auftritt im Letzigrund, als der Venezolaner gegen den FCZ den Siegestreffer erzielt hatte, war ihm das Glück diesmal nicht hold, der Ball sprang vom Pfosten ins Feld zurück. Es war dies die beste Chance für die Gäste, eine Viertelstunde vor Spielende landete dann noch ein Geschoss von Dennis Hediger knapp über dem Tor. Ansonsten brachten sich die Thuner durch Ungenauigkeiten um möglichen Ertrag. «Wenn wir vor dem Tor etwas cleverer gewesen wären, hätten wir uns noch die eine oder andere Torchance mehr erspielt», sagte Nelson Ferreira.

Die Chance von Gonzalez markierte das Ende der einzigen Überlegenheitsphase der Gastgeber. Der Rekordmeister war gut aus der Garderobe gekommen, entwickelte deutlich mehr Druck als noch vor dem Wechsel und kam praktisch im Minutentakt zumindest in die Nähe von Guillaume Faivres Gehäuse. Die beste Möglichkeit vereitelte Kevin Bigler nach einem Kopfball Michael Langs auf der Linie. «In dieser Phase sind wir geschwommen, auch, weil wir zu tief standen», gab Fischer zu. Es war – aus seiner Sicht – das einzige Manko eines gelungenen Arbeitsabends.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt