Ein Angriff zu viel

In einem von der Physis geprägtem Cuphalb­final zwischen den YB-Frauen und Neunkirch ist es zu einem Lucky Punch kurz vor Schluss gekommen. Die YB-Frauen verloren unglücklich 1:2.

Die YB-Frauen hielten gegen Favorit Neunkirch stark dagegen, waren wie hier Viola Calligaris giftig in den Zweikämpfen.

Die YB-Frauen hielten gegen Favorit Neunkirch stark dagegen, waren wie hier Viola Calligaris giftig in den Zweikämpfen. Bild: Iris Andermatt

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Es war intensiv und äusserst spannend, die Spielerinnen beharkten sich, schenkten sich keinen Zentimeter Raum, in den Zweikämpfen flogen mitunter die Fetzen. Und wenngleich das spielerische Niveau aufgrund der hohen Intensität teilweise auch etwas litt: Der Cuphalbfinal zwischen YB und dem Tabellenführer der NLA, Neunkirch, bot tolle Werbung für den Frauenfussball. Die Teams begegneten sich auf Augenhöhe, es war beeindruckend, mit welchem Willen und Einsatz sich die YB-Frauen gegen das mit vielen ausländischen Spielerinnen gespickte, favorisierte Neunkirch wehrte und an der Überraschung schnupperte.

1:1 stand es nach 90 Minuten in diesem Cupkrimi vor toller Kulisse auf dem Sportplatz Wyler (1167 Zuschauer). «Die Nachspielzeit beträgt 2 Minuten», sagte die Platzspeakerin über die Lautsprecher. Und die Bernerinnen taten in jenen 2 Minuten genau dies, was sie schon den ganzen Match so gut gemacht hatten: Sie wirkten giftig, waren geistig hellwach und präsent in den Zweikämpfen – zumindest bis zum letzten Angriff der Gäste. Die 2 Minuten waren nämlich schon abgelaufen, als die Schaffhauserinnen nochmals einen allerletzten Versuch in der Offensive wagten. Und plötzlich stimmte die Zuteilung in der Defensive bei YB nicht mehr – zum ersten Mal in diesem Spiel.

Gäste-Mittelfeldspielerin Lucia Ondrusova fand im Zentrum zu viel Platz vor, präparierte sich den Ball auf ihren starken rechten Fuss und zog aus grosser Distanz einfach mal ab. Zum Entsetzen der vielen YB-Sympathisanten und Spie­lerinnen der Gelb-Schwarzen schlug die Kugel flach im rechten Eck zum 1:2 aus YB-Sicht ein. Aus und vorbei. Es war das bitterste aller möglichen Enden für die stark agierenden YB-Frauen, die nach Spielschluss in corpore zu Boden sanken und ihre Enttäuschung über das abrupte Ende nicht verhehlen konnten.

Grosse Fortschritte

«Im Moment bin ich einfach nur am Hadern mit diesem bitteren Ende», sagte eine gefasste, aber enttäuschte YB-Trainerin Marisa Wunderlin nach dem Spiel. Wunderlin ist eine der Baumeisterinnen des Aufschwungs, den die YB-Frauen in den letzten Monaten erlebten. In der NLA sind sie 2017 noch ohne Niederlage, seit Monaten macht das Team grosse Fortschritte. «Vielleicht sind es solche Erlebnisse, solche Erfahrungen, die uns heute noch gefehlt haben, um zu gewinnen», sagte Wunderlin.

So bitter die Niederlage anmutete, den YB-Verantwortlichen um Wunderlin zeigte der Cupmatch gegen Neunkirch, dass sich die Frauen auf dem richtigen Weg befinden. «Vor allem in mentaler Hinsicht konnten wir in letzter Zeit einen Schritt nach vorne machen. Wir glauben mehr an unsere eigene Stärke», sagte Wunderlin. Dies manifestierte sich unter anderem in der NLA in den Duellen mit den Spitzenteams wie Neunkirch und Zürich, in denen YB im Gegensatz zu früher an die eigene Chance glaubt, sich nicht versteckt und in Ehrfurcht erstarrt.

Und genau so hielten sie auch im Cup dagegen. Aus einer soliden Defensive heraus agierend, schalteten sie nach Ballgewinnen selbstbewusst um, versuchten Nadelstiche zu setzen. «Leider haben wir unsere Konter teils nicht gut zu Ende gespielt», erklärte Coach Wunderlin. Dabei verloren die YB-Frauen ihren Matchplan auch nicht aus den Augen, als ein unglückliches Eigentor nach einem Freistoss zur Führung für Neunkirch in der 18. Minute sorgte.

Keine 2 Minuten später realisierte Charlotte Mayland ebenfalls nach einem Freistoss den 1:1-Ausgleich, der so lange Bestand hielt. Und doch verpassten es die YB-Frauen, sich am Ende für eine tolle Leistung zu belohnen. Grämen sollten sie sich darob aber nicht zu lange. Denn die Perspektiven des jungen Teams sind blendend. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.04.2017, 13:30 Uhr

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