Drei Berner in der Promotion League

Erstmals sind in der Geschichte der Promotion League drei Berner Vereine vertreten. Die Ziele der etablierten Clubs Breitenrain und Köniz sowie Aufsteiger Münsingen sind jedoch verschieden.

Berner Derbys ziehen in der Regel viele interessierte Fussballfans an.

Berner Derbys ziehen in der Regel viele interessierte Fussballfans an.

(Bild: Andreas Blatter)

Adrian Lüpold

Die drei Vereine haben sich dabei ganz unterschiedliche Ziele für die neue Saison gesetzt.

In jedem Spiel ans Limit gehenFC Münsingen

Kontinuität und Bodenständigkeit ist und bleibt der ganz grosse Trumpf beim FC Münsingen. Auch nach dem grossartigen Aufstieg in die Promotion League bleiben die Aaretaler ihrer Linie treu.

Keine teuren Transfers, keine Stars. Trainerlegende Kurt Feuz baut im Grossen und Ganzen auf den Stamm, der in den Aufstiegsspielen gegen Meyrin und Solothurn im letzten Frühling mit Leidenschaft, Kampfkraft und Spielstärke überzeugt hatte. Allerdings verliessen ausgerechnet in der Verteidigung, welche seit vielen Jahren das absolute Prunkstück des FC Münsingen bildet, einige routinierte Fussballer den Verein.sgg) Innenverteidiger Lukas Schenkel, Aussenverteidiger Rico Thalmann und Defensivallrounder Daniel Mumenthaler müssen ersetzt werden, wobei Feuz gerade im Begriff ist, Familienvater Mumenthaler doch noch zum Weitermachen zu überzeugen.

Neu zur Mannschaft gestossen sind in der Sommerpause vier junge Abwehrspieler: Braima Gafner (22, von Köniz) Moritz Hischier (21, von Breitenrain), Jens Hofer (20, von Düdingen) und Ayrton Garcia Ribeiro (20, von Thun II) werden versuchen, die entstandene Lücke in der Defensive zu schliessen. Fürs zentrale Mittelfeld holte Münsingen mit Matthias Collard (21) vom FC Thun II zudem einen physisch sehr präsenten Akteur.

Das Tor, das den Aufstieg brachte: Captain Patric Gasser trifft gegen den FC Solothurn. Bild: Andreas Blatter.

Die jungen Neuverpflichtungen müssen laut Trainer Feuz aber erst noch eine gewisse Wettkampfhärte auf diesem Niveau erlangen und ihre eigenen Erfahrungen sammeln. «Ich habe trotzdem ein gutes Gefühl für die kommende Saison, auch wenn es vor allem den jungen Abwehrleuten guttun würde, wenn sie noch einen Routinier an ihrer Seite hätten», erklärt Feuz, welcher sich auch ganz klar bewusst ist: «Um in der Promotion League zu bestehen und regelmässig zu punkten, müssen wir in jedem Spiel bis an unser Limit gehen.»

Sorgen bereitet Feuz derzeit ausserdem die Tatsache, dass einige Stammspieler lange im Urlaub weilten und erst seit kurzem wieder im Trainingsbetrieb integriert sind. «Ich hoffe, dass sich das nicht negativ auf unseren Saisonstart auswirkt, welcher es mit zwei Auswärtsspielen zum Anfang in sich haben wird», sagt Feuz.

Keine Frage, der Klassenerhalt geniesst in Münsingen höchste Priorität. «Alles andere wäre auch verwegen», sagt Trainer Feuz. Präsident Andreas Zwahlen haut in die gleiche Kerbe: «Für Münsingen geht es nur darum, den Abstieg zu verhindern.» Keine einfache, aber für die solidarischen Münsinger eine lösbare Aufgabe.

Transfers:

Zugänge: Braima Gafner (Köniz), Moritz Hischier (Breitenrain), Matthias Collard, Ayrton Garcia Ribeiro (beide Thun II), Jens Hofer (Düdingen). Abgänge: Lukas Schenkel ­(Steffisburg), Daniel Mumen­thaler (Rücktritt), Christian Plüss (Ostermundigen), Rico Thalmann (Red Star Zürich).

Geballte OffensivkraftFC Köniz

«Ich habe wohl noch nie in einem Team mit einer derart gut besetzten Offensive gespielt», sagt Anto Franjic. Der Stadtberner Vollblutstürmer kehrte von Breitenrain zu seinem Ex-Club Köniz zurück und war schon nach den ersten Trainingseinheiten beeindruckt von der Kaderstärke.

«Der Konkurrenzkampf ist gross. Jeder will sich aufdrängen», erzählt der 30-Jährige, der künftig zusammen mit Sturmpartner Qendrim Makshana (beide erzielten in der letzten Saison je 16 Treffer) für Unruhe und schlechte Laune in den gegnerischen Abwehrreihen sorgen will. Ergänzt wird das torgefährliche Duo im Angriff mit dem ehemaligem YB-Junior Marko Dangubic (22), dessen Leihvertrag mit YB bis zum Winter verlängert wurde, und mit ­Valentin Mbarga (22), der für Absteiger Old Boys Basel in der vergangenen Spielzeit in 20 Einsätzen 8-mal traf. Doch der FC Köniz investierte nicht nur in die Offensive.

Vereinte Topskorer: Qendrim Makshana (links) und Anto Franjic. Bild: Raphael Moser.

Der neue Sportchef ­Arzen Ramadani war auf dem Transfermarkt äusserst aktiv, lotste insgesamt 11 neue Akteure aufs Liebefeld. Die bekanntesten Fussballer sind dabei Torhüter Christian Leite (32) sowie der Westschweizer Verteidiger Ahmet Özcan (23), ein ehemaliger Juniorennationalspieler und Ex-Profi, der unter anderem in der Türkei spielte. Beide sollen mithelfen, die Abwehr zu stabilisieren. Ebenso wie die beiden äusserst spielstarken Aussenverteidiger Marvin Pfründer (24, zurück von Vaduz) und Fabio Donato (27, von Breitenrain), die in den Couloirs viel Qualität reinbringen werden.

Der FC Köniz hat definitiv das Zeug, in der Promotion League eine sehr gute Rolle zu spielen. Das Kader ist exzellent besetzt und erscheint deutlich ausgewogener als in den letzten Jahren. Der Venezolaner Gabriel Urdaneta, der in dieser Saison als Chefcoach an der Seitenlinie stehen wird, hat bezüglich Aufstellung die Qual der Wahl, weil beinahe jede Position doppelt besetzt ist.

Allerdings schläft auch die Konkurrenz nicht, vor allem die ambitionierten Westschweizer Clubs Yverdon und Nyon, aber auch Absteiger Wohlen und Aufsteiger Bellinzona streben eine Rangierung weit vorne an. «Wir versuchen, einen Platz im vorderen Viertel der Tabelle zu erreichen», sagt Köniz-Präsident Bernard Pulver. Eine Zielsetzung, die in Anbetracht des exzellent besetzten Kaders sehr realistisch erscheint.

Transfers:

Zuzüge: Fabio Donato, Anto Franjic (beide Breitenrain), Christian Leite (FC Kosova), Adjej Luther-King (La Chaux-de-Fonds), Onur Hakan Akbulut, Valentin Mbarga (beide Old Boys), Marko Bicvic (Wohlen), Ahmet Özcan (Linense), Marvin Pfründer (Vaduz), Enis Ramadani (Rapperswil), Hamdi Arfaoui (Köniz II). Abgänge: Vitor Huvos (unbekannt), Braima Gafner (Münsingen), Neto (Breitenrain), Altin Osmani (Solothurn), Guto (Wohlen), César Ledesma (Grenchen), Dominique Aebi (Rücktritt).

Vakuum gefülltFC Breitenrain

Ein neuer Trainer und ein neuer Sportchef: Beim Quartierclub Breitenrain sind in der Sommerpause zwei wichtige Positionen neu besetzt worden. Roland Truog übernahm als Sportchef die Geschicke von Christoph Schöbi, der den Verein fast zwei Jahrzehnte mitgeprägt hatte. «Ich war von Anfang an gefordert», sagt Truog. «Kaum war ich da, ging es auch schon darum, einen Ersatz für Coach Gian Luca Privitelli zu finden, der kurzfristig zum Nachwuchs von Thun wechselte. Zudem galt es auch einige Abgänge zu ersetzen», erklärt Truog.

Gefunden hat Truog mit Martin Lengen einen Trainer, der seine Erfahrungen auf hohem Niveau bei Düdingen in der 1. Liga gemacht hat. Interessant: Lengen hatte eigentlich schon beim SC Bümpliz (2. Liga regio) als Coach zugesagt, bekam aber vom Club aus dem Westen Berns keine Steine in den Weg gelegt. Lengen ist ein bodenständiger und seriöser Schaffer, der mit seiner Authentizität ausgezeichnet zum Quartierclub passen könnte.

Neuer Coach: Ex-YB-Spieler Martin Lengen. Bild: Raphael Moser.

«Wir müssen realistisch sein», sagt Breitenrain-Präsident Claudio A. Engeloch. Das Niveau in der Promotion League sei zuletzt von Saison zu Saison gestiegen. «Deshalb geht es für einen Club wie uns in erster Linie darum, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen, wäre aber schön», erklärt Engeloch, «dann würden wir zu den Top 30 in der Schweiz gehören.»

Eine Zielsetzung, die realistisch erscheint. Denn Neo-Sportchef ­Truog hat auf dem Papier seine Hausaufgaben gut erledigt. Auf den Flügelpositionen konnte das in der letzten Rückrunde durch Verletzungen und Abgänge entstandene Vakuum gefüllt werden. Der Ex-Thuner Enrico Schirinzi (32) wird mit seiner Athletik dem FCB auf den Aussenbahnen ebenso neues Leben einhauchen wie Gezim Shalaj (28), der unter anderem in Rumänien und England als Profi aktiv war. Auch Yessin Sdiri (21), der 9 Länderspiele für Tunesiens U-21-Nationalteam absolviert hat, wird auf den Flügeln weiterhelfen.

Die Mischung aus Routiniers und Talenten stimmt beim FCB. Akteure wie die Ex-YB-Spieler Raphael (40) und Nicolas Kehrli (35), die Ex-Thuner Fabian Stoller (30), Sandro Galli (30) oder Mirson Volina (28) sind in der Lage, die Jungen zu führen. Obgleich der Abgang von Tospkorer Anto Franjic nicht 1:1 kompensiert wurde, erscheint der FCB gut genug für einen einstelligen Tabellenplatz und eine Saison ohne Abstiegssorgen.

Transfers:

Zugänge: Enrico Schirinzi (Vaduz), Felix Hornung (Thun II), Jan Brechbühl (Winterthur U-21), Nikola Nilovic (Chiasso), Yessin Sdiri (Bulle), Neto (Köniz), Joel Schmid (YB U-21), Gezim Shalaj (Düdingen). Abgänge: Anto Franjic, Fabio Donato (beide Köniz), Moritz ­Hischier (Münsingen), Diego Schaad (Lerchenfeld), Nicolas Schittenhelm (Biel), Andreas Schmid (Ostermundigen).

Berner Zeitung

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