«Diese Entscheidung muss ich verantworten»

YB-Sportchef Fredy Bickel sagt nach den empfindlichen Rückschlägen im Titelrennen, wo die Probleme liegen, weshalb auch er sich hinterfragen muss und wie viel Kredit Trainer Uli Forte noch hat.

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Thomas Niggl@tagesanzeiger

Fredy Bickel, Ihre Mannschaft musste nach der 0:4-Heimniederlage gegen GC auch gegen Aufsteiger Aarau einen empfindlichen Rückschlag im Titelrennen hinnehmen. Wie fühlen Sie sich?
Ich bin natürlich überhaupt nicht glücklich über diese Entwicklung. Dies muss genau analysiert werden, aber das Ganze darf man auch nicht dramatisieren.

Weshalb nicht?
Wir liegen mit unseren definierten Zielen, die wir herausgegeben haben, nach wie vor im Budget. Jedenfalls, was die Rangliste betrifft. Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir mindestens einen Europacupplatz erreichen wollen. Dann lagen wir in der Winterpause auf Rang 3 und haben neu herausgegeben, dass wir zumindest diese Platzierung halten wollen. Und das ist uns bisher gelungen, wir liegen zurzeit immer noch auf dem dritten Tabellenrang.

YB könnte sehr viel besser dastehen und mit Leader Basel und GC ernsthaft um den Titel mitspielen. Wo liegt denn das Problem?
Unser Problem liegt darin, dass bei uns auf fünf gute Spiele prompt fünf schlechte folgen. Wir sind schlicht und einfach nicht konstant. Das ist ärgerlich, das darf nicht sein. Doch das hat seine Gründe.

Und jetzt kommen wohl die Ausreden?
Ich suche keine Ausreden und gebe uns und den Spielern auch kein Alibi. Tatsache ist aber, dass wir in unserer Mannschaft fünf Leader haben, denen es nicht wunschgemäss läuft. Wölfli und Gerndt sind verletzt, Spycher war es lange und auch in der Vorbereitung. Von Bergen war deshalb vorwiegend auf sich allein gestellt. Und Vilotic, der ebenfalls eine Leaderrolle müsste übernehmen können, muss zuerst integriert werden. Und zudem war er lange Zeit nicht fit.

Weshalb war er nicht fit?
Er konnte mit den Grasshoppers die Vorbereitung wegen einer Verletzung nicht mitmachen. Deshalb musste er zuerst und insbesondere im körperlichen Bereich grosse Defizite wettmachen.

Sie haben also mitten in der Saison einen Spieler vom Erzrivalen verpflichtet, der nicht fit ist? Ist das für einen erfahrenen Sportchef, wie Sie es sind, nicht fahrlässig?
Diese Frage ist durchaus berechtigt. Man kann sich im Nachhinein fragen, weshalb wir Dusan Veskovac in der Winterpause abgaben und dann nachträglich Milan Vilotic verpflichteten. Wir hätten auch entscheiden können, Veskovac die Freigabe zu verweigern und Vilotic erst auf die neue Saison hin zu verpflichten. Diese Entscheidung muss ich verantworten.

Trotz aller Probleme. Hat YB nicht trotzdem genügend Qualität, um die guten Leistungen auch zu bestätigen?
Unsere Leistungsschwankungen hängen auch damit zusammen, dass wir wegen verletzten oder gesperrten Spielern oftmals eine sehr junge Mannschaft haben. Wir haben die meisten U-21-Spieler aller Super-League-Mannschaften. Normalerweise stehen bis zu vier U-21-Akteure in der Startformation. Diese Jungs machen noch Fehler. Und das dürfen sie auch. Ich kann sie doch nicht verurteilen, wenn sich einer wie Frey eine naive zweite Gelbe holt und deshalb vom Platz fliegt. Oder wenn ein Junger bei stehenden Bällen oder im Spiel einen Stellungsfehler begeht. Solche Sachen gestehen wir den jungen Spielern zu. Aber sie müssen daraus sofort die richtigen Lehren ziehen.

Sprechen wir zum Schluss noch über Trainer Uli Forte. Ist er immer noch der richtige Trainer für YB?
Ja, absolut. Er ist für uns der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt. Ich glaube an den Trainer. Und ich glaube auch fest an unsere Mannschaft, dass sie schleunigst wieder auf die Erfolgsspur findet.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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