Die zwei ehrgeizigen Brüder gehen den direkten Weg

Marco Bürki hat bei YB die Gunst der Stunde genutzt und sich auf die Rückrunde hin einen Stammplatz erkämpft. Heute trifft er mit YB erstmals auf seinen Bruder, GC-Goalie Roman Bürki.

Im Gleichschritt vor dem Bruderduell: Marco (links) und Roman treffen sich vor der Begegnung zwischen GC und YB in der Berner Altstadt.

Im Gleichschritt vor dem Bruderduell: Marco (links) und Roman treffen sich vor der Begegnung zwischen GC und YB in der Berner Altstadt. Bild: Urs Baumann

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Der gefragte Mann kommt mit dem Zug. Es ist Marco Bürkis vierter Interviewtermin innerhalb von wenigen Tagen – das Interesse vor dem heutigen Aufeinandertreffen (19.45 Uhr) mit seinem älteren Bruder, GC-Goalie Roman Bürki, war enorm. Ihren langen Weg von den Junioren des FC Münsingen haben die beiden gezielt verfolgt, unterstützt von Vater Martin Bürki, lange Jahre bei Münsingen im Tor und in Berner Fussballkreisen durchaus prominent. Marco Bürki, der 19-jährige Verteidiger mit zwei Ligaeinsätzen, der noch vor wenigen Monaten in der Nachwuchsequipe spielte und die Super League nur vom Fernsehen kannte, ist plötzlich ungemein umschwärmt. Der Jungprofi versucht, sich für alle Zeit zu nehmen. Für den Medientermin vor dem Morgentraining nimmt der Handelsdiplomschüler extra den früheren Zug, vom Elternhaus in Münsingen fährt er mit der S-Bahn täglich ins Stade de Suisse nach Bern, meist mit Teamkollege Michael Frey. «Auch er hat noch keinen Führerschein», sagt Bürki, fast entschuldigend.

Das Lob des Trainers

Sechs Fahrstunden hat Marco Bürki hinter sich, aber auch ohne Prüfung fährt er bei YB zurzeit bereits auf der Überholspur – seit neuestem auf der linken Seite. In der zum Rückrundenstart neu formierten YB-Abwehr mit den gelernten Innenverteidigern Alain Nef, François Affolter und Marco Bürki sowie dem offensiveren Scott Sutter spielte der Youngster seine Rolle links aussen «solid und ballsicher», wie sein Trainer Martin Rueda sagt. Dort dürfte Bürki auch gegen GC zum Einsatz kommen. «Er ist schnell und hat auch spielerische Qualitäten», sagt Rueda, «ich bin dankbar für diese Chance», meint der Gelobte selbst.

Obwohl sein Aufstieg bei YB relativ steil verlief, stand er noch vor einem halben Jahr kurz vor einer Ausleihe zum FC Wil. «Ich besuchte ein Probetraining, habe dann aber abgelehnt. Ich wollte unbedingt bei YB bleiben», sagt Bürki, der jüngere. Wenig später brach er sich den Fuss, Erinnerungen an seine leidige Verletzung, als er sich bereits mit 14 am Meniskus hatte operieren lassen müssen, wurden wach. Doch der disziplinierte Defensivspezialist, der bis zur U-14 noch auf dem Flügel spielte, kehrte ins Training zurück und zählt jetzt zum engeren Kreis von Ruedas Auswahl.

Die Karriere von Roman Bürki, 22 Jahre alt, mit 63 Partien in der Super League und dem Selbstvertrauen des Leaders GC, ist nach Lehrjahren bei Schaffhausen und auf der Ersatzbank von YB ins Rollen gekommen. Einst wurde Roman als Junior im Probetraining des FC Thun als zu wenig gut befunden, YB gab ihm dann die Chance, sich auf Leihbasis bei GC zu versuchen, wo er prompt zur Nummer 1 aufstieg. Seit zwei Jahren ist er bei den Zürchern, seit einigen Monaten mit einem fixen Vertrag. In der Hinrunde kratzte er mit 660 Minuten ohne Tor an der Schweizer Bestmarke seines Vaters (772 Minuten mit Münsingen). Vor dem , das erste für die Bürkis, sagt Marco augenzwinkernd: «Vielleicht begegnen wir uns bei einem Eckball.» Auch der Bruder vermutet, dass ihn der kopfballstarke Marco bei einem Corner wird zu stören versuchen, «aber das kann ich genauso gut», meint er lächelnd.

Eins gegen eins im Vorgarten

Sport und insbesondere sportlicher Ehrgeiz sei schon immer ein Bestandteil der Familie Bürki gewesen, erzählt Marco. «Wir hatten in unserem Vater ein Vorbild, kamen früh zum FC Münsingen und widmeten uns von da an dem Fussball.» Ebenso früh nahm das Bruderduell seinen Lauf, im Vorgarten des Elternhauses, eins gegen eins, «und es war klar, dass sich Roman ins Tor stellte und ich schiessen durfte». Dass die beiden (noch) nicht in der gleichen Mannschaft spielen, betrübt die Brüder nicht. «Marco könnte ja jetzt zu GC wechseln» feixt Roman. «Natürlich bleibt es ein Traum, mal mit ihm auf dem Platz zu stehen. Aber wir sind beide glücklich mit unserer Situation», meint Marco. Den Resultattipp überlässt er seinem Bruder – «2:0, ein Tor macht mir nicht einmal Marco», meint dieser. Ihren Weg werden die beiden weiterhin auf ihre direkte Art und Weise verfolgen, ungeachtet des heutigen Resultats. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.02.2013, 11:18 Uhr

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