Die schmerzhaften Tage vergessen machen

Der ehemalige FCZ-Verteidiger Loris Benito verpasst den Saisonstart mit Benfica Lissabon wegen einer Verletzung. Umso grösser ist die Freude über das erste Aufgebot für die Nationalmannschaft.

  • loading indicator
Sebastian Rieder@RiederSebastian

Er ist noch etwas schüchtern, sein Gang bis zur Lobby leicht zögerlich – ganz im Gegensatz zu den Fotografen, die sich vor dem Hotel um den jungen Mann drängeln. Loris Benito betritt Neuland, und er macht das mit einem breiten Lächeln. «Es ist unglaublich speziell, hier zu sein», sagt Benito und meint damit das Panoramaresort in Feusisberg, dem Ort, wo die Schweizer Nationalmannschaft seit über elf Jahren regelmässig zusammenfindet.

Vladimir Petkovic hat den Linksverteidiger vor ein paar Wochen angerufen und ihm ein Aufgebot für das erste EM-Qualifikationsspiel gegen England in Aussicht gestellt. «Ein Spieler mit interessanten Perspektiven», findet der Nationaltrainer und sieht in ihm eine attraktive Alternative zum gleichaltrigen Ricardo Rodriguez, der vor seinem Wechsel zum VfL Wolfsburg wie Benito seine Karriere beim FC Zürich lancierte.

Im Derby nur auf Tribüne

Der 22-jährige Aargauer hat auf die neue Saison hin den grossen Schritt von der Super League in die portugiesische Primeira Liga zu Meister Benfica gewagt. «Ich bin von Lissabon positiv überrascht», sagt Benito. Etwas alt und verschlafen hat er sich die Hauptstadt vorgestellt, sein Vorurteil musste der ehemalige FCZ-Verteidiger rasch korrigieren. «Die City lebt und hat eine ganz eigene Dynamik», stellt Benito fest und bezeichnet die Anhänger des Traditionsvereins als den absoluten Wahnsinn.

Eine Kostprobe exzessiver Emotionen bekam Benito am Sonntag im Derby gegen Sporting zu spüren. Als Zuschauer war er den Fans allerdings näher, als ihm lieb war. Eine Verletzung an der linken Ferse bugsierte ihn bereits zum Saisonstart vor einer Woche aus dem Team. Ein herber Dämpfer, nachdem er in sieben von neun Spielen in der Vorbereitung zum Einsatz kam und sich unter Jorge Jesus etablierte. Den verletzungsbedingten Rückschlag hat er bereits verdaut, die Schmerzen sind weg, «ich muss mich einfach wieder reinbeissen», sagt er und setzt auf das Vertrauen des Trainers.

Mit Neuling Widmer vereint

Grossen Zuspruch verspürt Benito offenbar auch bei Petkovic, der über die mangelnde Spielpraxis hinwegsieht. «Die Selektion ist der Lohn für die harte Arbeit der vergangenen Jahre», sagt Benito und freut sich auf die Zeit mit Zimmerkollege Silvan Widmer, dem zweiten Neuling.

Beide sind in Aarau gross geworden, beide sind ins gleiche Gymnasium und beide haben ihre Laufbahn beim FCA lanciert. Die Nomination fürs Nationalteam ist die erste kleine Krönung ihrer noch jungen Karriere und erfüllt beide mit Stolz. «Loris und ich haben uns am Telefon gegenseitig schon gratuliert», sagt Widmer vor der Lobby und folgt Benito wenig später aufs Zimmer. Sie haben sich viel zu erzählen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt