Die Young-Boys-Zwillinge im Sturm

Michael Frey und Haris Tabakovic sind beide im Sommer 1994 geboren, sehr kräftig und talentiert – und Sturmhoffnungen bei YB. Vor dem Spiel morgen in Basel äussern sich die 18-Jährigen zu ihren Zielen und zu ihrer Zukunft.

Jung und begabt: Die 18-jährigen YB-Stürmer Michael Frey (links) und Haris Tabakovic.

Jung und begabt: Die 18-jährigen YB-Stürmer Michael Frey (links) und Haris Tabakovic.

(Bild: Andreas Blatter)

Fabian Ruch

Manchmal wäre es reizvoll, in die Zukunft blicken zu können. Vielleicht wird in drei Jahren ein «YB-Zwillingssturm» euphorisch gefeiert. Vielleicht werden Michael Frey und Haris Tabakovic jene Akteure sein, welche die Young Boys endlich aus der titellosen Tristesse schiessen. Vielleicht. Irgendwann.

Vorerst sind Frey und Tabakovic die zwei vermutlich grössten Talente bei YB. 18 Jahre alt sind sie, gross und kräftig, torgefährlich und talentiert. Möglicherweise sind sie – zusammen mit Verteidiger Marco Bürki – die Antwort auf die in Bern oft formulierte Kritik, die Young Boys würden kaum einmal Nachwuchskräfte in die erste Mannschaft einbauen. «Frey und Tabakovic besitzen viel Potenzial», sagt YB-Trainer Martin Rueda, «und es ist jetzt sehr wichtig, dass sie Spielpraxis erhalten.»

Beim Fototermin im Stade de Suisse sind Frey und Tabakovic unverkrampft, ihr Auftreten ist freundlich. Sie lachen gerne und oft, zum Beispiel wenn es um die schönste Frau der Welt geht oder darum, ob sie in der Öffentlichkeit oft erkannt werden. «Mich kennt man nicht so gut», sagt Tabakovic und ergänzt schmunzelnd, «aber ich glaube, Michi mag es sehr, wenn man ihn in der Stadt anspricht.»

Frey ist weiter als Tabakovic, er hat sich in den letzten Monaten bei YB etabliert und schoss am Sonntag ein wunderschönes Kopftor beim 2:0-Sieg gegen St.Gallen, während der eingewechselte Tabakovic kurz vor Spielende eine Grosschance vergab und bei drei Kurzeinsätzen noch auf seinen ersten Treffer in der Liga wartet. «Ich geniesse die Spiele in der Super League sehr», sagt Tabakovic, «aber ich habe auch kein Problem, wenn ich im Nachwuchs eingesetzt werde. Ich kann schliesslich noch viel lernen.» Er sei beispielsweise trotz 1,94 Metern (!) Körpergrösse eher kopfballschwach und müsse stark am Timing arbeiten. Rueda lobt den Willen und Kampfgeist Tabakovics und dessen für seine Grösse erstaunliche Schnelligkeit. Der 18-Jährige selber meint, er finde, er könne den Ball ganz gut behaupten und nennt Zlatan Ibrahimovic in jeder Beziehung als fussballerisches Vorbild. Zumindest ähnliche körperliche Voraussetzungen wie der schwedische Superstar, der auch 194 Zentimeter misst, besitzt Tabakovic – und einen ähnlichen Namen sowie die gleiche Herkunft. Beide sind Bosnier, spielen aber nicht für ihr Heimatland. «Ich bin in Grenchen geboren und aufgewachsen», sagt Tabakovic, dessen Verwandte in Bosnien leben, «und fühle mich derzeit wohl im Schweizer U-19-Team.»

Freys Absage an den FC Basel

Tabakovic hat erst drei Länderspiele bestritten, er ist ein Spätzünder und wechselte letztes Jahr von Grenchen zu YB. Michael Frey dagegen ist seit der U-15-Auswahl Nationalspieler, er hat irgendwann aufgehört, die Länderspiele zu zählen, und hat «13 oder 14 Tore für die Schweiz geschossen», wie er sagt. «So genau weiss ich es nicht.» Frey geht mit dem Rummel um seine Person spielerisch um, er ist generell keiner, der sich zu viele Gedanken macht. «Einfach geil» sei es, für YB zu spielen und vor der Fankurve ein Tor zu erzielen. «Das war immer mein Traum.» Bevor der Münsinger vor drei Jahren von Thun zu YB wechselte, hatte auch Basel um eine der grössten Schweizer Sturmhoffnungen gebuhlt. «Ich ging sogar mit ins FCB-Trainingslager nach Barcelona, das wollte ich mir nicht entgehen lassen», sagt Frey. «Aber als echter Berner Giel und YB-Fan darf man doch nicht zu Basel wechseln.» Solche lokalpatriotischen Aussagen im urchigen Berndeutsch sind es, die erahnen lassen, welche Möglichkeiten Frey besitzt, im Stade de Suisse zum Publikumsliebling aufzusteigen.

Die grosse Konkurrenz

In erster Linie aber muss natürlich die sportliche Entwicklung weiter stimmen. Trainer und Mitspieler loben die gewaltige Einsatzbereitschaft Freys, der keinen Ball verloren gibt, rennt und kämpft und «den Gegner furchtbar» nervt, wie YB-Coach Rueda findet. Er wird auch morgen in Basel gegen Meister FCB auf Frey setzen. Doch die Konkurrenz mit den neuen Stürmern Samuel Afum (derzeit verletzt) und Alexander Gerndt bei den Young Boys ist prominent und gut. «Wir zwei Jungen betrachten uns aber nicht als Konkurrenten», sagt Tabakovic, und Frey meint: «Am schönsten wäre es, würden wir wie im Schweizer U-19-Team gemeinsam stürmen.» Vielleicht wird das auch bei YB so sein. Irgendwann.

Berner Zeitung

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