Die Krönung verpasst

Der FC Thun kann die sehr gute Saison nicht mit dem 3. Platz krönen. Aufgrund des 2:3 beim schon abgestiegenen Aarau und des 4:3 des FCZ im Derby gegen GC rutschen die Thuner einen Platz zurück.

Im letzten Spiel oft einen Schritt zu spät: Die Thuner (Ridge Munsy und Nelson Ferreira, Hintergrund) mussten gegen Aarau unten durch.

Im letzten Spiel oft einen Schritt zu spät: Die Thuner (Ridge Munsy und Nelson Ferreira, Hintergrund) mussten gegen Aarau unten durch.

(Bild: Keystone)

Starre Blicke, da und dort ein Kraftausdruck, so rasch wie möglich in die Kabine. Auch wer die Partie in Aarau nicht gesehen hatte, konnte um 22.30 Uhr an den Gesichtern der Thuner Spieler erahnen, wie sie sich am Freitag im Brügglifeld nach Matchende fühlten. «Wir haben zwar unser Saisonziel erreicht, aber es wäre mehr dringelegen. Im Moment überwiegt die Enttäuschung klar», analysierte Ridge Munsy.

Die letzte sportliche Hoffnung hatte nur kurz gewährt. Jene, die Thun eigentlich gar nicht bemühen wollte. Aber nachdem Luca Radice eine Viertelstunde vor Spielende das 3:1 erzielt hatte, mussten die Thuner hoffen, dass die Grasshoppers im Spektakelderby beim FC Zürich mindestens das 3:3 über die Zeit bringen würden. So hätte Thun den Podestplatz doch behalten. Aber wenige Minuten später zerstörte ein Tor von Amine Chermiti im Letzigrund die Hoffnungen auf derartigen Support.

Auch der späte Thuner Anschlusstreffer von Gaetan Karlen (87.) änderte nichts mehr, kurz nachdem Nikolaj Hänni die Partie unterbrochen hatte , weil ein Fan den Rasen stürmte und sogar eine kleine Platzinvasion drohte. Auch in der sechsminütigen Nachspielzeit kamen die Gäste nicht mehr in die Nähe des 3:3.

Die beste Phase hatte Thun nach der Pause gehabt. Munsy hatte mit seiner vielleicht besten Aktion im Thun-Dress den Ausgleich durch Karlen eingeleitet. Der ehemalige Krienser hatte den Ball mit einem perfekten Tackling an der Mittellinie erobert und ihn dann nach vorne getragen, der Walliser vollendete ins lange Eck. Schon zwei Minuten später brachte Dante Senger die Gastgeber aber wieder in Führung, das Momentum wechselte aus Thuner Sicht allzu rasch.

Verpatzter Start

Gäbe es die Möglichkeit eines Timeouts, hätte Urs Fischer wohl schon nach wenigen Minuten zu dieser Massnahme gegriffen. Marco Rojas hatte zwar nach 34 Sekunden die erste halbe Torschance gehabt, anschliessend verlagerte sich das Geschehen aber auf die andere Seite, mit den Thunern in einer unerwartet passiven Rolle. Und wenn Guillaume Faivre nicht zweimal glänzend reagiert hätte, wären die Gastgeber spätestens in der 7. Minute in Führung gegangen.

Da es im Fussball kein Timeout gibt, hielt das Übergewicht der Gastgeber an. Und führte in der 13. Minute zur verdienten Führung, nach einer symptomatischen Aktion. Ein schnell ausgeführter Freistoss landete bei Kim Jaggy, dieser wurde von Nelson Ferreira zu wenig dezidiert angegriffen und konnte flanken. In der Mitte konnte Fulvio Sulmoni Stürmer Senger nicht am Kopfball hindern und auch Faivre kam für einmal zu spät. «Wir hatten uns das ganz anders vorgestellt und wollten von Anfang an aggressiv spielen», gab Munsy, zu, «aber irgendwie waren wir immer einen Schritt zu spät.»

Der Verlauf der Startphase erstaunte doppelt: Erstens, weil für Thun der 3. Platz auf dem Spiel stand und neben dem Prestige-Erfolg auch der massive Vorteil, direkt in der Europa-League-Gruppenphase einsteigen zu können. Und zweitens, weil die Moral der Aargauer nach dem mit dem 1:5 in St. Gallen besiegelten Abstieg weit unten war. Etliche Spieler werden den Klub verlassen, am Spieltag wurde auch bekanntgegeben, dass der Vertrag mit Raimondo Ponte nicht verlängert wird.

Der Berner Schreck

Die Gastgeber wollten sich aber «anständig» aus der Super League verabschieden und ihre «perfekte» Bilanz gegen die Berner wahren. Das gelang: Sie haben keines der acht Spiele gegen YB und Thun verloren, dafür fast die Hälfte ihrer Punkte gegen sie gewonnen.

Berner Zeitung

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