Der ruhige Pol in unruhigen Zeiten

Bei YB gibt es seit Saisonbeginn kaum Positives hervorzuheben. Als Ausnahme gilt Denis Zakaria – der 18-Jährige fällt nicht nur mit seinem extravaganten Schuhwerk auf.

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Miralem Sulejmani, Loris Benito? Nein, Denis Zakaria! Für die zwei Erstgenannten gab YB mindestens sechs Millionen Franken aus, bis anhin sind die Zuzüge durch Platzverweise und Fehler, selten aber durch gute Leistungen aufgefallen. Zakaria seinerseits kostete einen Bruchteil dieser Summe, der Romand allerdings hat sich bereits mehrmals positiv in Szene gesetzt, ihn nimmt man nicht nur seiner himmelblauen Schuhe wegen wahr. Gegen Lugano kam er zu seinem vierten Einsatz für Gelb-Schwarz, erstmals durfte er von Beginn an spielen. Bemerkenswert: Zakaria ist erst 18, der Jüngste im YB-Kader.

U-19-Nationalspieler Zakaria wurde gestern U-21-Nationalspieler Leonardo Bertone vorgezogen. In einer enttäuschenden ersten Halbzeit und im noch schwächeren zweiten Durchgang war er einer der wenigen Akteure des Heimteams, die den Ansprüchen genügten. Im zentralen Mittelfeld eroberte er nicht nur einige Bälle, er leitete diese dann und wann auch geschickt weiter.

Technisch versiert, wie er sich in der 37. Minute auf der linken Seite in den Strafraum durchtankte, seine Hereingabe verpasste Samuel Afum. Körperlich dominant, wie er in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit jenen Zweikampf gewann, der am Ursprung der Torchance Milan Vilotics stand. «Wir hätten viele Tore erzielen können, ja erzielen müssen», stellt der Jungspund klar.

«Es ist kompliziert»

«Zak», wie das Talent genannt wird, stiess von Servette zu YB – vom in die Promotion League zwangsrelegierten Klub zum selbst ernannten Titelanwärter. Gewiss ein grosser Schritt, doch die Stimmen häufen sich, die YB bescheinigen, ein Juwel mit glänzenden Perspektiven engagiert zu haben. Wegen seiner Ballsicherheit und Robustheit und wohl auch wegen seiner langen Beine wird er ab und zu mit dem einstigen französischen Star Patrick Vieira verglichen. Zakaria hat davon gehört, «das ehrt mich. Ich bin jung, habe viel Arbeit vor mir. Aber ich weiss, dass ich sehr viel erreichen kann.»

Zakaria, die Mutter aus dem Sudan, der Vater gebürtiger Kongolese, spricht Französisch; er lernt Deutsch, «aber es ist kompliziert». Kompliziert ist auch das YB-Spiel, «und kompliziert ist auch die Situation, in der wir uns befinden». Drei Tage lang währte die Ruhe um die Berner, «jetzt wird es wohl wieder nervöser». Die heftigen Pfiffe der Zuschauer hätten geschmerzt, sagt der schweizerisch-kongolesische Doppelbürger, «aber ich kann die Fans verstehen. Ein Heimspiel gegen den Aufsteiger müssen wir gewinnen.»

Siegen um jeden Preis lautet die Devise hinsichtlich des Cupspiels vom Samstag in Kriens. «Der Druck ist gross», gesteht Zakaria. «Aber damit sollten wir umgehen können.» Bei aller Enttäuschung wird offensichtlich: Zumindest Zakaria wird kaum in Hektik verfallen – sein Selbstvertrauen ist gross. Neben vielen Verlierern im YB-Verbund war er gegen Lugano der heimliche Gewinner.

Berner Zeitung

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