Der polyvalente Vollblutstürmer

Thun könnte am Samstag mit einem Heimsieg gegen Sion (17.45 Uhr, Stockhorn-Arena) seinen Platz im vordersten Ranglistensegment zementieren. Stürmer Berat Sadik will seine Formstärke zu weiteren Erfolgserlebnissen nutzen.

Berat Sadik konnte sich in dieser Saison bereits über drei persönliche Torerfolge freuen.

Berat Sadik konnte sich in dieser Saison bereits über drei persönliche Torerfolge freuen.

(Bild: Keystone)

Plötzlich war er Vorbereiter. Als Thun am vergangenen Samstag bei Breitenrain in der Nachspielzeit mit allen Mitteln und auch ungestüm das Ausscheiden aus dem Cup abzuwenden suchte, behielt Berat Sadik die Übersicht und profilierte sich zweimal als Assistent. Seine Kopfballverlängerung nützte Alexander Gonzalez zum Ausgleich, wenig später bediente Sadik mit dem Fuss Nelson Ferreira ideal.

Diese Polyvalenz kommt Sadik auch bei seinem Hauptjob zugute, demjenigen als Vollstrecker. Er fackelt nicht lange, er trifft mit dem Kopf, mit dem Fuss und hat in dieser Spielzeit (in Abwesenheit Enrico Schirinzis) auch den ersten Thuner Penalty seit Menschengedenken verwertet.

Allerdings darf man den 196 Zentimeter langen Finnen nicht nur an Toren messen. Seine körpergrössenbedingten Defizite punkto Beweglichkeit kompensiert er mit Laufbereitschaft, er verrichtet viel Störarbeit und ist in der Lage, die Bälle zu halten. In Thuns System mit einem Stürmer nicht immer ein einfaches Unterfangen, welches auch eine gewisse Anpassungszeit erforderte. «Manchmal fühlte ich mich am Anfang vorne schon etwas einsam», sagt der 27-Jährige mit einem Schmunzeln, «ich hatte vorher meistens in Teams mit zwei Stürmern gespielt. Aber es ist kein Problem, ich erhalte viel Unterstützung von den Mittelfeldspielern und denjenigen, die über die Seiten kommen.»

Sadiks Bilanz kann sich in dieser Saison sehen lassen: 501 Minuten hat er gespielt, dabei fünf Skorerpunkte erzielt, drei Tore und zwei Assists. Sein Zwischenfazit fällt positiv aus: «Es war wirklich ein guter Start für uns alle. Wir wissen aber auch, dass dies noch nichts bedeutet und wir weiter hart arbeiten müssen. Ein Sieg oder eine Niederlage kann in der Tabelle bereits Auswirkungen haben.»

Klare Steigerung als Ziel

Schon heute gegen Sion ist wieder harte Arbeit gefragt. An die Walliser haben die Thuner ungute Erinnerungen, im letzten Duell Anfang Mai resultierte im Tourbillon ein 1:3 als Auftakt zu einer fatalen letzten Meisterschaftswoche, die nach weiteren Niederlagen gegen YB und Luzern noch zum Verlust des Europacupplatzes führen sollte. Für Sadik ist jener Tag im Mai weit weg: «Was war, können wir eh nicht mehr ändern. Wir müssen uns auf uns konzentrieren, ich bin überzeugt, dass uns zu Hause ein gutes Resultat gelingt.»

Vielleicht auch dank weiterer Beiträge Sadiks, der nach einer suboptimalen letzten Saison aufblüht. Damals war er in der Hinrunde kaum an Marco Schneuwly vorbeigekommen, im neuen Jahr kostete ihn eine Knieverletzung zwei Monate, sein Comeback gab er erst kurz vor Schluss. Dass er dennoch sieben Tore erzielte, kann in Anbetracht der Umstände als Erfolg gewertet werden.

Jetzt trifft Schneuwly für Luzern, Sadik ist nach problemfrei verlaufener Vorbereitung fit und in der Stürmerhierarchie die Nummer 1 vor Andrija Kaludjerovic. Heuer hat der Nationalspieler höhere Ziele, auf Zahlen fixieren will er sich aber nicht: «Ich möchte im Minimum mehr Treffer erzielen und, falls ich verletzungsfrei bleibe, mein letztjähriges Total klar übertreffen.» Wenn er so weitermacht, ein realistisches Ziel.Marco Keller

Berner Zeitung

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