Der nächste Schritt in der Karriere von Marco Schneuwly

Am Wochenende startet die Super League in die neue Saison. Marco Schneuwly steht beim FC Thun noch stärker in der Verantwortung. Der Stürmer wird wie sein Verein oft unterschätzt.

Stufe um Stufe: Marco Schneuwly auf dem Weg nach oben. Er ist neu Vizecaptain beim FC Thun.Patric Spahni

Stufe um Stufe: Marco Schneuwly auf dem Weg nach oben. Er ist neu Vizecaptain beim FC Thun.Patric Spahni

(Bild: Patric Spahni)

Fabian Ruch

Marco Schneuwly ist jetzt Vizecaptain. Vielleicht muss man das zu Beginn dieser Geschichte erwähnen, denn Marco Schneuwly ist gerade daran, den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen. 28 Jahre alt ist der Fussballer mittlerweile, er ist erfahren und in wechselhaften Saisons zum Führungsspieler beim FC Thun gereift. Schneuwly selber findet, es ändere sich gar nicht so viel an seiner Rolle: «Ich war schon letztes Jahr einer der routinierten Spieler hier und habe Einfluss genommen.» Schneuwly bezeichnet sich als Teil der Thuner Achse, die bei Goalie Guillaume Faivre beginne und über Abwehrspieler Thomas Reinmann sowie Captain und Mittelfeldvorkämpfer Dennis Hediger führe und bei ihm aufhöre.

Und jetzt ist Marco Schneuwly wie Reinmann Captain-Stellvertreter, es ist eine Auszeichnung für den ruhigen Angreifer, der nun die bekannteste Figur im Thuner Kader ist. «Es ist schön, wenn sich die Medien für einen interessieren und es gut läuft», sagt Schneuwly. «Aber ich weiss das einzuschätzen. Jeder Stürmer gerät in die Kritik, wenn er zehn Spiele nicht mehr getroffen hat.»

Die Sache mit Rooney

Marco Schneuwly blickt auf das beste Halbjahr seiner Laufbahn zurück. 10 Tore erzielte der bullige Offensivspieler im Frühling, in seiner stärksten Phase waren es sieben Treffer in sechs Begegnungen. Man kann Schneuwly ja als «Phasenstürmer» bezeichnen, wenn man möchte. Wenn es ihm läuft, erzielt der Freiburger Tor um Tor in Spiel um Spiel, aber in seiner fussballerischen Biografie finden sich auch immer wieder ziemlich lange Durststrecken. So traf er beispielsweise in der letzten Vorrunde nur dreimal. «Das geht doch beinahe jedem Stürmer so», sagt Schneuwly. «Es gibt bloss eine Handvoll Weltklassestürmer, die fast in jeder Partie treffen.»

Sein Ziel sei es, konstanter zu werden. Und sein Trainer meint, wenn Schneuwly so weiterspiele wie zuletzt, würden 15 bis 20 Saisontore für ihn drinliegen. «Schneuwly ist enorm wertvoll», sagt Thuns Coach Urs Fischer. «Und er steht bei uns mit seiner Klasse jetzt noch mehr in der Verantwortung, weil wir erfahrene Spieler verloren haben.» 40 Tore hat der U-17-Europameister von 2002 in 166 Einsätzen in der Super League erzielt, es ist eine respektable, aber keine überragende Quote. Schneuwlys Karriere erhielt nach einer ausgezeichneten Vorrunde mit YB im Dezember 2009 einen heftigen Knicks, als er sich das Kreuzband riss. «Das war ein sehr bitterer Moment», sagt Schneuwly. Damals verspielten die Young Boys in der Rückrunde noch den Titel an Basel, und es gibt nicht wenige Beobachter, die behaupten, YB hätte sich mit Schneuwly nicht mehr abfangen lassen.

Auf jeden Fall hat sich Schneuwly nach seiner schweren Verletzung bei YB nicht mehr durchsetzen können, er wurde ein Opfer der teuren, gescheiterten Phase-3-Offensive in Bern. «Ich wollte es unter dem damaligen Trainer Christian Gross noch einmal versuchen, erhielt aber nicht besonders viele Einsatzgelegenheiten», sagt Schneuwly, der seit Januar 2012 in Thun spielt. Die schmeichelhafte Aussage von Gross, Schneuwly sei sein Wayne Rooney bei YB, schadete dem Angreifer. Er konnte die Erwartungen nicht erfüllen.

Das Ausland und die WM

Marco Schneuwly ist kein Weltklassestürmer bei Manchester United, aber er hat sich Stufe um Stufe zurückgekämpft. Und er hat seinen Traum von einem grossen Transfer auch mit 28 Jahren nicht aufgegeben. «Jeder Fussballspieler wünscht sich, Titel zu gewinnen oder ins Ausland zu wechseln», sagt Schneuwly. «Aber ich weiss sehr zu schätzen, was ich in Thun habe. Ich spüre hier das Vertrauen der Verantwortlichen, und das ist wichtig für mich.»

Schneuwly wird ja – wie der FC Thun – gerne unterschätzt, aber das muss kein Nachteil sein. Wenn der Stürmer so weitertrifft wie im Frühling, wird er auf einmal zum Thema für die WM 2014, sollte sich die Schweiz dafür qualifizieren. Es kann schnell gehen im Fussball. Damit mag sich der neue Thun-Vizecaptain aber noch nicht befassen. Er nimmt lieber weiter Schritt für Schritt.

Berner Zeitung

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