Der gute alte Freistoss

Die lethargischen Young Boys tun sich gegen Lugano beim 1:0-Heimsieg sehr schwer.

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Fabian Ruch

Miralem Sulejmani ist wohl der Spieler mit dem elegantesten feinen Fuss der Liga. Seine Standardsituationen haben die Young Boys schon oft zum Erfolg geführt. So ist das auch am Samstagabend, als der 29-jährige Serbe in der 83. Minute gegen Lugano das einzige Tor erzielt.

Sein Freistoss ist für einmal weder besonders präzis noch besonders hart, er landet in der Tormitte. Luganos Goalie David Da Costa aber entscheidet sich früh für eine Ecke – und hinterlässt einen ungenügenden Eindruck. «Tor ist Tor», sagt Sulejmani. Aber auch: «Ich habe schon schönere Freistösse geschossen. Auch in diesem Spiel.»

Sulejmanis Treffer belohnt die Berner für eine erheblich verbesserte Vorstellung in der zweiten Hälfte. Erst jetzt sind sie besser, immer noch nicht stilsicher und schwungvoll, aber beharrlich und überlegen. Und das ohne Torjäger Hoarau, der zur Pause mit einer Fussverletzung ausgewechselt und zur Untersuchung ins Spital gebracht worden ist.

Lugano wehrt sich gut – und hat die beste Chance in der ersten Halbzeit

Es ist ein kalter Abend auch in Bern, und zu erwärmen vermag das Geschehen auf dem Kunstrasen nicht. Die Young Boys finden nicht ins Spiel, sie treten vorerst behäbig auf, ohne Ideen und Tempo und vor der Pause auch ohne Leidenschaft. Ihr Trainer Gerardo Seoane hatte vor der jüngsten Länderspielpause angesichts des anstrengenden Pensums eine «mentale Müdigkeit» bei seinen Spielern festgestellt.

Am Samstag, nach dem zweiwöchigen Unterbruch, gilt diese Erkenntnis immer noch. «Wir haben heute Ruhe und Mut nicht verloren», sagt Seoane nach dem 1:0-Sieg, «doch wir haben uns lange Zeit sehr schwergetan.»

Luganos Goalie Da Costa jedenfalls verbringt eine überraschend sorgenfreie erste Halbzeit. YB ist nur einmal gefährlich, bezeichnenderweise durch einen herrlichen Freistoss Sulejmanis, der knapp am Tor vorbeistreicht. Bei diesem Kunstschuss wäre Da Costa chancenlos gewesen. Aber es sind die Gäste, gut organisiert im neuen 3-4-1-2-System, die nicht nur ausgezeichnet verteidigen, sondern in der ersten Halbzeit sogar zielstrebiger angreifen.

Carlinhos taucht in der 26. Minute nach feinem Zuspiel des früheren YB-Stürmers Gerndt alleine vor dem Berner Tor auf, probiert jedoch einen komplizierten Heber, den Von Ballmoos mit dem rechten Arm stark pariert.

YB vor grosser Woche: Dienstag im Old Trafford, Sonntag in Basel

Dank der Leistungssteigerung nach der Pause ist der Heimsieg der Young Boys verdient. Sie spielen in der Schweiz weiter in einer eigenen Liga, dabei wäre ein 0:0 im Sinn der Meisterschaft gewesen. 14 Punkte betrug der Vorsprung vor diesem Spieltag nach 14 Runden auf Basel, das am nächsten Sonntag im Spitzenkampf YB empfangen wird. Es ist vermutlich die allerletzte Ausfahrt für den FCB Richtung Titelkampf.

Bereits übermorgen Dienstag haben die Young Boys eines der grössten Rendez-vous ihrer Geschichte. Von rund 3000 Anhängern begleitet, treffen sie in der Champions League im Old Trafford auf Manchester United – und da müssen sie gewinnen, sonst beenden sie ihre Gruppe als Letzte.

Am Samstag war auch das Old Trafford Schauplatz einer müden Veranstaltung. Die United kam gegen Crystal Palace nicht über ein 0:0 hinaus. Nicht in jeder Begegnung gibt es einen formidablen Freistossschützen wie Sulejmani – oder einen Torhüter wie Da Costa, der sich fundamental verspekuliert.

Berner Zeitung

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