Der Zielstrebige

Alex Miescher ist Delegationsleiter des Schweizerischen Fussballverbandes an der WM in Brasilien. Der 46-jährige Solothurner Militärpilot ist direkt und selbstbewusst – und ehrgeizig.

Strahlender Krisenmanager: Alex Miescher ist Delegationsleiter des SFV an der WM.

Strahlender Krisenmanager: Alex Miescher ist Delegationsleiter des SFV an der WM. Bild: Urs Baumann

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Im Büro von Alex Miescher im Haus des Fussballs in Muri sind auf einer Tafel viele brasilianische Begriffe aufgeschrieben – und ihre Übersetzung auf Deutsch. Der Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) bereitete sich in den letzten Monaten akribisch und auch mit einer Sprachlehrerin auf die WM in Brasilien vor.

Alles andere hätte erstaunt. Trifft man Miescher, fällt dessen smarte, direkte Art auf. Der 46-Jährige ist keiner für halbe Sachen, er laviert nicht, sondern spricht die Dinge an, wie sie sind. Gerne tut er das mit englischen Managementausdrücken, man spürt den Wirtschafter in ihm.

Klare Worte

In den letzten Wochen stand Alex Miescher in den Schlagzeilen, als es um die unschönen Fanszenen rund um den Cupfinal in Bern ging. Und der gross gewachsene Solothurner scheute sich nicht, Stellung zu beziehen. Er ist selbstbewusst, diese Eigenschaft versteckt er auch gar nicht. «Wer führt, kann nicht immer einen Sympathiepreis gewinnen», sagt Miescher. Und dann: «Jedoch geht es auch mir nahe, wenn ich realisiere, dass sich jemand wegen meiner Wasserverdrängung verschluckt.»

Als Miescher 2009 sein Amt als SFV-Generalsekretär antrat, erklärte er, es sei sein grösstes Ziel, die Fanproblematik besser in den Griff zu bekommen. «Das ist uns gelungen, dafür gibt es viele Zahlen», sagt Miescher, «aber ich sehe, dass die Öffentlichkeit ein anderes Gefühl hat. Es ist mir noch nicht gelungen, die Botschaft zu verkünden, dass es immer weniger Zwischenfälle gibt.»

«Cupfinal-Shitstorm»

Alex Miescher bezeichnet sich als «Krisenmanager» und «Konditionstrainer des Verbandes» sowie als obersten Zuarbeiter von Präsident Peter Gilliéron. «Wir verstehen uns gut», sagt Gilliéron, «und ergänzen uns bestens.» Miescher, dem grossen SCB-Fan, gefällt es im Fussball, «die Aufgeregtheit des Geschäfts» sei faszinierend. «Ich habe viel gelernt und bin gerne ein Blitzableiter, wenn es dem SFV dient», sagt er. Den «Cupfinal-Shitstorm», wie er es bezeichnet, habe er überstanden und dabei gemerkt, wie einige Medienvertreter funktionieren würden. «Denen ging es offensichtlich primär darum, uns in die Pfanne zu hauen», sagt Miescher, «das finde ich schade.» Dem SFV gehe es insgesamt gut, die Auswahlen, auch jene der Frauen, seien erfolgreich, betont der passionierte Schwimmer, und jetzt stehe in Brasilien eine besondere Herausforderung an.

«Erwarte das Unerwartete» sei sein Expeditionsmotto, «dann sind wir hoffentlich auf alle Eventualitäten vorbereitet.» Der «Feel-Good-Faktor» an so einer WM sei nicht zu unterschätzen, Spieler und Betreuer müssten sich wohlfühlen. «Das war an früheren Weltmeisterschaften vielleicht nicht ideal gelöst», sagt Miescher. Jetzt sei man in Porto Seguro am Strand, und wenn die ersten Spiele gegen Ecuador und Frankreich verloren gehen würden, könnten Bilder auftauchen, die nach Ferienstimmung aussähen. «Dieses Risiko gehen wir ein, die Medien wünschen sich schliesslich Bilder, die nichts mit Fussball zu tun haben. Es wird bei uns sehr hart gearbeitet, aber wir brauchen auch mal Pausen.»

F/A-18-Pilot

Aus über 270 Bewerbern war Miescher vor fünf Jahren ausgewählt worden, seine Präsentation sei «brillant» gewesen, sagt Gilliéron. Und Miescher wirkt zwar zuweilen wie ein Hardliner, aber er sagt differenziert, dass «Nulltoleranz ein falsches und unbrauchbares Rezept» dazu sei, mit Fans umzugehen. «Wir brauchen eine bessere Kommunikation unter allen Anspruchsgruppen. Wir sollten weniger übereinander und mehr miteinander reden.»

Alex Miescher wohnt mit seiner Familie (zwei Kinder, 15 und 13 Jahre alt) in Biberist und ist als Generalstabsoberst auch immer noch im Militär engagiert. Der Pilot flog einst jahrelang den F/A-18 und hätte, wie man hört, in der Armee allerbeste Aussichten gehabt, weit aufzusteigen. Aber Miescher reizte etwas Neues, der ehemalige Spitzenschwimmer bezeichnet sich selber als «zielstrebig, dynamisch, hartnäckig und lernbegeistert». Er sei noch nicht so lange im Fussball engagiert und könne daher bis ans Lebensende noch viel lernen.

Und jetzt, als Delegationsleiter des SFV in Brasilien, hat sich Miescher also portugiesische Sprachkenntnisse angeeignet, um den Verband angemessen zu vertreten. Er wolle die Heimreise «möglichst spät und mit einem guten Gefühl» antreten, betont Miescher vor dem WM-Startspiel morgen in Brasília gegen Ecuador. «Ich sehe, wie viel Trainer, Spieler und Staff investieren, damit wir mit gutem Gewissen zurückkehren können.» Dann ergänzt er schmunzelnd: «Aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir unser letztes Spiel nicht gewinnen werden, ist leider ziemlich hoch.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.06.2014, 16:57 Uhr

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