Der Umweg hat sich gelohnt

Florent Hadergjonaj wechselte als Junior einst die Nachwuchsabteilung, weil er nicht im besten Team spielte. «Luzern retour» zahlte sich für den 19-jährigen Langnauer aus – am Sonntag tritt er mit YB als Stammspieler bei GC an.

In der 1.Mannschaft angekommen: Florent Hadergjonaj hat die letzten vier Partien bei YB durchgespielt.

In der 1.Mannschaft angekommen: Florent Hadergjonaj hat die letzten vier Partien bei YB durchgespielt.

(Bild: Urs Baumann)

Thomas Häberli hat den Young Boys schon so manche Freude bereitet. Der frühere Topskorer war bis letzten Frühling noch Nachwuchstrainer bei YB und hat dort mit dem einen oder anderen Junior auf einen Einsatz in der Super League hingearbeitet. Es war vor zwei Jahren, als Häberli einen Anruf tätigte, den Florent Hadergjonaj noch heute in freudiger Erinnerung hat. Der 19-jährige Verteidiger ist seit einigen Wochen ein fixer Bestandteil bei YB und in guter Form. «Damals in den Sommerferien spielte ich noch in der U-18 bei Luzern, ich wollte unbedingt zu YB, und dann klingelte in den Sommerferien das Telefon», erzählt der Schweizer mit kosovarischen Wurzeln. Häberli habe ihn zurück nach Bern geholt, «ich war sehr froh», wie Hadergjonaj heute sagt.

Viel Zeit im Zug

Dass der feingliedrige, flinke Aussenverteidiger überhaupt zum Umweg vom Bernbiet über die Innerschweiz ansetzte, hat mit einer leisen Enttäuschung zu tun. Die Fussballkarriere von Klein Florent begann standesgemäss, nach den ersten Gehversuchen beim FC Langnau wechselte der Emmentaler bereits mit zwölf Jahren zu den Junioren vom FC Thun. Vier Jahre später wurde die Selektion für die gemeinsame U-17-Auswahl von YB, Biel und Thun vorgenommen. Hadergjonaj rechnete sich Chancen aus – und fand keinen Einlass. «Ich war ziemlich enttäuscht», gibt er zu, «bis dahin hat für mich immer alles nach Wunsch geklappt.» Hadergjonaj wollte unbedingt weiter in einem grösseren Verein spielen und nutzte ein Probetraining im Nachwuchs des FC Luzern-Kriens. Prompt fand er Einlass im U-17-Team. Nun begann eine intensive Zeit. «Ich ging noch immer zur Schule, trainiert hätten wir eigentlich fast täglich, doch mein Anfahrtsweg betrug 75 Minuten», erzählt Hadergjonaj.

Mit den Trainern konnte er sich arrangieren, absolvierte Einheiten auf eigene Faust zu Hause und, ja, – «ich fuhr viel Zug». Eine gute Erfahrung sei das gewesen, «ich wurde selbstständiger und lernte einen neuen Dialekt kennen», meint Hadergjonaj lächelnd. Der Umweg und die Mühe aber, sie sollten sich lohnen. Auf dem Weg zum Schweizer-Meister-Titel bezwangen die Innerschweizer auch die Alterskollegen von YB, «gegen YB haben wir nie verloren», sagt der Langnauer grinsend. Und dann kam schon ziemlich bald besagter Anruf, Hadergjonaj war nun dort, wo er «schon immer mal hinwollte» und verbrachte fortan deutlich weniger Zeit im Zug.

Wenig Zeit zum Angewöhnen

In Bern kam er zuletzt vor allem zum Zug. Die herausragenden Leistungen des noch nicht einmal 20-Jährigen sind bei YB zurzeit in aller Munde. Die schwierige Personalsituation mit diversen Verletzungen und Sperren veranlasste Trainer Uli Forte dazu, die eigene Jugend zu forcieren – vom Transfergeschäft liess YB bewusst ab. Gegen den FC Zürich schlug für Florent Hadergjonaj die Stunde: Ohne zuvor je in der Super League eingewechselt worden zu sein, stand er gegen den FCZ in der Startformation. «Die ersten 20 Minuten waren sehr schwierig. Das Publikum, das Tempo – ich musste mich erst einmal zurechtfinden», erinnert sich Hadergjonaj. Mittlerweile hat er vier Partien de suite absolviert, alle hinten rechts, alle über 90 Minuten. Die Voten sind durchgehend hoch, der Gelobte selbst lächelt verschmitzt, wenn er darauf angesprochen wird. «Es war ein Härtetest, aber ich denke, ich habe mithalten können.»

Und so wird Florent Hadergjonaj wohl auch morgen (16 Uhr, live auf SRF2) gegen GC auf der rechten Aussenbahn verteidigen. In Freundschaftsspielen hat sich der stille, freundliche Jungfussballer an das Niveau in der Super League herangetastet, er spielte gegen Schaffhausen, in Winterthur und am MLG-Cup im Sommer immerhin gegen den tschechischen Spitzenklub Slavia Prag.

Flo, wie sie ihn im Team nennen, steht auf, das Nachmittagstraining wartet. Die Mitspieler begrüssen ihn mit Schulterklopfern, seine natürliche, ehrliche Art scheint anzukommen. Der Feusi-Schüler und Nachwuchsspieler steht nicht nur auf dem Feld mitten unter den YB-Profis – der Umweg von damals hat sich gelohnt.

Berner Zeitung

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