Der Mann für alle Cupsituationen

Im Rahmen der ambitiösen Mission «Erreichen des Cupfinals» erwartet den FC Thun heute im Achtelfinal eine hohe Hürde. Die Oberländer gastieren beim heim- wie formstarken FC St.Gallen (20.00 Uhr, AFG-Arena).

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In keinem Wettbewerb werden – im Fussball – so viele emotionale Geschichten geschrieben wie im Cup. Das Spiel in seinem ursprünglichen Sinn, also ohne Unentschieden als goldener Fallschirm, bringt Helden für einen Abend hervor, aber auch Unglücksraben, Versager.

Christian Schneuwly hat in den letzten zehn Monaten in diesem Wettbewerb alle möglichen Emotionen im Zeitraffer erlebt. Kurz vor Weihnachten 2013 traf er als letzter Thuner im erfolgreichen Penaltykrimi gegen GC, eine Runde später, am 26.März, fehlte ihm und Thun im Letzigrund gegen den FCZ nur ein Hauch zur Finalqualifikation.

Der grosse Traum platzte erst kurz vor Mitternacht und nach einem verlorenen Penaltyschiessen, bei dem Schneuwly seinen Versuch als einziger Spieler nicht unterbrachte. Im August dann beim 3:2-Last-Minute-Sieg bei Breitenrain ein Schreckensmoment, als er vor der Pause vom Platz getragen werden musste und eine schwerwiegende Knieverletzung befürchtet wurde. Zu guter Letzt, in Lausanne, erzielte Schneuwly den 1:0-Siegtreffer.

«Held oder Verlierer»

«Im Cup kann wirklich viel mehr passieren als sonst», blickt Schneuwly mit einem Schmunzeln zurück, «da gibt es nur Sieg oder Niederlage, man ist Held oder Verlierer. Abzutasten oder auf 0:0 zu spielen, ist nicht möglich, aber das ist auch das Schöne.»Bis jetzt hat Thun in der diesjährigen Ausgabe nicht restlos überzeugt, allerdings kann man den Cup im Herbst nicht gewinnen, höchstens verlieren. Die Galavorstellungen, so hofft man im Ensemble von Urs Fischer, hat man sich für die maximal vier verbleibenden Auftritte aufgespart.

St.Gallens Lauf

Eine Steigerung dürfte bereits heute vonnöten sein, ist doch St.Gallen noch etwas formstärker als Thun. Während der FCT in den letzten fünf niederlagenlosen Spielen elf Punkte eingefahren hat, fällt St.Gallens Bilanz mit vierzehn Punkten aus sechs Spielen noch eine Nuance besser aus. Zudem hat das Team von Jeff Saibene Ligakrösus Basel in dieser Spielzeit schon zweimal besiegt, ein Grund für noch mehr Selbstvertrauen.

«Sie haben einen richtigen Lauf», warnt Schneuwly, «spielen sehr aggressiv und haben in der Offensive unbestrittene Qualitäten. Wir müssen darauf eine Antwort finden und vor allem effizienter spielen als in den letzten beiden Partien.»

«Stadion wird brennen»

Fast so bekannt wie für die Bratwurst ist der FCSG auch für den praktisch uneingeschränkten Support der Fans. Die Bezeichnung 12.Mann ist im Fall der Ostschweizer keine Floskel. Die Ambiance kann aber auch den Gegner stimulieren, und genau darauf hofft Schneuwly: «Wir freuen uns enorm. Das Stadion wird brennen, die Stimmung wird begeisternd sein, und das ist für jeden Spieler eine tolle Erfahrung.»

Er selber wird voraussichtlich wieder als «Sechser mit Offensivdrang» auflaufen, eine Rolle, die er zuletzt mehrfach bekleidet hat und die ihm behagt: «Mir passt die Rolle gut. Ich habe zwar in den letzten Jahren oft als Flügel oder hängende Spitze gespielt, komme aber ursprünglich aus dem zentralen Mittelfeld.»

Beide Teams überzeugten zuletzt auch in der Defensive – und es ist davon auszugehen, dass beide den Fokus auf die Sicherheit legen werden. Nicht auszuschliessen, dass letztlich ein Penaltyschiessen über die Viertelfinalqualifikation entscheiden muss. Christian Schneuwly würde wohl, wie im letzten Halbfinal, wieder anlaufen. Kaum einer weiss so gut wie er, dass im Cup jeden Abend eine neue Geschichte geschrieben wird. Vielleicht auch heute mit Christian Schneuwly als Protagonisten.

Berner Zeitung

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