Der Heisssporn zieht weiter zu Basel

YB verkauft Raul Bobadilla wie erwartet an Basel. Der argentinische Stürmer ist aber noch länger gesperrt – und könnte sein FCB-Debüt im März gegen YB geben.

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Fabian Ruch

Die Super League ist eine Ausbildungsliga, auch YB verkauft immer wieder die wertvollsten Kräfte für hübsche Ablösesummen ins Ausland. Die Stürmer Seydou Doumbia, Henri Bienvenu und Emmanuel Mayuka seien als Beispiele erwähnt. Weit über 30 Millionen Franken hat der Berner Klub in den letzten fünf Jahren eingenommen. Am Donnerstag aber liess YB seinen besten Individualisten Raul Bobadilla zum grössten nationalen Rivalen ziehen.

Rund 3 Millionen für YB

Es ist, auf den ersten Blick, eine unverständliche Entscheidung. Die Young Boys betonen in einer Pressemitteilung deshalb, es sei Bobadillas «ausdrücklicher Wunsch» gewesen, «seine Karriere ausschliesslich in Basel fortzusetzen». Verhandlungen mit ausländischen Vereinen seien vom Spieler kategorisch abgelehnt worden. Schon seit Wochen sind sich Bobadilla und Berater José Noguera, der auch Basel-Coach Murat Yakin zu seinen Klienten zählt, mit dem FCB über einen Transfer einig. «Die Verantwortlichen Basels haben um mich gekämpft, das war beeindruckend», sagte Bobadilla gestern nach seiner Rückkehr aus Argentinien. Er wurde bereits am Donnerstagabend in Basel präsentiert.

Der italienische Verein Udinese bot vor kurzem rund 5 Millionen Franken für Bobadilla. In dieser finanziellen Grössenordnung dürfte sich daher auch das Gesamtpaket für den FC Basel belaufen (ohne Lohn) – wobei Berater und Spieler sowie Gladbach, der vorletzte Arbeitgeber Bobadillas, am Deal partizipieren. Für YB dürften letztlich etwa 3 Millionen Franken bleiben – plus Bonuszahlungen bei Titelgewinnen Bobadillas mit Basel.

Das ist nicht besonders viel für einen 25-jährigen Stürmer, der Tor um Tor schiesst und von der Uefa kürzlich sogar ins All-Star-Team der Europa-League-Gruppenphase gewählt wurde. Andererseits ist es rund eineinhalbmal so viel, wie YB vor einem Jahr für Bobadilla bezahlte. Der Argentinier dürfte seinen Fixlohn von geschätzten 800'000 jährlich bei YB mit dem gestrigen Transfer fast verdoppelt haben.

Ein eigenwilliger Charakter

Bei den Young Boys ist man nicht traurig, den mit Abstand bestbezahlten Akteur losgeworden zu sein. Bobadilla ist ein wilder Fussballer mit Ecken und Kanten, seine Art ist für das Innenleben eines Teams sehr heikel. Viele YB-Spieler nervten sich schwer über die ständigen Eskapaden und Undiszipliniertheiten, Sonderwünsche und Sperren des mürrischen Südamerikaners – der zwar treffsicher agierte, aber bloss in jenen Partien, die ihn motivierten und in denen er sich auf einer besonderen Bühne präsentieren konnte. «Es macht mehr Spass in der Europa League», sagte Bobadilla ehrlich, nachdem er drei Tore gegen Udinese (3:1) geschossen hatte.

Ob der Argentinier nun beim FCB glücklich und vor allem ruhiger wird? Seinen neuen Trainer Murat Yakin, mit dem er einst bei Concordia Basel zusammenarbeitete, kennt er schon lange, die beiden verbindet viel. Aber früher oder später kamen die charakterlichen Eigenheiten Bobadillas bisher bei jedem Arbeitgeber zum Vorschein. Er kann eine Mannschaft spalten und einen Verein unter Strom halten. Und: In Basel hat es bereits starke Figuren im Team wie Marco Streller und Alex Frei, der nun vor einem möglicherweise ungemütlichen letzten Halbjahr seiner glanzvollen Stürmerkarriere steht. Und mit den Degen-Zwillingen sowie Heisssporn Geoffroy Serey Die, ebenfalls ein Zugang, gibt es weitere nicht einfach zu führende Akteure.

Bobadilla, der beim FCB gleich einen Vertrag bis Sommer 2017 unterschrieb, wurde just am Donnerstag von der Liga für sieben Partien gesperrt – wegen grober Schiedsrichterbeleidigung und einer Tätlichkeit gegen einen Gegenspieler in der Partie vom 25. November 2012 mit YB bei Lausanne (1:2). Drei Partien hat der Wiederholungstäter verbüsst, und der Entscheid kann angefochten werden. Bleibt es aber bei der Sperre, wird Bobadilla erstmals am 10. März für Basel auflaufen dürfen. Ausgerechnet gegen YB.

Berner Zeitung

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