Der FCZ ist Opfer der Zürcher Politik

Der FC Zürich ist nicht verantwortlich für die Misere im Zürcher Spitzenfussball. Rückendeckung für einen Verein unter Beschuss.

Der grösste FCZ-Fan und sein Sportchef: Ancillo Canepa (l.) und Fredy Bickel verfolgen das Training in Lissabon. (30. November 2011)

Der grösste FCZ-Fan und sein Sportchef: Ancillo Canepa (l.) und Fredy Bickel verfolgen das Training in Lissabon. (30. November 2011)

(Bild: Keystone Alessandro Della Bella)

Der FCZ hat einen wunderbaren Präsidenten. Er hat den wahrscheinlich besten Sportchef im Schweizer Fussball. Schliesslich hat er einen Trainer mit Zukunft. Und der FCZ hat mit seinem grossartigen Kader die nach Basel und YB ganz sicher grösste Substanz im Schweizer Fussball.

Kein Wunder, werden die bedauernswerten Zürcher ständig so in der Luft zerrissen, die Diskrepanz zwischen ihren Möglichkeiten und Resultaten ist für viele unverständlich, was wiederum vieles über die Kompetenz der Kritiker des FCZ aussagt.

Denn der FCZ ist vor allem das Opfer seiner eigenen Qualitäten in einem eiskalten Umfeld! So einfach ist das.

Chemie und Harmonie

Beginnen wir diesmal mit der Mannschaft. Der FCZ hat tolle Spieler, aber ein jämmerliches Team. Die Chemie in dieser Mannschaft stimmt überhaupt nicht. Dass es zu dieser falschen Chemie kam, ist das Resultat der Tatsache, dass im Triumvirat an der Spitze alle in ihrem Fach so gute Qualitäten haben, dazu leider aber offensichtlich glauben, dass Harmonie in der Führung ein Schlüssel zum Erfolg sei.

Dem Präsidenten wird vorgeworfen, dass er ein Fan des Vereins, des Sportchefs und des Trainers sei. Es ist möglich, wahrscheinlich sogar richtig, dass in dieser Freude an seinem Klub auch Wurzeln des Misserfolges liegen. Wäre dieser Präsident ein ewiger Nörgler, etwa wie der Chef von Sion, dem die schlechte Laune schon ins Gesicht geschrieben steht, stünde der FCZ heute sicherlich weit besser da. Wahrscheinlich zwar mit einem viel schlechteren Sportchef, einem anderen Trainer, dafür mit mehr Punkten und einer besseren unmittelbaren Zukunft.

Den Trainer schätzen und schützen

Lucien Favre schuf den neuen FCZ. Der sympathische Juniorentrainer Bernard Challandes konnte mit diesem Erbe noch einigermassen leben, Urs Fischer scheitert nun daran, dass er als Deutschschweizer Eisenfuss und Verteidiger trotz jugendlicher Frisur natürlich einen ganz anderen Fussball lebt als der einst so geniale und elegante Welsche Favre. Und für diesen seinen Fussball nicht die richtigen Spieler hat.

Wenn der Präsident und sein Sportchef Urs Fischer wirklich so schätzen und mögen, müssten sie ihn jetzt schützen. Sonst ist die Trainerkarriere dieses Fussballfachmannes und FCZ-Urgesteins, der ganz sicher eine Zukunft hätte, sehr schnell vorbei.

Denn die nötige Zeit, um aus der schlechten Chemie im Team des FCZ ein Team nach anderen Auffassungen von Fussball zu schmieden, diese Zeit hat kein Trainer der Welt. Darum gibt es nur die Möglichkeit, Urs Fischer zum eigenen Schutz wieder ein bisschen in den Hintergrund zu schieben, einen älteren Trainer mit dem fussballerischen Hintergrund Fischers an der Spitze des Teams zu verbrennen. Einen neuen Favre zu suchen, wäre falsch, ein solches Jahrhunderttalent hinterlässt in einem Verein mit beschränkten Möglichkeiten längerfristig sowieso nur ein Chaos. Wie das Beispiel FCZ so glasklar zeigt.

Mit den Reserven am Ende

Und noch eines. Die Kritiker des Präsidenten, des Sportchefs und des FCZ sollten sich besser einmal überlegen, warum eine Schar so guter Fussballer in einer so jämmerlichen Situation wie in Zürich auf Dauer keine Chance hat. Der Grund ist doch ganz einfach: Der FCZ will, muss sich in dieser Liga gegen Vereine wie den FC Basel oder YB behaupten. Die haben aber mit ihren Stadien und damit mit ihren Umfeldern ganz andere Möglichkeiten. Sie sind mit ihren Mitteln nicht sofort am Ende, wenn einmal ein bisschen Reserve verlangt wird, wie beim FCZ gegenwärtig.

So sollten die FCZ-Kritiker ihre Unverschämtheiten einmal an den Politikern der Stadt Zürich auslassen. Dass diese in den letzten Jahren so viel Herz für Kiffer, Lesben und Schwule gezeigt haben, ist ihnen im heutigen Zeitgeist zwar nicht zu verdenken. Ihr Zynismus hingegen, der sich darin zeigt, wie in Zürich die schönen Künste jährlich mit dreistelligen Millionenbeiträgen gesponsert werden, während die Kunst des «armen Mannes», der Fussball, im eiskalten Letzigrund förmlich eingefroren wird, ist wirklich schamlos.

Politiker und Pyromanen

Und hier sind wir selbstverständlich auch beim letzten Punkt der FCZ-Schelte der letzten Wochen. Bei den Ausschreitungen mit dem künstlichen Feuerwerk. Auch hier wieder liegt der grösste Teil der Verantwortung bei den Politikern der Stadt. Wie soll ein Verein, der ohne richtiges Stadion sowieso finanziell auf dem Zahnfleisch läuft, in einem Stadion, das nicht ihm gehört, ein Problem bewältigen, das nur der Staat auch mit seinem Gewaltmonopol lösen kann?

Jeder weiss, wenn Menschen sich in einer Menge gegenseitig Raketen ins Gesicht schiessen, hat dies mit Fussball wenig zu tun. Es ist das Problem einer Gesellschaft, in der die Politik versagt hat. Die Tatsache, dass der FCZ-Präsident dies nicht immer wieder laut sagt, ist die Folge davon, dass politische Inkorrektheit ihm und seinem Verein noch mehr schaden würden als das diskrete Verschweigen der Wahrheit.

Neue Ziele für die Giftpfeile

Wenn den Medien in dieser Stadt wirklich am Fussball gelegen ist, sollten sie einmal damit beginnen, ihre Giftpfeile nicht mehr auf den FCZ zu richten, sondern auf jene, die für die ganze Misere im Zürcher Spitzenfussball wirklich verantwortlich sind.

Wie sagte kürzlich dieser amerikanische Wirtschaftsdenker: 90 Prozent der Politiker sind überflüssig, 9 Prozent unfähig und 1 Prozent brauchbar. Wenn man dieses Prozent nur machen liesse...

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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