Der FC Basel zeigt Nerven

Der FCB bemüht sich nach dem ersten vergebenen Matchball um Gelassenheit. Die hitzigen Szenen nach dem glücklichen GC-Sieg beweisen aber das Gegenteil.

«Diese Niederlage muss ich auf meine Kappe nehmen»: Marco Streller nach dem 0:1 gegen GC.

«Diese Niederlage muss ich auf meine Kappe nehmen»: Marco Streller nach dem 0:1 gegen GC.

(Bild: Keystone)

Sebastian Rieder@RiederSebastian

Es ist die emotional härteste Woche für den FC Basel. Am Pfingstmontag vergeigte der Doublegewinner der vergangenen Saison gegen GC den Cupfinal. Nur sechs Tage später leistete sich der Leader der Super League gegen die Grasshoppers den zweiten Ausrutscher. Zwei Runden vor Schluss besteht für den FCB wieder die Gefahr, die Meisterschaft aus den Händen zu geben. GC hat nach dem Sieg Blut geleckt. Sogar Trainer Uli Forte will jetzt nach dem glücklichen 1:0 gegen Basel auch offiziell Meister werden, während sich Murat Yakin nach der fahrlässigen Chancenauswertung unangenehme Fragen gefallen lassen musste; und dabei seine Souveränität der vergangenen Wochen vermissen liess.

Der sonst so besonnene Yakin konnte seinen Zorn nach dem Siegestor von Anatole nicht verbergen. Angesäuert verdrückte er sich zeitgleich mit dem Schlusspfiff in die Katakomben des Letzigrunds. Eigentlich hätte der FCB-Trainer sofort zum SRF-Interview erscheinen sollen, erst zehn Minuten später hatte Yakin seine Emotionen wieder im Griff: «Wir müssen cool bleiben», sagte Yakin mit roten Backen. Kurz zuvor stürmten seine Spieler wie von der Tarantel gestochen durch den Kabinengang und deckten sich vor allen Journalisten gegenseitig mit Schuldzuweisungen ein. Lauthals lamentierten die Degen-Zwillinge über den verpassten Sieg, Philipp ballte gar die Faust und schlug gegen die Wand.

Angeführt wurde die aufgebrachte Mannschaft von Fabian Schär, dem zum Ende des Spiels die Sicherungen durchbrannten. Wenige Augenblicke nach dem Gegentor rempelte dieser Shkelzen Gashi um. Schiedsrichter Kever griff zur Pfeife. Statt dem FCB-Verteidiger eine Rote Karte zu geben, beendete der Unparteiische die Partie. Die Tätlichkeit hatte eine Rudelbildung zur Folge, bei der die Meute nur mit Mühe wieder getrennt werden konnte. Die Panik war den Baslern ins Gesicht geschrieben, das musste auch Valentin Stocker indirekt zugeben. «Wir müssen den Kopf beieinander halten, auch wenn es schwierig ist, in solchen Situationen ruhig zu bleiben.»

Ruhig, aber schwer getroffen, stand Marco Streller vor die Mikrofone. Der FCB-Captain trauerte nach dem Spiel seinen vergebenen Grosschancen nach und überraschte mit einem Schuldgeständnis: «Diese Niederlage muss ich auf meine Kappe nehmen.» Ein ehrenvoller Akt, der seine Mitspieler aber nicht davor schützt, für ihren Auftritt während und nach dem Spiel Verantwortung zu übernehmen. Noch führt der amtierende Meister mit drei Punkten Vorsprung, die Reaktionen nach der zweiten Niederlage gegen GC zeigen aber klar: einen weiteren Fehltritt können sich die Basler nicht leisten.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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