«Das verfolgt dich ein ganzes Leben lang»

Der schlimme Vorfall vom Brügglifeld weckt bei Ex-Nationalspieler Roger Wehrli böse Erinnerungen. Er verletzte Marcel Koller schwer und sagt, was er als Täter durchgemacht hat.

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Thomas Niggl@tagesanzeiger

Roger Wehrli, im Juli 1991 hatten Sie als Spielertrainer des FC Aarau dem damaligen GC-Mittelfeldspieler Marcel Koller bei einem Zweikampf im Brügglifeld schlimme Verletzungen zugefügt. Wie gross ist Ihr Erinnerungsvermögen an diesen Zwischenfall noch?
Sehr gross. Das verfolgt dich ein ganzes Leben lang. Marcel Koller hatte einen offenen, doppelten Schien- und Wadenbeinbruch erlitten. Sein entsetzliches Schreien liegt mir noch heute in den Ohren. Er war Nationalspieler, hat danach aber nie mehr zu seiner alten Form zurückgefunden und die Karriere schliesslich beendet.

Sie verfolgen den Fussball auch heute immer noch. Haben Sie das schlimme Foul von Aaraus Sandro Wieser an FCZ-Mittelfeldspieler Gilles Yapi gesehen?
Ja, natürlich. Ich wurde von der Vergangenheit eingeholt. Grauenhaft, es hat in mir sofort die Erinnerungen an eben dieses üble Foul an Marcel Koller in Erinnerung gerufen.

Das Foul an Gilles Yapi. (Video: SRF)

Man hat ihnen damals eine vorsätzliche Absicht unterstellt. Wie sind Sie damals damit umgegangen?
Das war ganz schlimm und sehr schwer für mich, das zu verarbeiten. Der Boulevard lancierte über Monate eine regelrechte Hetzjagd. Ich kam mir wie ein Schwerverbrecher vor.

Ihnen wurde also zu Unrecht ein Vorsatz unterstellt?
Absolut. Stellen Sie sich einmal vor. Ich hatte zuvor ja während fünf Jahren erfolgreich mit Marcel Koller bei GC zusammengespielt. Wir kickten auch gemeinsam für die Nationalmannschaft. Ich wollte doch niemals einen ehemaligen Teamkollegen vorsätzlich verletzen und dessen Karriere beenden.

Können Sie sich vorstellen, wie es Sandro Wieser zurzeit gerade geht?
Ich kann mich regelrecht in ihn hineinfühlen. Für ihn muss es schrecklich sein. Er muss mit üblen Beschimpfungen und bösen E-Mails rechnen. Der Junge ist erst 21 Jahre alt. Er hat das bestimmt nicht extra gemacht. Er tut mir echt leid. Auch ihn wird dieser für ihn ganz bittere Tag ein Leben lang verfolgen.

Können Sie sich erklären, weshalb Sandro Wieser so aggressiv in diesen Zweikampf gegen Yapi gestiegen ist?
Er muss irgendwie gespürt haben, dass ihm Gefahr droht. Was er gemacht hat, war für ihn eine intuitive Schutzreaktion aus einer gewissen Angst heraus. Er hatte schon sehr viel Tempo aufgenommen und war in seinem Handeln schliesslich unkontrollierbar. Hätte er Yapi beispielsweise mit seinem Fuss an dessen Fuss getroffen, wäre überhaupt nichts passiert. Doch sein Fuss traf Yapi seitlich auf Kniehöhe, das hatte fatale Folgen.

Sandro Wieser hat in der «Aargauer Zeitung» erklärt, wie leid ihm dieser Vorfall tue. Wie war das damals bei Ihnen?
Ich hatte natürlich wie Wieser die grössten Schuldgefühle. Ich wollte mich bei Marcel Koller dann auch umgehend entschuldigen und ihn im Spital besuchen. Doch seine Familie legte ihr Veto ein. Sie wollten mich nicht sehen. Erst viel später haben Marcel Koller und ich uns ausgesprochen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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