Das Knie spielt nicht mehr mit

An der Eröffnung der Arena Thun spielt Yves Zahnd noch am Plauschmatch mit. Danach ist für den Ex-Verteidiger des FC Thun Schluss mit Fussball. Als 25-Jähriger muss er seine Karriere wegen eines Knorpelschadens beenden und sich neu orientieren.

Yves Zahnd 2011: Noch einmal posiert der 25-Jährige im Lachenstadion, in dem er mehrere Jahre lang für den FC Thun aufgelaufen ist.

Yves Zahnd 2011: Noch einmal posiert der 25-Jährige im Lachenstadion, in dem er mehrere Jahre lang für den FC Thun aufgelaufen ist. Bild: Patric Spahni

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Auf dem Lachenareal bereiten sich die Fussballer des FC Thun auf die neue Saison vor. Lautstark und gestenreich erteilt Trainer Bernard Challandes Anweisungen. Der ehemalige Thun-Spieler Yves Zahnd sitzt ganz in der Nähe in einem Café. Eben noch hat er seine früheren Teamkollegen vom Spielfeldrand aus gegrüsst. Mitzutrainieren ist für Zahnd aber kein Thema. Im Alter von gerade mal 25 Jahren muss der Innenverteidiger seine Profikarriere wegen eines Knorpelschadens im linken Knie und einer damit verbundenen Arthrose beenden. Am Samstag bestreitet er sein persönliches Abschiedsspiel. Mit einer Auswahl von Thuns Sportchef Andres Gerber tritt Zahnd bei der Eröffnung der Arena Thun gegen eine Equipe ehemaliger Schweizer Nationalspieler zu einem Plauschmatch an.

Seit einer MRI-Untersuchung vor drei Wochen in Luzern steht fest, dass Zahnds Knie der Belastung nicht mehr standhält. Im Moment komme nicht einmal der Einsatz in einem 2.-Liga-Team infrage, sagt Zahnd. «Wenn es gut läuft, erholt sich das Knie. Womöglich kann ich in zwei, drei Jahren wieder in einer der unteren Ligen spielen.» Gefasst wirkt er, als er das erzählt, beinahe gelassen. Er sagt, den grössten Schock habe er vor mehr als drei Jahren erlebt und verarbeitet.

Einsatz zahlt sich zunächst aus

Anfang 2008 war es, als Thuns Klubarzt Rolf Hess Zahnd mitteilte, das Knie, das bereits wegen eines Kreuzbandrisses und eines ersten Knorpelschadens operiert worden war, lasse wohl keine Profikarriere mehr zu. «Damals war ich am Boden zerstört», sagt Zahnd. Der Thuner hatte die Juniorenstufen beim FC Thun durchlaufen. Eineinhalb Saisons lief er danach für den FC Dürrenast in der interregionalen 2. Liga auf, bevor er zu Thun zurückkehrte. Die Oberländer hatten da begonnen, auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen. 22 Spiele bestritt Zahnd in der Saison 2006/2007, per Penalty erzielte er sein erstes Tor. Es sollte der einzige Treffer in der höchsten Spielklasse bleiben, denn in der Spielzeit darauf begannen die Probleme.

Zahnd erzählt: «Nach einem Spiel gegen YB im November 2007 spürte ich Schmerzen im Knie. Ich dachte, nach ein paar Wochen wäre alles wieder gut, stattdessen erfuhr ich von Hess, ich könne vielleicht nie mehr spielen.» Der Fussballer wollte es nicht wahrhaben, holte eine Zweit- und Drittmeinung ein und setzte alles daran, auf den Platz zurückzukehren. Auf eigene Kosten liess er sich in Nidwalden von einem Therapeuten behandeln. Mit Erfolg; im Herbst 2008 stand Zahnd wieder mit Thun im Einsatz.

Kein Spiel für Kriens

Gegen Timm Klose und Nicolas Schindelholz tat sich der Verteidiger im Kampf um einen Stammplatz zwar schwer, doch er trug seinen Teil zu Thuns Aufstieg in die Super League bei. Am Ende der Saison wurde Zahnds auslaufender Vertrag trotzdem nicht erneuert. Auch weil der Spieler zuvor eine vorzeitige Verlängerung abgelehnt hatte. «Ich hatte gedacht: Es läuft ja gut, und wenn ich ablösefrei wechseln kann, ergibt sich vielleicht eine interessante Möglichkeit.» Ein Irrtum, wie Zahnd heute eingesteht. Schliesslich kam er beim SC Kriens unter und zog vor einem Jahr gemeinsam mit seiner Freundin in den Kanton Luzern. Ein Meisterschaftsspiel bestritt Zahnd für die Krienser aber nie. Während der Vorbereitung im letzten Juli begann das Knie erneut zu schmerzen, Zahnd fiel die ganze Saison aus, seinen Lohn bezahlte die Versicherung. «Im Februar habe ich dann gemerkt, dass ich in der Therapie keine Fortschritte mehr mache und es wohl nichts mehr wird», sagt Zahnd. Das MRI in Luzern bestätigte später die Selbstdiagnose. Seither nimmt er seine Termine nicht mehr auf dem Fussballplatz wahr, sondern in Arztpraxen, Kliniken und Ämtern. Zahnd holt Bescheinigungen ein und hofft, dass die Invalidenversicherung einen Teil der Umschulungskosten übernimmt.

Zwar hat er vor einigen Jahren die KV-Lehre abgeschlossen, seine Zukunft sieht er aber nicht im Büro. «Ich möchte mich zum Wellnesstrainer ausbilden lassen und so dem Sport verbunden bleiben.» Gleichzeitig denken er und seine Freundin über die Rückkehr aus Luzern nach Thun nach, wo die Familie und die meisten ihrer Freunde leben. Verbittert wirkt Yves Zahnd nicht, wenn er über seine kurze Laufbahn als Fussballer nachdenkt. Stattdessen sagt er: «Nach meinem letzten Meisterschaftsspiel in Gossau stieg ich mit Thun in die Super League auf. Das ist doch ein schöner Abschluss.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.07.2011, 11:11 Uhr

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