Constantin in der Rolle des Geschlagenen

Die Young Boys brillieren in Sitten nicht, gewinnen im Stile eines Leaders aber 1:0 und bauen die Tabellenführung aus. Sions streit­barer Präsident Christian Con­stantin tut derweil so, als wäre nichts geschehen.

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Eine dunkle Sonnenbrille im Gesicht, nimmt Cristian Constantin kurz vor 16 Uhr auf seinem an­gestammten Sitz im Tourbillon Platz. Er unterhält sich mit einem Bekannten, dann wendet er den Blick aufs Spielfeld. Der Sion-Präsident tut so, als sei nichts gewesen. Dabei war er in den letzten Tagen das Gesprächsthema Nummer 1 in der Schweiz.

Am Donnerstagabend hatte Constantin den Teleclub-Experten Rolf Fringer nach dem Spiel in Lugano attackiert, ihn geschlagen und getreten. Die Liga hat ein Verfahren eingeleitet, auf eine superprovisorische Verfügung gegen den 60-Jährigen verzichtet sie aber. Der Sion-Präsident sitzt am Sonntag ganz legal auf die Tribüne. Die Frage ist, wie lange noch? Wobei: Würde sich Constantin überhaupt aus seinem eigenen Stadion aussperren lassen? Affaire à suivre.

Eine Null, die stolz macht

Christian Constantin ist die eine Geschichte. Die andere, die in den letzten Tagen in den Hintergrund rückte, ist der anhaltende Aufstieg der Young Boys. Mit dem 1:0-Sieg bei Sion haben die Gelb-Schwarzen in der Super League zum dritten Mal in Folge gewonnen, sie führen die Tabelle mit fünf Punkten Vorsprung auf St. Gallen an, Zürich und Basel liegen bereits sechs Zähler zurück.

Und am Sonntag im Wallis, wo es in der Regel nie einfach ist, spielen die Berner auch wie ein Tabellenführer. Nicht begeisternd, aber abgeklärt. Sie gehen kurz nach der Pause durch eine schöne Einzelaktion von Roger Assalé in Führung.

Erst lässt der Ivorer den früheren YB-Akteur Elsad Zverotic aussteigen, dann bezwingt er aus spitzem Winkel den einmal mehr glänzend aufgelegten Sion-Torhüter Anton Mitryushkin. Auf der Tribüne nimmt Constantin den Rückschlag fast regungslos hin.

Und er sieht, wie sich die Gäste nun vermehrt zurückziehen, wenig zugestehen. Marco Schneuwly vergibt nach 65 Minuten eine Grosschance. Und YB-Goalie David von Ballmoos wehrt in der Schlussphase einen Schuss von Pele Mboyo mit starkem Reflex ab, den Abpraller spedieren die Sion-Akteure Matheus Cunha und Birama Ndoye gemeinsam an die Latte.

Es sind die beiden einzigen guten Möglichkeiten für das Heimteam. Im 16. Match der Saison spielt YB zum neunten Mal zu null, in der Super League haben die Young Boys erst sieben Treffer erhalten, vier davon zu Hause gegen Thun. «Wie wir in der Defensive agieren, ist beachtlich», sagt Trainer Adi Hütter.

Beweis für die Breite im Kader

Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften, lautet eine Redewendung. Die Gelb-Schwarzen agieren derzeit sowohl hinten wie vorne überzeugend, nach genau einem Viertel der Saison haben sie am meisten Tore erzielt und am zweitwenigsten zugelassen. Es ist der Stoff, aus dem Meisterträume gemacht sind. «Wir müssen am Boden bleiben und weiter hart arbeiten. Wir sind noch lange nicht am Ziel», sagt Goalie David von Ballmoos darauf angesprochen. Hütter mahnt derweil zu Bescheidenheit.

Erstaunlich ist, dass YB gestern seine Tabellenführung ohne Guillaume Hoarau und Sékou Sanogo ausbaut. Stattdessen spielen im zentralen Mittelfeld die beiden 20-jährigen Michel Aebischer und Djibril Sow mit beachtlicher Unaufgeregtheit. Vorne mimt Roger Assalé nach torlosen ersten Saisonwochen den Goalgetter, Hoarau wird derzeit nicht vermisst. «Wir haben uns als Team weiterentwickelt», sagt Hütter. Früher seien Ausfälle wie jene von Hoarau und Sanogo ins Gewicht gefallen. «Dieses Manko haben wir ausgemerzt.»

Tramezzani mag nicht reden

Ein weiteres Beispiel für die Breite im Kader: Auf dem rechten Flügel gibt Hütter im Wallis Nicolas Ngamaleu den Vorzug, Miralem Sulejmani muss sich mit einem Teileinsatz begnügen. Bei seinem ersten Match von Beginn an in der Super League spielt der 23-jährige Kameruner ansprechend.

Vor der Pause vergibt er nach Doppelpass mit Jean-Pierre Nsame eine vorzügliche Gelegenheit, nach einer Stunde bietet sich ihm eine weitere Chance auf den zweiten Treffer in der Super League. Dass es sein Team verpasste, den Sack zuzumachen, ist einer der wenigen Mängel, die Adi Hütter erwähnt. Der Österreicher meint: «Wir befinden uns auf dem richtigen Weg.»

Der YB-Trainer steht in der Mixed Zone, während er Auskunft gibt. Der FC Sion hat die Medienkonferenz abgesagt, Trainer Paolo Tramezzani wollte offenbar nicht reden. Christian Constantin hat den Italiener, den er erst im Sommer aus Lugano geholt hatte, in der vergangenen Woche öffentlich angezählt.

Das gestrige Resultat erhöht Tramezzanis Jobsicherheit nicht eben. Gut möglich also, dass CC bald wieder für Schlagzeilen sorgt. Dazumal dann wieder in gewohnter Manier.

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(Berner Zeitung)

Erstellt: 25.09.2017, 08:41 Uhr

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