Casting unter besonderem Schutz

Am Sonntag im YB-Heimspiel gegen St.Gallen wird der junge Torhüter Yvon Mvogo im Fokus stehen.

  • loading indicator
Fabian Ruch

Die Kontaktsperre ist gewählt, um den jungen Mann zu schützen. 19 Jahre ist Yvon Mvogo, die Verletzung von Stammgoalie Marco Wölfli am Sonntag im Derby bei Thun (0:1) hat ihn von einer Minute auf die andere in den Fokus der Öffentlichkeit katapultiert. Wölfli fällt nach einem Achillessehnenriss am linken Fuss vermutlich bis Ende Saison aus, und wenn man die Aussagen der Verantwortlichen richtig interpretiert, besitzt dieser Yvon Mvogo allerbeste Chancen, in der Rückrunde im YB-Tor zu stehen. Aber: Er befindet sich gerade in einem Casting. «Wir konzentrieren uns nur auf das Spiel gegen St.Gallen», sagt Sportchef Fredy Bickel. «Danach haben wir genug Zeit, die Rückrunde zu planen.»

Die Lobeshymnen

Der Auftritt am Sonntag zu Hause gegen St.Gallen ist also ein bedeutendes Spiel für Mvogo. Überzeugt er, bleibt er wohl im Tor. Damit nicht zu viel auf ihn hereinbricht, wird der 19-Jährige in diesen Tagen von den Journalisten ferngehalten. Viele wollen etwas von ihm. Man darf nicht mit Mvogo reden, aber man darf ihn fotografieren. Zum Beispiel gestern, als die Young Boys am Morgen auf dem neuen Kunstrasen des Sportplatzes Spitalacker trainierten. «Mvogo ist ein fleissiger Torhüter», sagt Paolo Collaviti, der YB-Goalietrainer, «und er besitzt aussergewöhnliche Fähigkeiten.» Mit 19 Jahren ist Yvon Mvogo ja schon Stammgoalie der Schweizer U-21-Auswahl, auch im Verband schwärmen sie in den höchsten Tönen vom schweizerisch-kamerunischen Doppelbürger.

Und die Young Boys wissen um das Potenzial dieses «grossen Talents» (Trainer Uli Forte), aber gleichzeitig sind sie bestrebt, den Ball flach zu halten. «Mvogo ist noch sehr jung und ist lange noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt», sagt Collaviti. «Man darf aber sagen, dass er ein moderner Torhüter ist, mutig und offensiv, weil er mitspielt und gerne mal etwas weiter vorne steht.» Zudem sei Mvogo fussballerisch stark, links wie rechts, er fliege schön und spektakulär und sei ein guter Ballfänger. Collaviti rundet den Werbespot mit den Worten ab: «Mvogo hat alles, was es braucht, um irgendwann tatsächlich ein Topgoalie zu sein.»

Die Berner Goalieschule

Vorerst ist Yvon Mvogo erst mal der nächste Vertreter der bemerkenswerten Berner Goalieschule. Torwächter aber reifen bekanntlich und werden mit steigendem Alter erfahrener, besser, konstanter. Und so sagt Collaviti: «Man darf von Mvogo noch keine Wunderdinge erwarten.» Es mache sehr viel Spass, bei YB Goalietrainer zu sein, erklärt Collaviti. «Wir haben Wölfli, wir hatten Roman Bürki, es gibt Mvogo, und auch David von Ballmoos arbeitet ausgezeichnet.» Von Ballmoos ist noch ein halbes Jahr jünger als Mvogo, und weil die Young Boys auf dem Torhüterposten derart stark besetzt sind, verkauften sie Anfang Jahr ja auch Roman Bürki an GC. «Es ist toll, haben wir so viele talentierte Torhüter», sagt Collaviti, die frühere Nummer 1 bei den Young Boys. Aber er sagt auch: «Es gibt um YB immer viele Schlagzeilen, der Druck ist gross, es ist kein kleiner Klub. Man muss mental sehr stark sein, um hier die Nummer 1 zu sein.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt