Adieu, Henri Bienvenu

YB-Stürmer Henri Bienvenu wechselt für rund 4,5 Millionen Franken zum türkischen Spitzenverein Fenerbahçe Istanbul.

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Der Montag entwickelte sich zum Minikrimi für alle Beteiligten, am Ende des Tages aber war der Transfer vollzogen – und Henri Bienvenu kein YB-Stürmer mehr. Er unterschrieb bei Fenerbahçe Istanbul einen Vertrag über fünf Jahre. Weil der türkische Fussball eigenwillig ist wie seine Regeln, musste Bienvenu seine Unterschrift auf türkischem Boden leisten. Und zwar bis um Mitternacht, denn der Transfermarkt in der Türkei endete erst gestern und nicht (wie in Resteuropa) am 31.August. Den türkischen Klubs wurden nach dem gigantischen Manipulationsskandal im Sommer einige Tage mehr gewährt, um ihre Kader zu komplettieren.

Erster Kontakt am Sonntag

Henri Bienvenu aber weilt seit einigen Tagen in seiner Heimat Kamerun beim Nationalteam. Ein Flugzeug liess sich gestern trotz beträchtlichen Anstrengungen nicht mehr rechtzeitig beschaffen, um den Angreifer nach Istanbul zu transportieren. Also setzte der 23-Jährige seine Signatur unter den Kontrakt am Montagabend auf der türkischen Botschaft in der kamerunischen Hauptstadt Yaounde – das gilt ja auch als türkischer Boden

Erfindungsreichtum ist besonders auf dem türkischen Fussballmarkt, wo es zuweilen wie auf dem Basar zugeht, erforderlich. «Das war eine komplizierte Sache», sagt YB-CEO Ilja Kaenzig. «Die türkischen Spitzenvereine sind sehr nervös, sie stehen unter Druck.» Nachdem Fenerbahçe einige Absagen prominenter Stürmer wie Luca Toni, Amauri (beide Juventus) oder Asamoah Gyan (Sunderland) erhalten hatte, erinnerte man sich im Verein an Bienvenu. Er hatte im letzten Sommer ja das entscheidende Tor für YB in Istanbul geschossen, als die Berner in der Champions-League-Qualifikation gegen Fenerbahçe überraschend eine Runde weiterkamen. «Ich habe erst am Sonntagabend vom Interesse erfahren», sagt Kaenzig.

YB muss nun zwar den auf dem Papier besten Stürmer ziehen lassen, doch Bienvenu (letzte Saison 22 Tore in 49 Pflichtspielen) überzeugte in den ersten Einsätzen dieser Spielzeit überhaupt nicht. Intern hält man bei YB den jungen Sambier Emmanuel Mayuka für talentierter und besser. Und die Super League wird immer eine Ausbildungsliga bleiben, die stärksten Kräfte zieht es stets zu sportlich und finanziell attraktiveren Adressen. «Und wir müssen auch immer Einnahmen generieren», sagt Kaenzig.

Einnahme wichtig für YB

Offenbar (erstaunliche) rund 4,5 Millionen Franken erhalten die Young Boys jetzt sofort, hinzu kämen Bonuszahlungen, erreicht Fenerbahçe zum Beispiel die Champions League oder wechselt Bienvenu erneut. Damit hat YB den wirtschaftlichen Verlust durch das Verpassen der Europa League fast kompensiert. Die Vereinsinvestoren sind bekanntlich nicht gewillt, weiter ständig Millionen einzuschiessen, um den sehr teuren Betrieb zu finanzieren. Und auch für Bienvenu ist der Wechsel äusserst lukrativ, er hat seinen Lohn vervielfacht und dürfte netto jetzt rund 1 Million Franken jährlich verdienen.

Sportlich gesehen ist es ein bitteres Signal, verliert YB zur Unzeit einen als Leistungsträger vorgesehenen Akteur. Mit Mayuka sowie Nassim Ben Khalifa und Marco Schneuwly stehen noch drei Stürmer im Kader, aber auch zahlreiche offensive Mittelfeldspieler wie Alexander Farnerud, David Degen, Moreno Costanzo oder Raphael Nuzzolo, die je nach System auch als Angreifer eingesetzt werden können. «Hätten wir die Europa League erreicht, wäre ein Verkauf Bienvenus, der keine Klausel im Vertrag hatte, heikel gewesen», sagt Kaenzig. «Aber wir haben jetzt nur noch 11 Ligaspiele bis zur Winterpause. Dazu reicht unser Kader.» Und im Winter dürfte sich YB-Trainer Christian Gross einen grossen, kräftigen Angreifer wünschen.

Istanbul als Wohnort auf Facebook

Am Wochenende hatten verschiedene türkische Medien über den Wechsel von Bienvenu berichtet. Auf seinem mutmasslichen Facebook-Profil hat er bereits Istanbul als neuen Wohnort angegeben. Zudem hat Bienvenu das Clublogo von Fenerbahçe als Profilbild eingestellt.

Bienvenu trainiert derzeit mit der Nationalmannschaft in Kamerun. Eine Zeitlang hatte es so ausgesehen, als komme der Transfer nicht zustande. Bienvenu konnte nicht rechtzeitig aus Kamerun ausfliegen, um in Istanbul bis Mitternacht persönlich zu unterschreiben. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.09.2011, 06:13 Uhr

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