Biel bleibt in der Challenge League

Der FC Biel bleibt dank dem Zwangsabstieg von Servette in der Challenge League. Biels Stadtpräsident Erich Fehr spricht von «einem zweiten Leben», das dem FC Biel so ermöglicht werde.

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Was die «Tribune de Genève» bereits am Sonntag im Detail skizzierte, traf ein. Der Servette FC hat unter den aktuellen Umständen keine Zukunft mehr. Le Mont und Chiasso, zwei Kleinklubs an der Peripherie, reichten der Rekurskommission die nötigen Garantien nach, die Genfer hingegen erfüllten die wirtschaftlichen Mindestkriterien auch im zweiten Anlauf nicht.

Der sportlich gescheiterte FC Biel übernimmt den Platz des 17-fachen Meisters. Zur Anfechtung des Entscheids bleibt den Genfern nur noch der Gang vor den Sportgerichtshof CAS in Lausanne. Die Situation ist aber nahezu aussichtslos, gemäss Insidern fehlen am Lac Léman gegen vier Millionen Franken.

Gemäss den Recherchen der SFL droht Servette per Ende Juni eine «offensichtliche Überschuldung». Zudem habe der taumelnde Verein kein finanzierbares Budget für die kommende Spielzeit vorlegen können. Sollten die Westschweizer ihre gravierenden Finanzprobleme nicht in absehbarer Zeit beheben, droht ihnen gar die Zwangsrelegation in die fünftklassige 2. Liga interregional.

Vertragsverhandlungen können beginnen

«Wir sind natürlich glücklich über den Ligaerhalt, sollte er den tatsächlich durch alle Instanzen bestätigt werden», sagt Daniel Hinz, Geschäftsführer des FC Biel, auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet. Die Freude sei jedoch schon etwas «speziell», da man ja eigentlich abgestiegen wäre. Hinz stellt aber die Frage in den Raum, was denn jetzt schlimmer sei, wenn eine Mannschaft den Ligaerhalt sportlich oder finanziell nicht sichern könne? Er lässt die Frage offen.

Der Ligaerhalt für die Bieler dürfte auch für die Vertragsverhandlungen in den nächsten Tagen wichtig sein. 10 Verträge werden nämlich im Juli auslaufen, diese zu erneuern dürfte als Challenge-League-Equipe einfacher sein. Daniel Hinz hat bereits am Montagmittag, kurz nach dem Entscheid der SFL, von diversen Spielern freudige Rückmeldungen erhalten. Sie wollen sich offenbar weiterhin zum FC Biel bekennen. «Wir werden noch in dieser Woche die Vertragsverhandlungen mit diesen Spielern aufnehmen», so Hinz.

Der Geschäftsführer gibt sich trotz Ligaerhalt selbstkritisch. «Wir müssen nächste Saison auf allen Ebenen besser arbeiten, vom Verwaltungsrat bis zu den Spielern», sagt er. «Der FC Biel wird aber auch in Zukunft eines der kleinsten Budgets der Liga haben», fügt er an.

Kontinuität würde dem FC Biel gut tun. Denn in den letzten Monaten ist im Seeland einiges schief gelaufen: Neben zwei Trainerentlassungen kam es im Winter im Verwaltungsrat zum Eklat; drei Mitglieder demissionierten nach einem Disput, eines kehrte einige Monate später zurück. Und in der Mannschaft gab es in den letzten beiden Spielzeiten viele Wechsel.

«FC Biel erhält ein zweites Leben»

Der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr freut sich, dass der FC Biel nun doch als Challenge-League-Klub ins neue Stadion einziehen dürfte. Der Entscheid der Swiss Football League ermögliche dem Verein «ein zweites Leben», sagte Fehr am Montag der Nachrichtenagentur sda.

Fehr war am Samstag zum letzten Saisonspiel nach Schaffhausen gereist und hatte den Abstieg des Teams hautnah miterlebt. Die Relegation sorgte landesweit für Aufsehen, weil der FC Biel diesen Sommer ein modernes neues Stadion erhält. Die Tissot Arena mit 5200 Plätzen ist Bestandteil der «Stades de Bienne» für Eishockey, Curling und Fussball.

«Ein Abstieg wäre keine wirtschaftliche Katastrophe gewesen», betonte Fehr am Montag. Sportlicher Erfolg lasse sich eben nicht planen, es gebe stets ein Auf und Ab - ein Stadion mache in jedem Fall Sinn. Bei der Abstimmung über die «Stades de Bienne» im Jahr 2007 sei der FC Biel übrigens auch bloss ein Erstligist gewesen.

Dass der Verein nun dem Abstieg entgehe, sei aber eine positive Nachricht, betonte Fehr. «Ich hoffe, dass der FC Biel diese Chance sportlich und organisatorisch nutzen kann.» Die Stadt Biel könne dazu nichts beitragen.

Im neuen Stadion werde übrigens so oder so Spitzenfussball zu sehen sein, betonte Fehr. Denn bekanntlich werde ein Grossteil der Heimspiele der Schweizer Frauen-Nationalelf und der Männer-U21 künftig in Biel ausgetragen.

Realitätsferne Fussball-Politik in Genf

Das 125-jährige Jubiläum wird als schwarzes Jahr in die Annalen von Servette eingehen – überschattet von einem wirtschaftlichen Desaster. Der Entscheid der SFL ist die Quittung für die realitätsferne Fussball-Politik in Genf. Die Verantwortlichen leisteten sich ein 25-Mann-Kader und neben dem englischen Coach Kevin Cooper einen Stab mit klingenden Namen – die ehemaligen Schweizer Nationalspieler Mario Cantaluppi und Pascal Zuberbühler gehörten ebenso dazu wie der frühere Meister-Dribbler José Sinval. Der Tross verschlang zu viel Geld.

An der Spitze steht seit 2012 Hugh Quennec. Nach dem unschönen Ende der Regentschaft von Majid Pishyar bewahrte er den Verein vor dem Ruin, drei Jahre später verlor der nordamerikanische Retter aber selber die Übersicht im dichten Genfer Fussball-Dschungel – trotz eigenen Einschüssen von 15 Millionen Franken.

Die gleichnamige, aber erstklassige Hockey-Organisation managt der Québécois seit Jahren zusammen mit Chris McSorley überaus erfolgreich und relativ profitabel. Das Geschäft mit dem Ball beherrschte er indes weitaus weniger gut als die Vermarktung der Puck-Künstler. (mib/sda)

Erstellt: 01.06.2015, 12:02 Uhr

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