Basel patzt – YB fehlt noch ein Sieg zum Titel

Der abtretende Meister wird von einem entfesselten Sion überrascht. Die Berner hingegen können sich weiterhin auf Guillaume Hoarau verlassen.

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Der FC Sion reagiert gegen den FC Basel mit einer starken Leistung auf die Heimniederlage unter der Woche gegen Lugano. Am Ende ist das 2:2 für die Walliser im Tourbillon ein schlechter Lohn.

Wer diese 94 Minuten in Sitten gesehen hat, kann sich nicht erklären, weshalb der FC Sion in der Super League gegen den Abstieg spielt. Das Team von Maurizio Jacobacci dominierte den Tabellenzweiten Basel weitgehend und erspielte sich eine klare Mehrzahl an Torchancen. Diese wurden zwar im Verlauf der zweiten Halbzeit weniger, doch in der 94. Minute kam Sion dem Siegtreffer nochmals ganz nahe: Einen Nachschuss von Pajtim Kasami, dem Besten im Walliser Team, wehrte Basels Verteidiger Raoul Petretta auf der Linie ab.

Zwei Punkte verloren, Selbstvertrauen gewonnen

So wussten die Walliser nicht, ob sie am Ende zufrieden sein sollten mit dem Nachmittag. Sie hatten auf den frühen Rückstand reagiert und nach einer Doublette kurz vor und kurz nach der Pause durch die Tore von Carlitos (42./Penalty) und Cunha (47.) hochverdient 2:1 geführt, aber den Sieg eben nicht in trockene Tücher gebracht. Sie haben zwar zwei Punkte verloren, dafür an Selbstvertrauen gewonnen. Wer den FC Basel in diesem Ausmass beherrscht, wird am Saisonende wohl nicht am Tabellenende stehen.

Auch für den FC Basel lieferte das Spiel mehr oder weniger befriedigende Erkenntnisse. Den offensichtlich angestrebten Punktgewinn haben die Basler realisiert. Sie sind nun seit acht Spielen ungeschlagen. Und noch wichtiger: Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie das Tempo erhöhen kann, wenn es erforderlich ist. Es war beeindruckend, wie der FCB nach dem 1:2-Rückstand während fünf Minuten und bis zum Ausgleich Druck machte. Von 0 auf 100 quasi. Das galt auch für Stürmer Ricky van Wolfswinkel. Der Niederländer stand erstmals seit sechs Wochen wieder in der Startformation - und erzielte beide Tore für den FCB.

YB souverän gegen Lausanne

Trotz ein paar schwerer Abwehrfehler haben die Young Boys auf dem Weg zum Meistertitel einen weiteren wichtigen Sieg errungen. Sie bezwangen Lausanne dank einem Offensivspektakel in der ersten Halbzeit 4:1.

Allfällige Spekulation, dass die Young Boys kurz vor dem lange ersehnten Ziel, dem Meistertitel, im Match gegen einen Aussenseiter nervös werden könnten, beseitigten die Berner selber schon in den ersten Spielminuten. Sie erarbeiteten sich augenblicklich gute Chancen. Die beste davon verwertete Guillaume Hoarau nach zehn Minuten mit einem prächtigen Ablenker mit dem linken Aussenrist. Dieses Tor hätte in jeder Wahl zum Tor des Monats gekürt werden können, wäre nicht Christian Fassnachts 2:0 nach 18 Minuten noch schöner gewesen.

Hoarau in Topform

Der als Torschütze und besonders als Vorbereiter für YB ungemein wertvolle Miralem Sulejmani erlief an der Strafraumgrenze einen Steilpass. Er spielte den Ball mit dem Absatz Richtung Penaltypunkt zurück, und Fassnacht traf mit voller Wucht ins Lattenkreuz. Beim vorentscheidenden 3:0 nach 38 Minuten traf den Lausanner Keeper eine Mitschuld. Thomas Castella verliess nach einer angeschnittenen Freistossflanke Sulejmanis das Tor, aber seine Faust war später zur Stelle als Hoaraus Kopf.

YBs Erfolgsserie in diesem Frühling geht mit dem ebenso ungewöhnlichen Hoch des 34-jährigen Franzosen Hoarau einher. Zu Beginn der Saison hatte er Mühe, nach einer Verletzung vom letzten April den Tritt zu finden. Danach verletzte er sich erneut und musste acht Spiele pausieren. Trotzdem ist er mit nunmehr 13 Treffern bester Torschütze der Liga.

Anfällige YB-Abwehr

Die Waadtländer schienen im ersten Spiel unter Trainer Ilija Borenovic (zu) lange nicht an eine Chance zu glauben. Dennoch glückten ihnen schon in der ersten Halbzeit drei Angriffe, die die Defensive der Berner ins Schwimmen brachten. Diese Szenen wiederum werden YBs Trainer Adi Hütter nicht gefallen haben. Selbst in der zweiten Halbzeit schien die Abwehr der Berner sehr anfällig zu sein. Dies äusserte sich am klarsten bei Lausannes Ehrentor.

Goalgetter Simone Rapp hatte für seinen Kopfball auf Flanke von Nicolas Gétaz sehr viel Platz. Nur fünf Minuten später verhinderte der erneut sehr stark spielende Goalie Marco Wölfli gegen den allein anstürmenden Rapp das sicher scheinenden 2:3. Mit ihrer gefälligen Leistung ab der 30. Minute dürfen die Lausanner für den anstehenden Abstiegskampf Mut schöpfen. In der Nachspielzeit zeichnete sich Fassnacht wie zuvor Hoarau als Doppeltorschütze aus.

Telegramme:

Sion - Basel 2:2 (1:1) – 12'800 Zuschauer. – Tore: 11. Van Wolfswinkel (Campo) 1:0. 42. Carlitos (Foulpenalty/Foul Lang an Cunha) 1:1. 47. Cunha (Toma) 2:1. 52. Van Wolfswinkel (Zuffi) 2:2.

Sion: Fickentscher; Maceiras, Bamert, Neitzke, Lenjani; Toma (76. Adryan), Kouassi, Grgic (88. Mveng); Kasami, Cunha, Carlitos (46. Schneuwly).

Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Lacroix (65. Riveros), Petretta; Elyounoussi, Frei, Zuffi, Bua (65. Ajeti); Campo; Van Wolfswinkel (88. Oberlin).

Bemerkungen: Sion ohne Mitrjuschkin, Cümart, Zock, Kukeli, Ucan und Ndoye (alle verletzt), Basel ohne Stocker (gesperrt) sowie Serey Die (krank), Vailati, Balanta und Xhaka (alle verletzt). Verwarnungen: 18. Campo (Foul). 44. Kasami (Foul). 60. Lacroix (Unsportlichkeit). 63. Lang (Unsportlichkeit). 78. Frei (Foul).

Young Boys - Lausanne 4:1 (3:0) – 26'506 Zuschauer. – Tore: 10. Hoarau (Mbabu) 1:0. 18. Fassnacht (Sulejmani) 2:0. 38. Hoarau (Sulejmani) 3:0. 61. Rapp (Gétaz) 3:1. 91. Fassnacht (Mbabu) 4:1.

Young Boys: Wölfli; Mbabu, Nuhu, Von Bergen, Benito; Fassnacht, Sanogo, Bertone, Sulejmani (71. Schick); Hoarau (82. Nsame), Assalé (78. Aebischer).

Lausanne: Castella; Loosli, Monteiro, Rochat, Gétaz; Zarate (63. Zidane), Fransson, Cabral (80. Schmid), Geissmann; Margiotta (86. Zeqiri), Rapp.

Bemerkungen: Young Boys ohne Sow, Lotomba und Von Ballmoos (beide verletzt). Lausanne ohne Manière, Kololli, Pasche und Dominguez (alle verletzt). Verwarnungen: 20. Bertone (Foul), 27. Monteiro (Foul), 47. Fransson (Foul), 68. Cabral (Foul), 72. Nuhu (Foul).

mro/sda

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