Ballack spielt beleidigte Leberwurst

Der frühere Captain der deutschen Elf ist nach seinem Rauswurf aus dem Nationalteam so gekränkt, dass er auf das geplante Abschiedsspiel gegen Brasilien verzichtet.

Unschöner Abgang: Michael Ballack wird nicht mehr für die deutsche Nationalelf auflaufen.

Unschöner Abgang: Michael Ballack wird nicht mehr für die deutsche Nationalelf auflaufen.

(Bild: Keystone)

Sebastian Rieder@RiederSebastian

Bundestrainer Jogi Löw setzt auch in Zukunft weiterhin auf junge Spieler und streicht seinen langjährigen Leithammel Michael Ballack definitiv aus dem Kader. Trotzdem soll Ballack als Dankeschön für seine Verdienste am 10. August in Stuttgart im Test gegen Brasilien noch einmal die Captainbinde tragen dürfen. «Er soll einen würdigen Abschied feiern. Wir hoffen, er nimmt dieses Angebot an», sagt DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Ohrfeige von Podolski

Für Ballack ist das «brasilianische» Abschiedsgeschenk alles andere als ein würdiger Rahmen. Gemäss dem deutschen Sport-Informations-Dienst verzichtet der 34-jährige Leverkusener auf sein 99. Länderspiel. Die Gründe liegen auf der Hand: Wieso soll er ein Team anführen, das er schon länger nicht mehr anführt? Wieso soll er die Captainbinde tragen, die Bayern-Star Philipp Lahm nie freiwillig hergeben würde? Wieso soll er sich verabschieden, obwohl er sich gar nicht verabschieden will? Alles Fragezeichen, die Ballack darin bekräftigen, das Abschiedsgeschenk von sich zu weisen.

Würde Ballack gegen Brasilien auflaufen, wäre es aus seiner Sicht nur «gute Miene zum bösen Spiel». Es passt nicht zu Ballacks Wesen, ein solches Spiel mitzuspielen. Er ist ein Querschläger, schwimmt nicht mit dem Strom. Mitspieler hat er stets kritisiert, auch auf dem Feld. Dafür hat er vor zwei Jahren im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales mitten in der zweiten Halbzeit von Lukas Podolski eine Ohrfeige kassiert.

Ewiger Zoff mit Bierhoff

Schon seit Jahren ist Ballack mit Teammanager Oliver Bierhoff zerstritten. Die beiden waren selten gleicher Meinung und gerieten über all die Jahre immer wieder aneinander. Der Konflikt gipfelte nach dem verloren EM-Final 2008 gegen Spanien in einen verbalen Streit vor laufenden Kameras.

Das definitive Ausscheiden aus der Nationalmannschaft hat Ballack aber dem Verletzungspech zuzuschreiben. Kurz vor der WM 2010 in Südafrika wurde der ehemalige Chelsea-Regisseur im englischen Cupfinal gegen Portsmouth von Gegenspieler Kevin-Prince Boateng so stark verletzt, dass sein Innenband und Sprunggelenk im rechten Bein zerstört wurden. Ballack musste während der WM mit ansehen, wie Deutschland mit Captain Lahm frisch und frech nach vorne spielte und nach einem sensationellen 4:0 gegen Argentinien erst im Halbfinal am späteren Weltmeister Spanien (0:1) scheiterte. Seither ist Ballack für Löw kein Thema mehr.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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