Auf Reisen, getrieben vom Ehrgeiz

Heute Samstag (20 Uhr) trifft YB zum Ende der Vorrunde der Super League in Zürich auf GC. Leonardo Bertone hat sich bei den Gelb-Schwarzen mittlerweile etabliert.

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Dominic Wuillemin

Die Ungewissheit war da, als Leonardo Bertone im Sommer seine Reise antrat. Die Young Boys hatten sich soeben auf seiner Position mit Sékou Sanogo verstärkt. Und Milan Gajic und Moreno Costanzo waren ja auch noch da. Akteure, die über ein deutlich grösseres Renommee als der junge Berner verfügten. Wohin die Reise gehen würde, wusste Bertone deshalb nicht, aber er setzte sich das Ziel, möglichst viel zu spielen.

Vor dem zweitletzten Zwischenstopp der Vorrunde heute Samstag in Zürich, bei der finalen Super-League-Partie vor der Winterpause gegen GC (20 Uhr), zieht er ein Zwischenfazit, welches ihn zufrieden stellt. «Die Erwartungen haben sich erfüllt», befindet der 20-Jährige. Um dann aber nachzuschieben: «Aber ich will immer mehr.»

Guter Zweikämpfer

Mehr heisst im Falle Leonardo Bertones, erst einmal ein Fixpunkt im Spiel der Young Boys zu werden. Sanogo ist im defensiven Mittelfeld der Gelb-Schwarzen gesetzt, mit Gajic streitet er sich um den Platz neben dem Ivorer. Bertone pendelt zwischen Spielfeld und Ersatzbank hin und her. Mal vertraut Uli Forte mehr auf Gajic, den er für den spielstärkeren, technisch versierteren Akteur hält, dann setzt der Trainer wieder auf den U-21-Nationalspieler, den er für seine Aggressivität und sein Zweikampfverhalten schätzt. Bewertungen, die Bertone teilt. Selbstkritisch sagt er: «Ich muss den Ball noch mehr fordern, mehr Einfluss auf unser Spiel ausüben.»

Bertone hält sich für einen Realisten. Er kennt seine Stärken und Schwächen, er weiss, was er zu leisten vermag. Er ist aber selbstbewusst genug, seinen Platz einzufordern. Entscheidet sich der Trainer bei der Nomination der Startaufstellung gegen ihn, bereitet dies dem schussstarken Sechser zuweilen Mühe. «Dann müssen mich die Mitspieler ermahnen, die Ruhe zu bewahren und auf die nächste Chance zu warten.»

Schlechter Verlierer

Leonardo Bertone gehört zu der Sorte Mensch, die es hasst, zu verlieren. Sei es etwa im Badminton, an der Playstation (siehe Kasten) oder eben auf dem Fussballplatz. Zieht er den Kürzeren, kann ihn dies masslos ärgern. Zeitweise war er sich so schon selbst im Weg gestanden. Bei den Junioren nahm er deshalb das Angebot des Vereins an, die Hilfe eines Mentaltrainers in Anspruch zu nehmen. «Ich musste lernen, mich zu kontrollieren. Positiv zu bleiben, statt in eine negative Stimmung zu verfallen», sagt er. Noch immer, findet er, sei er fast zu eifrig. Er hält aber auch fest: «Ohne meinen Ehrgeiz wäre ich nicht dort, wo ich nun bin.»

Leonardo Bertone ist in der Super League angekommen. 10 Partien hat er in dieser Saison in der Meisterschaft bisher bestritten. Dazu kommen 6 weitere in der Europa League. Trotz dem Konkurrenzkampf mit Gajic, der gedrängte Terminplan der Young Boys ermöglichte es.

Doch auch wenn sich YB am Donnerstag zu Hause gegen Prag in der Europa League für die Runde der besten 32 Teams qualifizieren sollte, wird im Frühling die Belastung für die Young Boys abnehmen. Forte wird nicht mehr gezwungen sein zu rotieren. «Darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht», sagt Bertone. «Dann muss ich mich im Training noch stärker aufdrängen, noch mehr Gas geben.»

Auf seiner Reise ist Leonardo Bertone mittlerweile ein gutes Stück weiter, bei YB hat er sich etabliert. Die Ungewissheit ist aber geblieben: Spielt er – oder spielt er nicht?

Berner Zeitung

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