Auch der Stapi stand im Rampenlicht

Morgen Sonntag vor zehn Jahren siegte der FC Thun in der Champions League gegen Sparta Prag 1:0. Im Stadion war auch Hansueli von Allmen, der damalige Stadtpräsident. Er blickt zurück.

Sieg! Die Thuner Fussballer jubeln im Stade de Suisse nach dem 1:0-Erfolg in der Champions League gegen Sparta Prag am 27.September 2005.

Sieg! Die Thuner Fussballer jubeln im Stade de Suisse nach dem 1:0-Erfolg in der Champions League gegen Sparta Prag am 27.September 2005.

(Bild: Urs Baumann)

Die einfachste Zeit für ihn als Stadtpräsidenten? Nein, das waren die Champions-League-Monate nicht, sagt Hansueli von Allmen. Im Gegenteil: Am einfachsten sei es zu Beginn der 90er-Jahre gewesen, als die Stadt Thun in ihrer grössten Krise gesteckt habe, führt der ehemalige SP-Politiker aus: «Da gab es keine politischen Gegner – alle wollten, dass es wieder besser wird.»

Trotzdem stand vor genau zehn Jahren natürlich auch Thuns Stadtoberhaupt mit einem Mal im medialen Scheinwerferlicht. Aus allen möglichen Ecken der Schweiz kreuzten Journalisten auf. «Solche, die für nationale Medien schrieben, sassen plötzlich mit mir im Kronengärtchen.» Zürcher und Basler Reporter hätten erstaunt festgestellt: «Das ist ja schön hier!»

Von Allmen sagt schmunzelnd: «Die dachten wohl, mit dem ganzen Militär liege Thun in Schutt und Asche.» Stattdessen wurde das Bild einer sympathischen, schönen Stadt hinausgetragen – in die Schweiz, aber auch weit über die Grenzen hinaus. «Damals wurde Thun zu einer internationalen Stadt», resümiert von Allmen.

Unbezahlbare Werbung

Viele ausländische Berichterstatter hätten nicht einfach vom Phänomen des kleinen FC Thun im Konzert der grossen Klubs erzählen wollen – sie schauten auch im Rathaus vorbei, wollten wissen, was dieses Thun für eine Stadt ist, wie seine Geschichte aussieht, welche berühmten Persönlichkeiten von hier stammen oder zu Besuch waren. «Das ist unbezahlbare Werbung für Thun, die wir unserem FC verdanken», liess sich der Stadtpräsident damals zitieren.

Heute sagt er: «Früher waren wir eine Militärstadt. Besucher im Rathaus haben mir auf die Schultern geklopft und gesagt: Jaja, hier habe ich die RS gemacht, den WK. Mittlerweile ist das Militär zwar immer noch in Thun, die Stadt wird aber auch als profilierte Sportstadt zur Kenntnis genommen.» Hinzu komme die kulturelle Ausstrahlung, etwa mit den Thunerseespielen oder der Künstlerbörse. «Aus einem einbeinigen Melkstuhl ist ein dreibeiniger geworden.»

Fussball und Flut

Der damalige Stadtpräsident war bei allen Heimspielen im Stade de Suisse mit dabei – schon in der Qualifikation gegen Malmö, als Thun im Hochwasser versank. Obschon zu Hause auch sein eigener Keller unter Wasser stand und die Gedanken dauernd hin und her gingen zwischen Thun und Bern, Fussball und Flut. «Ich habe gezweifelt, wie es die Leute aufnehmen, wenn der Stapi während des Hochwassers in Bern den Match besucht», blickt Hansueli von Allmen zurück.

Negative Reaktionen habe es aber keine gegeben – wohl vor allem, weil er eben auch selbst vom Hochwasser betroffen gewesen sei. «Hätte ich in der Wart gewohnt, wäre es vielleicht anders gewesen», sagt der 69-Jährige, der dem FCT auch heute noch verbunden ist und bis vor einem Jahr Saisonkartenbesitzer war. Wegen gesundheitlicher Probleme besucht er nun nur noch vereinzelt Spiele, verfolgt die übrigen aber im Fernsehen.

Ungekannte Euphorie

Die Begeisterung, die er in der Champions-League-Zeit – etwa beim 1:0-Sieg gegen Sparta Prag im ersten Gruppenphasen-Heimspiel genau morgen vor zehn Jahren – erlebte, hat Hansueli von Allmen in lebhafter Erinnerung: «Es herrschte eine Euphorie, wie es sie am Fulehung und an der Fasnacht nicht gibt, eine Begeisterung, wie ich sie von uns eher zurückhaltenden Leuten nicht kannte.»

Die europäischen Stationen des FC Thun 2005 sehen Sie hier:

Thuner Tagblatt

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