Als Fussballer und als Mensch reifen

Thorsten Schick übt sich in Bescheidenheit. Der Zuzug von Sturm Graz stellt keine Ansprüche, sondern will bei YB mit Leistung glänzen. Er soll den etablierten Spielern auf den Flügeln Druck machen.

Adrian Lüpold

Längst entscheiden im modernen Fussball nicht nur die spielerischen Qualitäten darüber, ob ein Akteur transferiert wird. Denkweise, Erscheinungsbild, Einstellung, persönliche Stärken und Schwächen des Fussballers fliessen bei immer mehr Vereinen ebenso in die Beurteilung ein wie die technischen und athletischen Fähigkeiten. Kurz: Ein neuer Spieler muss auch charakterlich in die Umgebung und zum Klub passen – so bewerten es auch die Verantwortlichen des BSC Young Boys. Insofern macht die Verpflichtung des Österreichers Thorsten Schick Sinn.

Anlässlich des gestrigen Medienlunchs entpuppte sich der 26-jährige gebürtige Grazer als ehrgeiziger, aber gleichzeitig bescheidener und eloquenter Gesprächspartner, der sich auch Gedanken über das grüne Rasengeviert hinaus macht. «Als Neuer muss ich mich zuerst hinten anstellen», lautet eine der ersten Aussagen Schicks. Ein Votum, das viel über den offensiven Flügelspieler aussagt.

Zurückhaltend, ohne Allüren und geerdet wirkt der Österreicher, den die YB-Macher in diesem Sommer von Sturm Graz nach Bern lotsten, um auf den Aussenbahnen über mehr Alternativen zu verfügen. «Ich will mich bei YB nicht nur fussballerisch verbessern, sondern möchte auch als Mensch reifen», sagt Schick.

Schon unter Hütter gespielt

Den Einstieg in Bern ­ – «eine wunderschöne Stadt mit einem tollen Fluss» – hätten ihm seine Teamkameraden einfach gemacht, erklärt Schick. «In Bern ist alles eine Nummer grösser als in Graz.

Auch fussballerisch: Schon im ersten Training merkte ich, wie wahnsinnig hoch das Niveau in der Mannschaft ist.» YB-Coach Adi Hütter und Schick kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim österreichischen Zweitligisten SCR Altach. «Schick ist ein guter Typ, der bestens in unser Team passt», sagt Hütter. Sein Landsmann verfüge über eine irrsinnige Dynamik und sei schnell, ergänzt Hütter, der hofft, «dass Schick die Herausforderung in Bern packt».

Stärken im Umschaltspiel

Vorerst ist der dreifache österreichische U-20-Nationalspieler bei YB als Alternative auf den offensiven Aussenbahnen für die Stammkräfte Miralem Sulejmani und Yoric Ravet vorgesehen. In seiner Jugend als defensiver Couloirspieler ausgebildet, machte ihm Hütter einst in Altach die offensivere Variante schmackhaft. «Meine Stärken liegen im Umschaltspiel, zudem bin ich ein Teamplayer, der zu 100 Prozent an den Erfolg der Mannschaft denkt», sagt Schick.

In 117 Einsätzen in der österreichischen Bundesliga brachte er es bei eher mediokren Teams (Admira Wacker Mödling und Sturm Graz) auf 43 Skorerpunkte – ein Indiz für seine Fähigkeiten in der offensiven Zone und nebst seiner Dynamik der Hauptgrund, weshalb YB ihn verpflichtete.

Schick hat die Stadt Bern ins Herz geschlossen. Mit den Kollegen versteht er sich, die Herausforderung bei YB ist exakt das, was er gesucht hat. Alles bestens also? Nicht ganz: «Erst wenn meine Lebensgefährtin zu mir zieht, wird alles perfekt sein.» Schick, der Familienmensch – auch das passt irgendwie zu YB.

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