Alain Rochat, der ewige Musterprofi

Alain Rochat war bereits 2002 bei YB. Der Romand wurde in seiner langen Karriere Meister mit dem FCZ, absolvierte ein Länderspiel und spielte in Kanada. Seit bald drei Jahren ist der Routinier wieder bei den Young Boys.

2016: Alain Rochat am letzten Sonntag gegen Sion. 2002 bestritt er sein erstes YB-Spiel gegen Sion.

2016: Alain Rochat am letzten Sonntag gegen Sion. 2002 bestritt er sein erstes YB-Spiel gegen Sion.

(Bild: Andreas Blatter)

Fabian Ruch

Alain Rochat strahlt, als er die YB-Aufstellung aus dem Jahr 2002 sieht. Es sind Namen aus einer längst vergangenen Zeit, Erich Hänzi beispielsweise oder Martin Fryand, Joël Descloux, Avi Tikva, später Stéphane Chapuisat und Leandro. Im ersten Einsatz Rochats für YB im Februar vor 14 Jahren im Neufeld spielte beim Gegner Sion noch Marc Hottiger mit, die Young Boys siegten 4:0, das damalige Jahrhunderttalent Johan Vonlanthen traf als 16-Jähriger kurz nach seiner Einwechslung beim Debüt.

Und während Vonlanthen steil stieg und tief fiel, entwickelte sich Rochat zu einem sehr soliden, sehr beständigen, sehr zuverlässigen Akteur. Damals, 2002, galt er mit 19 Jahren ebenfalls als grosser Hoffnungsträger, er war später Captain der U-21-Nationalmannschaft, vermochte die hohen Erwartungen aber nicht ganz zu erfüllen. «Ich bin eigentlich sehr zufrieden, wie meine Karriere verlief», sagt Rochat, «ich erreichte mehr, als ich mir als Junge erträumt hatte.»

Die erfolgreiche Zeit

In den unbeschwerten Neufeldjahren der Young Boys war Rochat eine treibende Kraft, er war dabei, als YB glücklich machte. Heute sagt er: «YB war kurz zuvor aufgestiegen, aber man merkte bereits, dass hier ein Spitzenteam am Entstehen ist, schliesslich wurde in dieser Zeit das Stade de Suisse gebaut.» Es sei eine Vorfreude im Anhang zu spüren gewesen und eine riesige Erwartungshaltung, sagt Rochat. Dann meint er schmunzelnd: «Der Klub wartete damals ja schon 15 Jahre auf einen Titel.» Mittlerweile sind es bald 30 Jahre, Rochat ist nach langen Wanderjahren seit 2013 wieder bei den Young Boys engagiert und erklärt fast ein wenig pathetisch: «YB hat mir viel gegeben und viel ermöglicht. Ich wurde später Schweizer Meister. Nun bin ich hier und möchte etwas zurückgeben.»

Alain Rochat ist eigentlich kein Mann grosser Worte. Dabei hat er viel zu erzählen. Etwa vom Wechsel 2005 zu Rennes, wo es ihm nicht besonders gut lief. Oder von der Rückkehr in die Super League ein Jahr später zum FC Zürich, wo er zweimal Meister wurde und auch mit Lucien Favre arbeiten durfte. «Er ist ein aussergewöhnlicher Trainer», sagt Rochat, «bei ihm habe ich einiges gelernt.»

Das einzige Länderspiel

Alain Rochat reifte bald zu einem erfahrenen, ballsicheren Defensivspieler, der mal links spielte, mal im zentralen Mittelfeld, immer öfter auch in der Innenverteidigung – den Weg zurück ins Nationalteam aber nicht mehr fand. Im Juni 2005, quasi zum Abschied als YB-Spieler, hatte er auf den Färöern (3:1) sein einziges Länderspiel bestritten. Als Innenverteidiger. «Leider wurde ich später nicht mehr berücksichtigt», sagt er, «obwohl ich als FCZ-Spieler alles versuchte.»

Und so erfüllte sich der zurückhaltende Romand 2010 einen ­anderen Traum – und wechselte nach Kanada, wo er geboren worden war und die ersten zwei Lebensjahre verbracht hatte. «Die Zeit in Vancouver war traumhaft», sagt er, «zumal dort unsere ersten zwei Kinder auf die Welt kamen.» 2013 lockte dann ein ­alter Bekannter aus der Heimat. Fredy Bickel, den Rochat bereits zu Neufeldzeiten bei YB und später beim FCZ als Sportchef erlebt hatte, holte den Allrounder zurück nach Bern.

Die starke Konkurrenz

Mittlerweile ist Rochat bei YB ein Ergänzungsspieler, der nie murrt und stets klaglos auf der Bank Platz nimmt. Die teuren Leistungsträger sind andere, der 33-Jährige fällt selten auf. Vor einem Jahr rümpfte der eine und andere die Nase, als sein Vertrag überraschend um eine weitere Saison verlängert wurde. Einer der Buddys von Bickel sei er halt, hiess es. Doch Rochat hat sich mit Fleiss und Beharrlichkeit wieder einen respektablen Stellenwert erarbeitet. Im Verein ohnehin. Fredy Bickel sagt: «Auf ihn ist immer Verlass.» Trainer Adi Hütter lobt: «Rochat ist pflichtbewusst und unser fussballerisch bester Innenverteidiger.» Und Captain Steve von Bergen erklärt: «Wir kennen uns schon seit 15 Jahren. Er ist einer, der immer zuerst ans Team denkt und sich nicht zu wichtig nimmt.»

Obwohl die Konkurrenz mit Milan Vilotic prominent und kostspielig ist, hat sich Alain Rochat nach der Verletzung Gregory Wüthrichs zuletzt den Platz an der Seite von Bergens in der Innenverteidigung erobert, gegen Luzern erzielte er beim 5:2-Sieg vor bald zwei Wochen sogar mal wieder ein Tor. «In den letzten zwei Partien war ich Stammspieler», sagt der Musterprofi lachend. «Und es zeigt die grosse Qualität von YB, ist die Konkurrenz überall derart stark.»

Der letzte Vertrag

Am Ende dieser Saison läuft bei den Young Boys einzig der Kontrakt Rochats aus. Er dürfte erneut verlängert werden. «Um Alain Rochat muss man sich keine Sorgen machen», sagt Sportchef Bickel. Und der Spieler selber meint, er sei bei YB noch nicht fertig, er wolle unbedingt einen Titel gewinnen in Bern – und erstmals Cupsieger werden. Ob der gelernte Mechaniker und vierfache Vater später als Coach arbeiten wird, weiss er noch nicht, das C-Trainerdiplom hat er zumindest schon einmal absolviert. «Noch bin ich Spieler», sagt er. Und dann: «Ich spüre, dass wir mit YB auf einem Weg sind dazu, einen Erfolg feiern zu können.»

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