Ab ans Derby!

Der FC Thun hat den Abstieg längst abgewendet, und die Young Boys bestreiten nächste Saison die Champions-League-Qua­lifikation – da kann man sich das Derby morgen um 16 Uhr in der Stockhorn-Arena getrost schenken. Oder doch nicht?

Hoch hinaus: Szene aus dem letzten Derby in der Stockhorn-Arena zwischen dem FC Thun (links Marco Bürki) und YB (rechts Michael Frey) im Dezember 2016.

Hoch hinaus: Szene aus dem letzten Derby in der Stockhorn-Arena zwischen dem FC Thun (links Marco Bürki) und YB (rechts Michael Frey) im Dezember 2016.

(Bild: Andreas Blatter)

1.

Derbys versprechen Spektakel: Wenn Thun und YB aufeinandertreffen, dann fallen fast immer Tore. Die Berner Derbys gingen in jüngerer Vergangenheit meistens mit dem besseren Ende für die Stadtberner aus. Der letzte Sieg für den FCT datiert vom 12. März 2012 (1:0). Seither gewann YB fünfmal, einmal spielten die Teams unentschieden.

2.

Noch ist der Europacup nicht abgeschrieben: Vor nicht allzu langer Zeit hätte wohl nicht einmal der optimistischste Fan darauf gewettet – aber der FC Thun kann sich tatsächlich noch für das internationale Geschäft qualifizieren. Klar, der FC Luzern hat zwei Runden vor Schluss fünf Punkte Vorsprung und damit die deutlich besseren Chancen für die Europa-League-Quali. Aber unmöglich ist im Fussball bekanntlich nichts. Also muss für die Thuner ein Sieg gegen YB her. Und die entsprechende Unterstützung von der Tribüne.

3.

Es läuft was in der und um die Stockhorn-Arena: Das letzte Heimspiel der Saison wird so oder so zum Ereignis. Alphornbläser zeigen ihr Können im und rund ums Stadion. In der Pause treten Artisten des Circus Nock auf. Auf der Es­planade wird ein Biergarten aufgestellt. Es gibt einen Saisonschlussverkauf, bei dem Spieler der ersten Mannschaft Fanartikel an die Frau und den Mann bringen.

4.

Der Abschied von Mauro Lustrinelli: Es war ein Tor für die (Thuner) Ewigkeit, damals an jenem 23. August 2005 in der Cham­pions-League-Qualifikation im Stade de Suisse. Mauro Lustrinelli zog aus grosser Distanz ab, schlenzte den Ball unhaltbar ins Malmö-Tor. Allerspätestens seit jenem unvergesslichen 3:0-Sieg hat Lustrinelli seinen fixen Platz im Herzen eines jeden Thuner Fussballfans.

Nun verabschiedet sich der Interimschefcoach vom FCT-Heimpublikum: In der neuen Saison amtet er als Trainer der U-16-Nati. Das Derby ist also die (vorläufig) letzte Gelegenheit, einem Thuner Fussballhelden die Ehre zu erweisen. Dieser ist übrigens vor seinem letzten FC-Thun-Heimspiel voller Tatendrang und sagt: «Ein Derby ist wie ein Final. Derbys werden nicht gespielt, sie werden gewonnen!»

5.

Der Abschied von Jeff Saibene: Er geniesst vielleicht nicht den Kult­status eines Lustrinelli – aber auch Saibene hat im Oberland ­gute Arbeit geleistet, bevor er im März nach Bielefeld wechselte und den deutschen Club vor dem Abstieg aus der 2. Bundesliga bewahrte. Am Sonntag ist er nochmals in der Stockhorn-Arena zu Gast und wird laut FC-Thun-Kommunikationschef Nik Thomi «gebührend verabschiedet».

6.

Der Abschied von Überraschungsspielern – bevor die nächsten kommen: Dem Thuner Sportchef Andres Gerber haftet der Ruf eines Trüffelschweins an. Immer wieder zauberte er in der Vergangenheit un­bekannte Spieler aus dem Hut, die in Thun einschlugen: Wer kannte vor Jahresfrist beispielsweise Christian Fassnacht oder Dejan Sorgic? Heute gehören sie zu viel umworbenen Spielern und bestreiten vielleicht ihr letztes Derby für den FCT. Die Gretchenfrage ist, wer von den Neu­erwerbungen Spielmann, Alessandrini, Da Silva oder Kablan in ihre Fussstapfen treten kann.

7.

Den Zuschauer-Minus­rekord in der Stockhorn-Arena verhindern: In der Saison 2012/2013 besuchten im Durchschnitt 5328 Fussballfans die Spiele des FC Thun – es war der bisher tiefste Schnitt seit dem Bezug des neuen Stadions im Sommer 2011. Der Rekord stammt aus der Spielzeit 2014/2015 mit 6324 Zuschauern pro Spiel. Vor dem sonntäglichen Derby steuert der FCT mit einem Wert von 5287 auf einen neuen Minusrekord hin.

Im letzten Heimspiel ist eine Zuschauerzahl von mindestens 6051 nötig dafür, den bisherigen Tiefstwert wenigstens um einen Besucher pro Spiel zu steigern. Wär ja gelacht, wenn das gegen YB nicht klappen würde. So ganz nebenbei könnte der FC Thun auch den sechsten Rang in der Zuschauerrangliste der Super League halten: Derzeit liegen GC, Lausanne, Vaduz und Lugano in der Statistik hinter den Kyburgstädtern.

8.

Das Sommerfeeling: Am Sonntag ist Sommer angesagt – bis gegen 30 Grad versprechen die Wetterfrösche. Das sollte doch schon mal ein Stück brasilianisches Sommerfeeling ins Stadion zaubern. Und überhaupt: Wer will schon in den «Strämu», wenn man sich auch in der Arena einen gepflegten Sonnenbrand holen kann?

9.

Der künftige Weltstar letztmals im Oberland zu Gast: Es ist wohl für lange Zeit die letzte Möglichkeit, den künftigen Torhüterstar Ivon Mvogo auf einem oberländischen Fussballplatz zu erleben. Der Goalie wechselt in die Bundesliga zu RB Leipzig. Übrigens: Mvogos Aufstieg begann im Dezember 2013 im Spiel gegen Thun. Damals riss sich der etatmässige Goalie Nummer 1, Marco Wölfli, die Achillessehne. Damit wurde der Weg frei für Mvogo im Tor von YB.

10.

Die letzte FC-Thun-Wurst der Saison: Sollte sich Punkt 1 für einmal nicht bewahrheiten und das Spektakel auf dem Rasen ausbleiben, kann das ein Stück weit und absolut ausnahmsweise auch mal – Zitat Gilbert Gress – «wurstegal» sein. Es ist immerhin die letzte Gelegenheit, im Stadion nochmals herzhaft in eine FC-Thun-Wurst zu beissen, bevor die zwar hoffentlich nicht brot-, aber sicher FC-Thun-Wurst-lose Fussball-Sommerpause anbricht. E Guete!

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