80 Namen für einen Trainer

Adi Hütter heisst der neue YB-Trainer. Der Österreicher erhält einen Vertrag bis zum Sommer 2017. Nachdem er sich mit vielen Kandidaten befasst hat, sagt Sportchef Fredy Bickel: «Ich bin glücklich mit dieser Lösung.»

  • loading indicator
Dominic Wuillemin

80 Namen umfasste eine erste Liste, die Fredy Bickel und die Sportkommission nach der Entlassung von Uli Forte erstellt hatten. Darauf standen Kandidaten, die sich selbst angeboten hatten, und solche, die den YB-Verantwortlichen als prüfenswert erschienen waren. Seither ist ein Monat vergangen, Gespräch um Gespräch wurde geführt, Name für Name gestrichen, Tag für Tag spekuliert.

Bis am Donnerstagmorgen, da gaben die Berner ihren neuen Trainer bekannt. In der Mitteilung stand der Name von Adi Hütter, der Österreicher soll die Young Boys aus ihrer tiefen Krise führen. Er hat einen Vertrag bis zum Sommer 2017 erhalten. Der 45-jährige frühere Mittelfeldspieler wird am Montagmittag in Bern vorgestellt, danach leitet er sein erstes Training. Der Coachingstaff bleibt vorerst unverändert, Hütter sind allerdings Änderungen vorbehalten.

Angeschlagener Sportchef

Vier Stunden nach der Bekanntgabe sitzt Fredy Bickel in der Sky Lounge des Stade de Suisse. Der Sportchef wirkt angeschlagen, nach der umstrittenen Freistellung Fortes ist der Druck auf ihn arg gestiegen. Der 50-Jährige hat lange Tage und kurze Nächte hinter sich.

Vor ihm auf dem Tisch liegt ein A4-Papier voller Notizen, mit deren Hilfe er zur Beginn der Medienkonferenz ein längeres Statement abgibt. Eines scheint ihm besonders wichtig zu sein, Bickel erläutert den Prozess der Trainersuche sehr detailliert.

Der Zürcher erzählt, er habe Interimscoach Harald Gämperle und dessen Assistenten Erich Hänzi von Anfang an gesagt, dass sie nur eine vorübergehende Lösung darstellen würden. «Die Beförderung von Gämperle war kein Thema. Aber», fügt der Sportchef an, «es hätte eines werden können – wenn der vergangene Monat erfolgreich verlaufen wäre.»

So weit ist es bekanntlich nicht gekommen, in der Meisterschaft ist der Abstand auf Leader Basel deutlich grösser geworden, und mit dem Verpassen der Gruppenphase der Europa League haben die Young Boys ein erstes Saisonziel bereits verfehlt.

Die Entlassung Fortes erzielte keine Wirkung. In Anbetracht der enttäuschenden Resultate habe die Trainersuche vielleicht zu lange gedauert, sagt Bickel. Er meint aber auch: «Ohne dieses Vorwissen würde ich uns noch einmal den gleichen Zeitplan auferlegen.»

Der Stage beim FC Basel

Fredy Bickel wirkt bei seinen Erläuterungen stets souverän, kritische Fragen vermögen ihn nicht aus der Reserve zu locken. Fortes Entlassung war nicht seine erste, erstmals stellt er aber nun einen Ausländer als Trainer an. Dabei hatte der Sportchef noch Anfang August verkündet, der neue Coach müsse den hiesigen Fussball gut kennen.

Er sei deshalb nicht mit grösster Zuversicht in das Gespräch mit Hütter gegangen, offenbart Bickel. Aber: «Er konnte mich überzeugen. Er weiss viel mehr, als man annimmt.»

Adi Hütter ist in Vorarlberg nahe der Schweizer Grenze aufgewachsen. Zudem absolvierte er vor noch nicht allzu langer Zeit einen Stage beim FC Basel. Als der Meister im Sommer einen neuen Trainer suchte, zählte Hütter auch zu den Kandidaten.

In den Tagen zuvor war er nach dem Meistertitel und dem Pokalsieg in Salzburg von sich aus zurückgetreten. Er störte sich an den vielen Spielerwechseln bei Red Bull. Er sagte, er sei kein Ausbildungstrainer.

Worte, die YB und Hütter am Donnerstag einholten. Schliesslich ist die Super League eine Ausbildungsliga, die besten Spieler ziehen früher oder später weiter. «Natürlich habe ich ihn auf diese Aussage auch angesprochen», meint Bickel. «Seine Antwort freute mich enorm.» Ins Detail wollte er nicht gehen, Hütter werde bei seiner Vorstellung am Montag seine Ideen darlegen. Die Klubphilosophie, auf junge Spieler zu setzen, werde nicht geändert, sagt der Sportchef weiter. «Das Gesamtpaket stimmt. Ich bin glücklich mit dieser Lösung.»

Adi Hütter hat sich Anfang August nicht selbst ins Spiel gebracht, er war einer der Coachs, welche die YB-Verantwortlichen von sich aus auf die Liste setzten. Die Zukunft wird weisen, wofür der Name in Bern steht.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt