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5:3, 5:1, 5:0 – Dortmunds Junge sind in aller Munde

Das 5:0 gegen Union Berlin ist das jüngste Beispiel des «Teams der Stunde».

Ulrich Hartmann, Dortmund
Der Dortmunder Neuzugang Erling Haaland durfte in seinen ersten drei Spielen bereits sieben Treffer bejubeln. Damit stellte der erst 19-Jährige einen Bundesliga-Rekord auf.
Der Dortmunder Neuzugang Erling Haaland durfte in seinen ersten drei Spielen bereits sieben Treffer bejubeln. Damit stellte der erst 19-Jährige einen Bundesliga-Rekord auf.
Guido Kirchner, Keystone
Mit Youssoufa Moukoko hat Dortmund in seiner A-Jugend ein weiteres vielversprechendes Stürmertalent. Der erst 15-Jährige schoss in bisher 15 Spielen bereits 24 Tore.
Mit Youssoufa Moukoko hat Dortmund in seiner A-Jugend ein weiteres vielversprechendes Stürmertalent. Der erst 15-Jährige schoss in bisher 15 Spielen bereits 24 Tore.
Keystone
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«Die young», stand auf der Mütze von Goalie Roman Bürki, als er nach dem 5:0-Sieg gegen Union Berlin mit dem Zürcher Trainer Urs Fischer die Kabine verliess. Stirb jung – schon ziemlich skurril, so ein Label zu tragen. Noch dazu in Zeiten, in denen sich bei Borussia Dortmund gerade zwei 19-Jährige gewissermassen unsterblich machen. Erling Haaland hat in seinen ersten drei Spielen siebenmal ­getroffen, das ist Bundesliga-­Rekord. Und Jadon Sancho hat insgesamt schon 25 Bundesliga-Tore geschossen – das ist zuvor in 56 Saisons nie einem Spieler vor seinem 20. Geburtstag gelungen. Derjenige, der Sancho diesen Rekord noch streitig machen könnte, wäre vermutlich Haaland, witzelte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Sancho wird im März 20 Jahre alt, Haaland erst im Juli.

Die Gegner werden stärker

«Wir können nicht in jedem Spiel fünf Tore schiessen», hatte Trainer Lucien Favre nach dem 5:3-Sieg im ersten Rückrundenspiel in Augsburg gewarnt. Er wollte damit das Bewusstsein stärken, dass man nicht so viele Gegentore bekommen dürfe. Gegen Köln haben die Dortmunder anschliessend nur noch ein Gegentor zugelassen und gegen Union gar keines mehr. Fünf Tore geschossen haben sie trotzdem beide Male. «Wir bekommen jetzt aber stärkere Gegner und werden dann nicht mehr jedes Mal fünf Tore schiessen», hat nun der ­Angreifer Julian Brandt behauptet. Tatsächlich rechnet eher niemand damit, dass die Dortmunder kommenden Samstag bei Bayer Leverkusen fünf Tore realisieren. Dass ­ihnen das am Dienstag im DFB-­Pokal-Achtelfinal bei Werder Bremen gelingt, ist vielleicht gar nicht so abwegig.

Viele Tore – wenige Worte

Mit drei Siegen und 15 Treffern ist Dortmund Leader der Rückrundentabelle. Drei dieser 15 Treffer hat Sancho erzielt, sieben Haaland. Nach dem Spiel gegen Union stand der Norweger den Medien Red und Antwort. Auffällig ist stets, dass er kurze Antworten gibt, sehr kurze. Er redet dann so, wie er im Spiel mit seinen Chancen umgeht: ein, zwei Ballkontakte nur, dann liegt der Ball meist schon im Tor. Wie es ist, vor der riesigen Südtribüne zu treffen? «Absolut fantastisch.» Warum es ihm so leicht fällt, Tore zu schiessen? «Das kommt durch harte Arbeit und gute Mitspieler.» Ob er mit Brandt ein neues Traumduo bildet? «Er ist fantastisch.» Wie er den Rummel um seine Person wahrnimmt? «Ich versuche einfach nur, mein Leben zu geniessen.» Wie viel es ihm bedeutet, dass seine Eltern jedes Spiel im Stadion ansehen? «Ich hoffe, sie geniessen es.» Ob er Abende nach solchen Spielen irgendwie feiert? «Ich gehe früh ins Bett.» Dann war die Fragerunde auch schon wieder zu ende. «Er ist eher ein stiller Typ», erklärte zwei Meter weiter Goalie Bürki einem norwegischen Journalisten.

Can kann am Dienstag spielen

Nun hatten die Dortmunder, auch im Lichte ihrer Mentalitätsdebatten aus der Hinrunde, ja ­explizit sogenannte Charakterspieler verpflichten wollen. Und so einer ist Haaland durchaus: Er mag jung und eher still sein, aber er schiesst Tore im Akkord. Man sagt dann: Er lässt Treffer sprechen. Der zweite Neue hingegen wird auch mal den Mund aufmachen müssen. Der 26-jährige Emre Can, am Freitagabend erst verpflichtet von Juventus Turin, stand tags darauf noch nicht im Kader, weil er Dinge rund um seinen Umzug zu regeln hatte. Am Dienstagabend hingegen soll er dabei sein. Nach den drei torreichen Spektakeln beginnen die Wochen der Wahrheit für Borussia Dortmund erst jetzt: am Dienstag Cup in Bremen, am Samstag Bundesliga in Leverkusen – und zehn Tage später das Hinspiel im Achtelfinal der Champions League gegen Thomas Tuchels Paris Saint-Germain. Im März folgen das Rückspiel in Paris, Derbys in Gladbach und gegen Schalke ­sowie Anfang April das Spitzenspiel gegen Bayern München.

Spannungsabfall nicht erlaubt

Eher lethargische Phasen wie in der ersten Halbzeit in Augsburg und nun zwischen der 30. und 60. Minute gegen Union sollten sich die Dortmunder dann aber auf jeden Fall nicht mehr leisten. «Nach einer halben Stunde hatten wir so eine Art Spannungsabfall», sagte ein bisschen besorgt der Sportchef Zorc, «da haben wir zu fahrig gespielt, und das kann gegen stärkere Gegner bestraft werden.» Schon am Dienstag erwarte er von Bremen mehr Gegenwehr.

Man spürt, wie stolz Zorc auf die Verpflichtung von Haaland ist, wie begeistert er dessen Tore anschaut und wie er trotzdem versucht, den Hype um den jungen Norweger nicht noch weiter anzuheizen. «Unfassbar», findet er die Rekorde seiner Jungstars Sancho und Haaland, aber über die Begeisterung für seine beiden 19-Jährigen hinaus beschäftigt er sich ja auch schon mit der Zukunft eines 15-Jährigen.

Moukoko bald ein «Grosser»

Für Youssoufa Moukoko, der schon in der A-Jugend des BVB spielt, weil er aussieht wie 20, ­interessieren sich längst die grössten Clubs Europas. Sein Vertrag in Dortmund gilt bis Juni 2022. Wenn Borussia Dortmunds Antrag auf Herabsetzung der ­Altersgrenze für Bundesligaspieler von 17 auf 16 Jahre zur kommenden Saison akzeptiert wird, dann dürfte Moukoko ab dem 20. November in der Bundesliga-Mannschaft mitspielen. In der ­A-Jugend-Bundesliga hat er in bislang 15 Spielen 24 Tore erzielt. Wie viele Tore er in der grossen Bundesliga schiessen könnte, ­bevor er 20 Jahre alt wird, kann sich mit ein bisschen Fantasie ­jeder ausmalen.

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