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Die Kür macht Mut zur Pflicht

Der FC Thun siegt bei Xamax gleich mit 5:1, ­beschliesst die erste Tranche in der Liga mit ausgeglichener Bilanz – und erlebt derzeit ­unüblicherweise einen ­blühenden Konkurrenzkampf.

Thuns Marvin Spielmann traf in der ersten Halbzeit zweimal, hier zum 2:0.
Thuns Marvin Spielmann traf in der ersten Halbzeit zweimal, hier zum 2:0.
Jean-Christophe Bott, Keystone
Rote Karte in der für Sejmenovic: Schiedsrichter Schärer schickte den Neuenburger in der 25. Minute vom Platz.
Rote Karte in der für Sejmenovic: Schiedsrichter Schärer schickte den Neuenburger in der 25. Minute vom Platz.
Jean-Christophe Bott, Keystone
Insgesamt fünfmal musste sich Xamax-Torhüter Laurent Walthert am Samstagabend bezwingen lasen.
Insgesamt fünfmal musste sich Xamax-Torhüter Laurent Walthert am Samstagabend bezwingen lasen.
Jean-Christophe Bott, Keystone
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Und so kam es, dass Marc Schneider den dienstlichen Teil seines Samstagabends fast nachdenklich ausklingen lassen konnte. 5:1 bei Aufsteiger Xamax, es war ein irgendwann problemloser, nur zu Beginn hektischer Weg zu drei Punkten, an dessen Ende der Neuenburger Trainer Michel Decastel minutenlang zum katastrophalen Abwehrverhalten seiner Mannschaft befragt wurde und er, Schneider, dann eben minutenlang die Chance bekam, vor versammelter Presse in seinen Gedanken zu versinken.

Es gilt, zu nivellieren

Die dürften ihn zuversichtlich gestimmt haben. Nach vier Spielen hat Thun sechs Punkte, Rang 5 ist nach der ersten Liga-Tranche eine akzeptable Referenz für die Oberländer. «Damit bin ich zufrieden, auch wenn ich weiss: Wir haben noch mehr Potenzial», sagt Schneider. Tatsächlich zeigte sein Team auch nebst dem Kantersieg am Samstag schon ansprechende Leistungen in dieser Saison – und sie ging auch bei den bisherigen zwei Niederlagen nie wirklich unter, war insbesondere vergangene Woche in St. Gallen (2:3) nahe am Punktgewinn. «Wir haben unsere Phasen, die hat jeder», sagt Schneider, «aber die Unterschiede sind mir da noch zu gross.»

Es gilt, zu nivellieren. Auch gegen Xamax gab es eine kurze Phase der Verunsicherung im Oberländer Spiel, seltsamerweise direkt nach dem vermeintlich vorentscheidenden 2:0 bei personeller Überzahl. «Da haben wir zu verhalten, zu oft quer gespielt», sagt Schneider. Natürlich aber bleibt der Ausflug nach Neuenburg in vorzüglicher Erinnerung. Auch, weil den Thunern etwas geglückt war, was sie in dieser Spielzeit auch schon verschlafen hatten: der Start.

Keine drei Minuten waren gespielt, als Grégory Karlen im Strafraum von Janick Kamber in den Rücken gestossen wurde. Marvin Spielmann nahm sich der heiklen Aufgabe erfolgreich an, genauso wie rund eine Viertelstunde später: Dejan Sorgic profitierte von einem katastrophalen Rückpass in der Xamax-Defensive, bediente Spielmann, und Mustafa Sejmenovic wusste sich bei dessen Abschluss nur noch mit dem Arm auf der Torlinie zu helfen. Rot und Penalty – 2:0 für Thun und 10:9 nach Feldspielern.

Nur einmal mehr Tore erzielt

Schneider probierte in Neuenburg nichts Neues, das Thuner System blieb unverändert. Wohl aber reagierte er auf die Tendenzen der letzten Partien. Er gab dem zuletzt auffälligen Edeljoker Dennis Salanovic auf rechts anstelle von Matteo Tosetti eine Chance, ersetzte Mickaël Facchinetti durch Chris Kablan.

Tosetti und Facchinetti durften gegen Xamax noch ans Werk und zeigten wie der ebenfalls ein­gewechselte Dominik Schwizer eine starke Leistung. Der Konkurrenzkampf ist gerade auf den Flügeln lanciert, das war beim finanziell manchmal klammen, oft von Verletzungen gebeutelten Thun nicht immer so. «Das kann uns in den nächsten Wochen tragen», sagte Schneider zufrieden.

Vorerst trug diese spielfreudige Formation die Oberländer am Samstag zu einem Kantersieg. In der kurzen Schwächephase konnte Gaëtan Karlen für Xamax verkürzen, Sorgics 3:1 vor der Pause war dann schon vorentscheidend. Thun nahm im zweiten Durchgang Tempo raus, profitierte clever von der Überzahl. Nicola Sutter köpfelte ein zum 4:1, danach traf mit Grégory auch noch der zweite Karlen auf dem Platz. Seit Einführung der Super League 2003 hat Thun in der höchsten Liga nur einmal mehr Tore erzielt: 2005 bei einem 7:1 gegen Aarau.

Die Kür soll Mut zur Pflicht machen: Am Samstag geht es im Cup zum FC Veyrier. Der interregionale Zweitligist darf für die Thuner kein Hindernis sein. «Ich will nicht viel rotieren, die Belastung ist moderat», sagt Schneider. Ein Aus im Cup würde den Trainer in wesentlich unbequemere Gedanken versinken lassen als am Neuenburgersee.

Moritz Marthaler

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