Xavier Hochstrasser: In der U-21 ein Leistungsträger – bei YB mit Problemen

Xavier Hochstrasser ist derzeit ein Sinnbild für viele YB-Spieler: international stark, national mittelmässig. Der 22-Jährige war jahrelang ein Stammspieler bei den Young Boys – und muss sich seinen Platz jetzt neu erkämpfen.

Freude bei der U-21: Mit der höchsten Schweizer Nachwuchsauswahl hat sich der 22-jährige Xavier Hochstrasser (Nummer 8) vor kurzem für die EM im nächsten Sommer in Dänemark qualifiziert.

Freude bei der U-21: Mit der höchsten Schweizer Nachwuchsauswahl hat sich der 22-jährige Xavier Hochstrasser (Nummer 8) vor kurzem für die EM im nächsten Sommer in Dänemark qualifiziert.

(Bild: Keystone)

Fabian Ruch

Die grossen Schlagzeilen gehören anderen bei YB. Das ist im Erfolgsfall so, wenn der torgefährliche Stürmer oder der reflexstarke Goalie gelobt werden – und das ist in der Krise so, wenn die schwachen Offensivkräfte oder die wackligen Abwehrspieler kritisiert werden. Xavier Hochstrasser, der Genfer in Bern, aber steht selten im Fokus, obwohl er als zentraler Mittelfeldspieler bereits 118 Partien für die Young Boys absolviert und 12 Treffer erzielt hat. Vielleicht hängt das auch mit der ruhigen Art abseits des Rasens zusammen – auf dem Feld aber, da kennt man Hochstrasser als giftigen Zweikämpfer, der auch mal als Provokateur auffällt.

«Nerven nicht verlieren»

Im Gespräch ist Xavier Hochstrasser am Dienstagmittag freundlich, der Romand spricht gut Deutsch, er ist ja auch bereits seit Sommer 2006 in Bern, als 17-Jähriger wechselte er damals von Servette zu YB. «Es ist jetzt meine fünfte Saison hier», sagt Hochstrasser, «und die Ansprüche an den Verein sind immer riesig.» Weil er erfahrener sei, würden ihn die aktuellen Probleme aber weniger belasten als früher. «Uns fehlen Punkte, das ist klar, doch wir müssen in Ruhe weiterarbeiten und dürfen die Nerven nicht verlieren.» Auch in anderen Vereinen mit grossen Ambitionen wie Schalke oder Bayern laufe es derzeit nicht, ergänzt der 22-Jährige, «doch diese Teams haben Potenzial, und das haben wir auch.»

Xavier Hochstrasser arbeitet beharrlich und ehrgeizig an seiner Karriere, natürlich ist das Ausland ein Ziel von ihm («jeder Schweizer Fussballer träumt von einem Engagement in einer grossen Liga»), aber momentan ist er ein Sinnbild für viele YB-Akteure: Auf der internationalen Bühne, mit der U-21-Auswahl, läuft es ihm glänzend, in der Liga aber harzt es gewaltig. Dabei wäre im persönlichen Karriereplan Hochstrassers für diese Saison gewissermassen die 3.Wachstumsphase vorgesehen gewesen. Nach der Anpassung als Talent folgte die Etablierung als Stammspieler, und jetzt, nach dem Weggang Gilles Yapis im zentralen Aufbau, wollte sich Hochstrasser als Führungsspieler profilieren. Am Dienstag aber formuliert er seine kurzfristigen Ziele zurückhaltender: «Ich will in den nächsten Wochen meinen Platz zurückerobern.»

Rote Karte in Finalissima

Durchaus selbstkritisch analysiert Hochstrasser, der mit seiner Freundin aus Bern in Zollikofen wohnt, die Lage: «Ich habe nicht immer überzeugt, und die Konkurrenz ist grösser geworden.» Die Zugänge Christoph Spycher (defensiv) und Moreno Costanzo (offensiv) sind im zentralen Mittelfeld gesetzt, und Hochstrasser kam zuletzt nur zum Einsatz, wenn Spycher hinten links aushelfen musste. Sein «YB-Zwilling» Thierry Doubai, auch am 1. Juli 1988 geboren, steht in der Gunst von Trainer Vladimir Petkovic zudem ebenfalls höher – obwohl Doubai wie einige andere YB-Spieler bloss im Europacup brillierte.

Ein bisschen unglücklich ist Hochstrassers hierarchischer Sturz vom Stammspieler zum Bankpersonal aber auch – in der mit 0:2 verlorenen Finalissima gegen Basel war er im Mai kurz vor Spielende des Feldes verwiesen worden. Deshalb war er in den ersten zwei Saisonspielen gesperrt. «So stand ich leider auch in der Vorbereitung, als getestet wurde, kaum in der Startformation», sagt Hochstrasser. «Und wenn ich dann spielen durfte, setzte ich mich wohl zu sehr unter Druck.»

Antreiber in der U21

Immerhin glänzte Hochstrasser zuletzt in der U-21-Auswahl als Antreiber und Gestalter, er ist eine der Führungskräfte in der höchsten Nachwuchsauswahl, die sich vor wenigen Wochen für die U-21-EM im nächsten Sommer in Dänemark qualifiziert hat. «Wir haben ein starkes Team», sagt Hochstrasser, «und vielleicht werden wir an der EM sogar noch besser sein.» Nationalspieler wie Eren Derdiyok (Leverkusen), Xherdan Shaqiri und Valentin Stocker (beide Basel) oder auch François Affolter und Moreno Costanzo (beide YB) könnten das U-21-Ensemble veredeln. «Aber», sagt Xavier Hochstrasser, «die EM ist gerade weit weg. Jetzt zählt nur YB für mich.»

Berner Zeitung

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