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Forte vs. Fischer: «Wir konnten zusammen immer lachen»

Die Rückrunde der Super League beginnt für die Berner Klubs am Sonntag sogleich mit dem Derby. Uli Forte und Urs Fischer, die beiden Zürcher Trainer von YB und Thun, beantworten im getrennt geführten Doppelinterview die gleichen Fragen.

Uli Forte und Urs Fischer im Doppelinterview vor dem Derby am Sonntag.
Uli Forte und Urs Fischer im Doppelinterview vor dem Derby am Sonntag.
Romina Amato

Kann YB Meister werden?Uli Forte: Was heisst kann? Jede Mannschaft, die vorne dabei ist, kann Meister werden. Können ist nicht das Thema. Aber wer es am Schluss wird, das muss man abwarten. Es ist noch viel zu früh dafür, dies jetzt schon beim Rückrundenstart zu sagen. Urs Fischer: Ich denke schon. Die vier Teams an der Spitze sind nur durch drei Punkte getrennt und haben unheimliches Potenzial, das haben sie in der Vorrunde gezeigt.

Kann Thun wieder den Europacup erreichen?Fischer:Ja, wir sind in einer Position, wo das möglich ist. Mit der Dreipunkteregelung kann es schnell gehen, deshalb ist der Start so wichtig. Mit einer Serie von drei, vier Siegen ist man vorne dabei, und das ist unser Ziel. Gleichzeitig wollen wir auch gegen hinten wachsam sein, so wie der FC Thun das in den letzten Jahren immer gemacht hat. Forte:Ja, sicher. Die Thuner haben es ja schon wiederholt bewiesen und in den letzten paar Jahren konstant sehr gute Arbeit geleistet. Sie können es durchaus schaffen, wenn sie nicht zu viele Verletzte haben.

Das letzte Derby wurde sehr emotional geführt. Haben sich die Gemüter wieder beruhigt?Forte: Natürlich. Jeder Sportler weiss, dass Emotionen im Spiel sind, erst recht bei einem Derby wie YB gegen Thun. Ein Derby wollen alle gewinnen, und beim letzten Mal hat es Thun geschafft. Hoffentlich können wir uns dieses Mal revanchieren. Fischer:Für mich ist das übertrieben. Es gab etwas härtere Zweikämpfe, aber das gehört dazu in einem Derby. Beide Spieler haben nachher gut reagiert. Renato Steffen hat sich entschuldigt, und auch Dennis Hediger hat sich bei der YB-Klubleitung gemeldet und sein Bedauer ausgedrückt. Beide haben gesehen, dass es auch anders gegangen wäre. Das ist keine Situation, die man überbewerten sollte.

Welchen Spieler des Gegners hätten Sie gerne in Ihren Reihen?Fischer: Sie haben mehr als einen interessanten Spieler. Da sie aber alle bei YB sind, interessieren sie mich nicht gross. Ich schaue in erster Linie auf mein Team. Forte:Ich bin sehr zufrieden mit meinem Kader, wir haben eine sehr gute Mannschaft. Wir haben ja Josef Martinez zurückgeholt, der bei Thun gespielt und dort eine sehr gute Entwicklung gemacht hatte. Alle, die ihn schon beim ersten Mal bei YB erlebt haben, sagen, dass er reifer und besser geworden ist. Und das zeigt er täglich im Training mit seinen Qualitäten.

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Trainerkollegen?Forte: Seine Coolness, seine Unaufgeregtheit, er passt tipptopp zu Thun. Und ich mag seinen Humor. Wir haben uns viele Jahre lang das Zimmer geteilt bei den Trainerkursen in Magglingen, und wir konnten zusammen immer viel lachen. Urs Fischer ist ein toller Typ. Fischer:Wir kennen uns schon lange. Seit dem A-Diplom haben wir alle Kurse gemeinsam gemacht. Und sogar das Zimmer geteilt. Uns verbindet einiges. Er sagt, was er denkt, ist geradlinig, wir sind gute Kollegen geworden.

Fühlen Sie sich als Zürcher in Bern akzeptiert?Fischer: Absolut, ich hatte nie das Gefühl, dass sich die Leute überlegen, da sei ein Zürcher, dem man vorsichtig gegenübertreten müsse. Ich weiss gar nicht, wieso die Zürcher immer einen so schweren Stand haben. Ich war acht Jahre als Spieler in St.Gallen, habe elf Jahre dort gelebt und wurde nie mit Vorurteilen konfrontiert. Vielleicht rührt dies daher, weil Zürich eine grosse Stadt ist und irgendwie auch eine Zentrale der Schweiz, in der viel läuft. Für mich ist das aber nicht negativ, sondern positiv zu bewerten. Forte: Sehr, sehr, und zwar von Anfang an. Ich bin sehr gut aufgenommen worden, die Berner sind ein herzliches Volk. Ich fühle mich pudelwohl hier und freue mich sehr darüber, dass YB in der Stadt und bei der Bevölkerung ein ständiges Thema ist. Man merkt, dass die Bernerinnen und Berner YB in ihr Herz geschlossen haben.

Was gefällt Ihnen besonders an der Heimatstadt ihres Vereins?Forte:Die Aare ist schön, die Altstadt, vor allem im Sommer, wenn alle draussen sitzen, dann ist es traumhaft. Das sind die Orte, die mir am besten gefallen – und natürlich das Stade de Suisse. Das ist ja schliesslich mein zweites Wohnzimmer. Fischer: Thun ist ein Bijou. Das Panorama in der Winterzeit, wenn ich am Morgen von Zürich nach Thun fahre, mit den schneebedeckten Bergen, ist schlicht fantastisch. Und auch im Sommer entlang des Thunersees mit all den vielen Orten, wo man draussen sitzen kann, ist es eine grossartige Stadt.

Was könnte der Berner vom Zürcher Fussball lernen?Fischer:Schwierig. Ich nehme nicht gerne die Titel zum Massstab, aber am Schluss zählt die Tabelle. Bei YB ist es seit dem letzten Erfolg schon lange her, und für Thun ist der Cup in diesem Jahr enorm wichtig. Es ist Zeit, es ist wirklich Zeit. Forte:Da fällt mir nichts ein, der Fussball wird überall gleich gespielt. Auch in Bern wird sehr guter Fussball gespielt, auch im Berner Oberland. Da gibt es nichts, was wir lernen müssen, im Gegenteil. Wir müssen jetzt einfach Gas geben.

Weshalb gewinnt Ihr Klub das Derby?Forte:Wir gewinnen, weil wir noch eine Rechnung offen haben vom letzten Mal und uns enorm freuen auf das Derby am Sonntag und die zweite Hälfte der Saison. Fischer:Wir gewinnen, weil wir ein Tor mehr schiessen werden als YB.

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