«Es könnte eine Lotterie werden»

E Sébastien Buemi ist das Schweizer Aushängeschild am Swiss E-Prix in Bern. Das Heimrennen bedeutet für den 30-jährigen Waadtländer aber auch viel Arbeit und Verpflichtungen.

Fokussiert, trotz vielen Terminen: Sébastien Buemi.

Fokussiert, trotz vielen Terminen: Sébastien Buemi.

(Bild: Raphael Moser)

Wie sind Ihre Eindrücke von der Strecke nach der ersten Besichtigung und Befahrung? Es gibt keine Überraschungen. Alles sieht ziemlich gleich aus wie im Simulator. Nur die letzte Schikane vor dem Ziel wurde noch angepasst. Dort ist der Randstein entfernt worden.

Sassen sie lange im Simulator, um die Strecke in Bern anzuschauen? Ziemlich lange. Montag und Dienstag verbrachte ich im Simulator. Schon vor Le Mans hatte ich darin getestet. Deshalb kannte ich den Kurs ziemlich gut.

Sie haben am Sonntag ja noch mit Toyota das prestigeträchtige 24-Stunden-Rennen von Le Mans zum zweiten Mal in Folge und gleichzeitig die Langstrecken-Weltmeisterschaft gewonnen. Konnten Sie diese Erfolge überhaupt geniessen? Ehrlich gesagt, nicht so richtig. Das ist momentan schwierig. Le Mans war physisch und emotional anstrengend, nun geht es gleich in der Formel E weiter. Ihr gehört jetzt meine volle Konzentration. Ich werde wohl erst am Sonntag, wenn es etwas ruhiger wird, alles verarbeiten können.

Apropos Ruhe, wie haben Sie sich nach Le Mans erholt? Ich war wirklich sehr müde. Doch ein spezielles Rezept zur Erholung gibt es nicht. Ich versuchte, viel zu schlafen, gut zu essen und wieder einen normalen Tagesrhythmus zu erlangen.

In Bern geht es hektisch weiter. Ja. Am Mittwoch habe ich noch alle Mechaniker und Ingenieure zu mir nach Hause in Aigle eingeladen. Ab Donnerstag hatte ich dann sehr viele Verpflichtungen; deutlich mehr jedenfalls als bei anderen Rennen. Doch ich will mich nicht ­beklagen, wir sprechen hier von einem Rennen im Jahr. Die zusätzliche Arbeit ist absolut verkraftbar.

2020 fehlt der Swiss E-Prix im provisorischen Rennkalender. Ich glaube, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ich hoffe stark, dass die Schweiz auch nächstes Jahr wieder ein Rennen in der ABB Formel E haben wird.

Falls nicht, ist nach dem 5. Platz 2018 in Zürich vielleicht Bern Ihre letzte Chance, in der Schweiz zu gewinnen. Ich mache mir deswegen keinen zusätzlichen Druck. Letztlich bleibt es wie überall: Wenn mir ein gutes Rennen gelingt, bin ich zufrieden, sonst nicht.

«Letztlich bleibt es wie überall: Wenn mir ein gutes Rennengelingt, bin ich zufrieden, sonst nicht.»

Was sagen Sie zu den Demonstrationen? Ich will nicht politisch werden. Ich denke, man darf protestieren, aber man sollte dabei nichts beschädigen.

Was wird am Samstag entscheidend sein? Primär das Qualifying, denn Überholen wird schwierig. Zudem wird auch das Wetter eine wichtige Rolle spielen.

Regen ist angesagt. Genau. Und wenn es nass wird, steigt das Risiko für Unfälle. Es könnte eine Lotterie werden. Ich denke da speziell auch an das Qualifying, sollten am Nachmittag nicht alle die gleichen Bedingungen haben.

Bei trockenen Verhältnissen wird am Aargauerstalden mit 230 km/h gerechnet. Und wenn es regnet? Das weiss ich nicht, natürlich ­weniger, weil man früher bremsen muss. Aber bestimmt immer noch mehr als 200 km/h.

Diese Saison kamen Sie im Nissan nicht richtig in Fahrt? Oft habe ich Pech gehabt, auch wenn ich dieses Wort nicht gerne benütze. Es gab technische Fehler, dann den Softwarefehler in Mexiko, als uns kurz vor Schluss die Energie ausging. In Paris beschädigte Konkurrent Robin Frijns meinen Reifen. Bei den anderen lief gewiss auch nicht alles rund, bei uns aber ausgesprochen vieles nicht.

Trotzdem sind Sie als Weltmeister von 2016 und mit insgesamt zwölf Siegen noch immer der erfolgreichste ­Fahrer in der Formel E. Das ist gut zu wissen, aber eigentlich ist es mir komplett egal. Ich will unbedingt wieder Rennen gewinnen, der Rest interessiert mich nicht.

Was mögen Sie eigentlich mehr: Wochenenden mit einem oder wie in New York mit zwei Rennen? Grundsätzlich befürworte ich nur ein Rennen an einem Ort. Ich finde, es ist für alle besser, wenn man am Ende sagen kann: Der hat dort gewonnen.

So wie zum Beispiel: Buemi gewinnt in Bern? Das wäre schön.

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