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Jung, talentiert, gelassen

François Affolter ist 17 Jahre jung, er besucht noch das Gymnasium in Biel und hat in seinen ersten drei Einsätzen für die Young Boys beeindruckt. Der spielstarke und abgeklärte Verteidiger steht vor einer glänzenden Zukunft.

Das Spiel dauerte wenige Sekunden, der Ball kam hoch und hart zu François Affolter geflogen, über 24000 Zuschauer waren im St.-Jakob-Park, und dieser Jüngling, 17 Jahre alt, stoppte den Ball elegant mit der Brust, umdribbelte gewandt den Basler Carlitos und löste die heikle Aufgabe mit einem präzisen Pass ins Mittelfeld – als ob es die einfachste Übung der Welt wäre. Vielleicht muss man diese Szene erwähnen, um sich einem talentierten Fussballer zu nähern, der gerade dabei ist, unbeschwert und souverän die ersten Schritte im Profifussball zu machen. Dreimal hat er für YB auswärts gespielt, seine Bilanz liest sich hervorragend: 2:1-Sieg in Bellinzona, 6:0 im Cup in Ibach und schliesslich am Samstag erneut ein 2:1-Erfolg beim FC Basel. «Affolter ist ein sehr grosses Talent. Wir haben im Training gesehen, dass er bereit ist. Deshalb sind wir auch nicht überrascht von seiner sehr starken Leistung», sagte YB-Captain Thomas Häberli am Samstag in Basel.

Die Doppelbelastung

François Affolter ist praktisch aus dem Nichts zu einem YB-Hoffnungsträger avanciert. Vor rund einem Monat lud Trainer Vladimir Petkovic vier Nachwuchsspieler ins Training ein – Affolter kam, spielte und hat seither stets gesiegt. «Für mich ist das wie ein Traum», sagt Affolter, der in Nidau aufgewachsen ist, dort mit den Eltern immer noch wohnt und in Biel das Gymnasium besucht. «Ich will die Matur im nächsten Sommer abschliessen», sagt der im Frühling 17 Jahre alt gewordene Youngster. Die Doppelbelastung sei manchmal ein Problem, am Morgen trainiere er nur einmal in der Woche, sagt Affolter, und wenn er am Abend nach Hause komme, müsse er halt noch die Schulaufgaben erledigen.

Erst im Sommer 2007 wechselte Affolter, dessen Muttersprache Französisch ist, vom FC Biel zu YB, und die Saisonvorbereitung bestritt er vor wenigen Wochen noch mit der U18-Mannschaft. Die U21-Auswahl hat er jetzt gleich übersprungen, er ist in jeder Beziehung der Überflieger bei den Young Boys. «Ich bin vom Team sehr gut aufgenommen worden», sagt Affolter. «Und es ist für mich sicher kein Nachteil, sprechen die Verteidiger Saif Ghezal und Miguel Portillo in der Dreierkette ebenfalls Französisch. Alle Mitspieler haben mir geholfen und auch ein bisschen die Nerven beruhigt.»

Das Ziel Ausland

Noch besitzt François Affolter bloss einen bis Sommer 2011 befristeten Nachwuchskontrakt, doch das Schriftwerk soll in den nächsten Wochen in einen Profivertrag umgewandelt werden. «Affolter ist für unsere Zukunft sehr wichtig», sagt YB-Sportchef Alain Baumann. «Er darf sich aber jetzt nicht ausruhen.»

Man hat ja in Bern in den letzten 15 Jahren viele Talente kommen und bald wieder gehen sehen, doch die Gefahr der Überheblichkeit ist bei Affolter eher gering. «Ich bin ein ruhiger Typ und keiner, der prahlt oder leichtsinnig ist. Und meine Eltern und Freunde sorgen auch dafür, dass ich am Boden bleibe», sagt Affolter. Er spricht freundlich, er wirkt nicht nur auf dem Spielfeld abgeklärt, und er hat konkrete Vorstellungen von seiner Zukunft: «In dieser Saison möchte ich mich etablieren und in der nächsten Stammspieler sein. Aber jeder junge Spieler träumt davon, so schnell wie möglich ins Ausland zu gehen.» Affolter nennt den ehemaligen französischen Superstar Zinédine Zidane als Vorbild («Ich spielte jahrelang im zentralen Mittelfeld»), war früher Fan des FC Basel und schwärmt heute von Arsenal.

Die mahnenden Worte

Natürlich weiss François Affolter, dass der Weg zu Arsenal lang ist. In der letzten Woche debütierte er für die Schweizer U18-Auswahl gegen Weissrussland – selbstverständlich mit einem 1:0-Sieg. Affolter, 1,86 Meter gross und 75 Kilogramm schwer, nennt seine Schnelligkeit, die Beidfüssigkeit und die Ruhe am Ball als Stärken, er will sich im Kopfballspiel verbessern sowie am Oberkörper Muskelmasse zulegen. Sein Trainer Petkovic verfolgt den Aufstieg des Teenagers unaufgeregt: «Ich habe immer auf junge Spieler gesetzt, wenn die Qualität stimmt. Affolter ist auf einem guten Weg, er ist gelassen und ein guter Fussballer. Aber er muss weiter arbeiten. Tag für Tag.» Affolter profitiert sicher auch davon, dass die Berner in der Defensive sehr dünn besetzt sind. Routinier Marc Schneider steht für das Uefa-Cup-Spiel morgen in Brügge wieder zur Verfügung, und Trainer Petkovic sagt, er habe sich noch nicht entschieden, wer spielen werde: «Aber wer in Basel so gut spielt, kann das auch in Brügge tun.»

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