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Eine Baustelle ohne Vorarbeiter

Am Sonntag empfängt YB – noch ohne neuen Trainer – Angstgegner Xamax. Der Vizemeister steht unter erheblichem Siegesdruck.

Es ist ja bisher eine ganz gute (und ruhige) Woche für YB gewesen. Es wurde keine Schlägerei aus dem Training gemeldet, rote Karten gab es nicht, eine weitere Niederlage ist nicht hinzugekommen und auch kein neuer Fehleinkauf, die Entscheidungsträger haben sich nicht unbeliebter gemacht, selbst eine Trainerentlassung wurde nicht unglücklich kommuniziert. Dummerweise spielen die Young Boys ihr einziges Spiel in dieser Woche – als Tabellenletzter – erst morgen gegen Xamax. Und blöderweise hat man immer noch keinen Trainer gefunden. Das ist erstaunlich und kann doch nicht erstaunen, geben die Verantwortlichen doch zu, ein mangelhaftes Scoutingsystem zu besitzen und in der internationalen Fussballwelt eher ungenügend vernetzt zu sein.

YB sucht seit zehn Tagen seinen neuen Trainer und braucht personelle Verstärkungen – und steht bereits früh in der Saison vor einer wegweisenden Woche. «Wir ändern unsere Ziele nicht», sagt Sportchef Alain Baumann. «Wir glauben an unser Team und daran, die Vorstellungen zu erfüllen.» Mindestens Rang zwei in der Super League sowie Verbesserungen im Schweizer Cup und im Uefa-Cup sollen es diese Saison bitte schön sein, wobei Exponenten sogar schon geäussert hatten, europäisch überwintern zu wollen, was eine günstige Auslosung voraussetzt. Anspruch und Realität aber klaffen weit auseinander: Gegen Angstgegner Xamax (letzte Saison drei 1:3-Niederlagen) und in Luzern, beim anderen Krisenklub, drohen nach der desolaten Leistung beim FCZ weitere Rückschläge – und dazwischen steht am Donnerstag das Hinspiel in der Uefa-Cup-Qualifikation gegen den ungarischen Spitzenklub Debrecen auf dem Programm. «Dieser Gegner liegt in Reichweite», sagt Baumann. Es ist schwer davon auszugehen, dass die Vertreter Debrecens ähnlich über YB urteilen.

Physische Defizite

Auf den Nachfolger Martin Andermatts wartet jede Menge Arbeit. YB ist eine Baustelle – mit mehreren Brennpunkten und derzeit ohne Vorarbeiter. Das Kader ist mangelhaft zusammengestellt, es hat, vielleicht mit Ausnahme von Torhüter Marco Wölfli und dem stillen Abwehrchef Saif Ghezal, keine Leaderfiguren, die mit Leistung überzeugen. Auch Captain Thomas Häberli ist auf der Suche nach Form und vor allem Toren. Mehrere Akteure wie Alberto Regazzoni und Carlos Varela sind unzufrieden. Mittelfeldspieler Gilles Yapi, nach dem Abgang Hakan Yakins der teuerste Angestellte im Betrieb, ist mal verletzt, mal angeschlagen, selten fit und eine grosse Enttäuschung – zudem hat er seit Monaten private Sorgen und träumt von einem Engagement in einer grossen Liga.

Vermutlich haben noch nicht alle Fussballer den Ernst der Lage erkannt – anders ist ein derart lebloser und schwacher Auftritt wie jener in Zürich nicht zu erklären. «Es ist mehr oder weniger das gleiche Team, das letztes Jahr Vizemeister geworden ist», sagt Alain Baumann. «Bloss: Die Spieler sind stark verunsichert.» Dreimal bereits verlor YB in dieser Saison in der Schlussphase, die physischen Defizite der Fussballer versucht Interimstrainer Erminio Piserchia mit strengeren Trainingseinheiten wettzumachen. Schlecht reden über Andermatt aber will man bei YB nicht, das ehrt die Berner, macht den Zeitpunkt des Trainerwechsels aber nicht verständlicher.

Gespräche am Wochenende

Auch der Torschuss dürfte verstärkt auf der Agenda stehen. Kein Angreifer hat überzeugt, Kandidaten gibt es von Häberli über Eudis bis zu den Afrikanern Joetex Frimpong und Seydou Doumbia einige. Aus dem Mittelfeld fehlte bisher jegliche Torgefahr, Steigerungspotenzial ist in gehobenem Mass vorhanden. Vielleicht folgt am Sonntag gegen Xamax ein erster Befreiungsschlag, ganz sicher sollen in naher Zukunft weitere Offensivspieler die kreativen Mängel beheben, wobei der neue Coach seine Ideen bezüglich Personalplanung einbringen darf. Auf dem Markt ist auch David Degen. Der rechte Mittelfeldspieler will seine Karriere nach missglücktem Engagement bei Gladbach und der leihweisen Rückkehr zu Basel (18 Spiele, 0 Tore) letzte Saison neu lancieren – die Transferrechte des 9-fachen Nationalspielers liegen bei Bundesliga-Aufsteiger Gladbach. Vorerst aber führen die Young Boys am Wochenende weitere Gespräche mit ihren Trainerkandidaten.

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