Der Schwingerkönig wird Bauer

Der 32 Jahre alte Berner Matthias Sempach verlässt seine Heimat Alchenstorf, um sich seinen zweiten ­Bubentraum zu erfüllen.

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Die Berner Schwinger starten in die Vorbereitung auf die nächste Saison – König Sempach ist nicht mehr dabei. Fuchst Sie das?
Matthias Sempach: Es war der richtige Schritt, den Rücktritt zu geben. Aber manchmal wünschte ich mir, ich wäre gesund und fit genug, damit ich weiterhin auf höchstem Niveau schwingen könnte. Der Sport bedeutet mir viel. Ich hätte mich gerne auf das «Eidgenössische» vorbereitet. Aber mein Körper würde die Belastung nicht mehr mitmachen.

Die Verletzungen haben sich ­generell gemehrt. Ist dies eine Begleiterscheinung des modernen Schwingsports?
Nicht das Schwingen hat sich verändert, sondern der Schwinger: Er ist grösser geworden, schwerer, athletischer. Im Vergleich zu den Achtzigerjahren ist die Durchschnittsgrösse um 5 bis 10 Zentimeter, das Durchschnittsgewicht um rund 15 Kilogramm gestiegen. In Kombination mit der spezifisch trainierten Schnellkraft ist die Belastung für Bänder und Gelenke enorm. Damit steigt das Verletzungsrisiko.

Matthias Sempach tritt vom Schwingsport zurück. Die Gründe erklärt er im Interview. Video: SDA/Tamedia

Sie erlitten vor dem Rücktritt einen weiteren Bandscheibenvorfall. Wie geht es Ihnen?
Letzte Woche habe ich in Schwarzenburg einen Schwingkurs geleitet. Das ging sehr gut. Ich bin überzeugt, dass ich bald wieder beschwerdefrei sein ­werde.

Bei Ihrem Abschied vor zwei Monaten sagten Sie, Sie hätten sich mit dem Gewinn des Königstitels einen Bubentraum erfüllt. Ein zweiter sei es, dereinst einen Landwirtschaftsbetrieb zu führen. Nun zeichnet sich ab, dass sich dieser Traum früher als erwartet erfüllen wird.
Ich hätte vor zwei Monaten nicht damit gerechnet. Die Gelegenheit hat sich nach meinem Rücktritt ergeben. Ich freue mich, ab 1. Januar in Entlebuch den Betrieb zu übernehmen, auf dem meine Freundin Heidi Jenny aufgewachsen ist. Es handelt sich um einen Milchwirtschaftsbetrieb. Er umfasst 16 Hektaren, liegt schön auf knapp 1000 Metern über Meer.

Der Schwingerkönig wird Bauer.
Der Schwingerkönig wird Bauer, so ist es (schmunzelt). Ich werde mich einleben und einarbeiten müssen. Es ist mein Wunsch, den Milchwirtschaftsbetrieb weiterzuführen. Meine Stelle bei Melior (ein Futtermittelhersteller – die Red.) werde ich per Ende Januar aufgeben und mich voll auf die Landwirtschaft konzentrieren.

Sie verlassen Alchenstorf, das Bernbiet – und damit auch Ihren Stammklub Kirchberg?
Ich habe dem Schwingklub Kirchberg und dem Berner Kantonalen Schwingerverband viel zu verdanken und werde meine Tätigkeit als Technischer Leiter im Klub bis zum «Eidgenössischen» 2019 fortsetzen. Ich weiss nicht, was die Zukunft bringt. Aber ich weiss, dass ich dem Schwingen in irgendeiner Form erhalten bleiben möchte.

Apropos Entlebuch: Joel Wicki ist Entlebucher – und im Hinblick aufs «Eidgenössische» einer der Favoriten. Wer wird Schwingerkönig 2019?
Für mich ist Wicki einer der fünf heissesten Anwärter.

Die vier anderen sind...
...Orlik, Giger, Stucki, Wenger.

Die Berner haben Sie am Schluss aufgezählt. Viele sehen sie nicht mehr in der Favoritenrolle.
In der abgelaufenen Saison konnten die Berner selten mit dem stärksten Kader antreten. Aber ich bin überzeugt, dass es 2019 nochmals klappen kann. Das «Eidgenössische» dauert zwei Tage lang, da spielt die Teamleistung eine wesentliche Rolle. Und das spricht für uns, für die Berner. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2018, 09:01 Uhr

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