Der Bürolaptop reist mit

Die Spieler von Wacker Thun sehen sich ob der Doppelbelastung in diesen Wochen mit einem Mammutprogramm konfrontiert. Eine Herausforderung stellt dies für die Berufstätigen dar.

Warten am Flughafen: Thomas Lanz (vorne) und Sven Krainer.

(Bild: Luca Linder)

Es ist, als dauerte das Playoff heuer vier Monate. Bis zu 36 Partien bestreitet Wacker in der sich in den Frühsommer erstreckenden zweiten Saisonhälfte, allein 9 im Februar, 6 weitere bis Mitte März. Das Programm der Thuner weist im Schnitt alle dreieinhalb Tage eine Begegnung aus.

Ein Problem ist das für all diejenigen, die daneben einer Arbeit nach­gehen – und das ist ein beträcht­licher Teil der Mannschaft, die offiziell keinen Profi in ihren Reihen hat, aber ­einige Studenten umfasst. Coach Martin Rubin ist als Sportlehrer beschäftigt.

Nicht sämtliche Stunden Unterricht seiner Klassen kann er leiten, am Montag etwa musste er sich vertreten lassen, er befand sich da mit dem Team auf der Rückreise aus Polen, wo die Berner Oberländer am Tag davor ihr erstes Gruppenspiel im EHF-Cup absolviert hatten. Es sei eine happige, aber auch eine erlebnisreiche Zeit, erzählt der Coach. Ein, maximal zwei Trainings bleiben ihm jeweils dafür, sein Ensemble auf den nächsten Gegner einzu­stellen.

Freizeit? Fehlanzeige

Speziell gefordert ist in diesen Wochen Luca Linder. Der Linksflügel ist bei einer Versicherung als Teamleiter engagiert, er hat ein 80-Prozent-Pensum. Freizeit habe er gerade kaum welche, sagt der 29-Jährige. Er stemme das Programm sehr gerne und mit Überzeugung, stosse aber mitunter an Grenzen, sagt das Eigengewächs.

Er profitiere davon, ein Umfeld sowie einen Arbeitgeber zu haben, die ihn unterstützten und Verständnis für seine Abwesenheiten zeigten. «Würde meine Partnerin darauf bestehen, jedes Wochenende mit mir einen Städtetrip zu unternehmen, hätte ich ein Problem.»

Linder geht selbst an Tagen, an denen am Abend gespielt wird, arbeiten. Frei hat er am Mittwochnachmittag und am Donnerstagmorgen. Ziel sei es, sich derweil erholen zu können – körperlich, aber auch mental. Manchmal sei es schwierig, vor dem Training abzuhaken, was im Büro passiert sei.

«Gelegentlich bringst du eine Angelegenheit nicht aus dem Kopf.» Der Absolvent eines Masterstudiums in Business Administration hat einen Kadervertrag und keine ­fixen Arbeitszeiten. Es gebe Phasen, da sei er stärker beschäftigt, als dies seiner Anstellung entspräche, und es gebe Tage, an denen er handballbedingt früher Feierabend mache.

Den Laptop hat er auf Reisen regelmässig dabei, was ihm ermöglicht, sich bei Bedarf einzubringen oder gewisse Tätigkeiten beispielsweise im Car oder am Flughafen zu verrichten. Erreichbar ist er für seine Mitarbeiter derweil auch. Sehr viele Anrufe aber kriege er nicht, wenn er unterwegs sei, erzählt er.

Einen grossen Einfluss auf seine Gedanken habe der Moment, in dem er das Tenü wechsle, sagt Linder. «Streife ich das Trikot über, lasse ich die Arbeit und weitere Verpflichtungen hinter mir. Dann bin ich Handballer – und nur Handballer.»

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